Peter Lehmann

Ingo Heinemanns Desinformationsstrategie für Uninformierte

Anhang: "Esowatch"-Unterstellungen

Homepage des Antipsychiatrieverlags
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Vorab für alle, die sich nicht in den Sumpf von Verdächtigungen und Verunglimpfungen begeben wollen:

  • Ich, Peter Lehmann, bin weder Scientologe noch Befürworter der Scientology-Sekte.

  • Auch der Antipsychiatrieverlag, den ich betreibe, steht den Scientologen oder ihren Tarnorganisationen in keiner Weise nahe.

  • Speziell unerträglich ist mir, mit dem abstoßenden Übermenschengehabe der Scientologen und ihren an Abstrusitäten kaum zu überbietenden Hubbart-Ideen in Verbindung gebracht zu werden.

  • Ich verkaufe meine Bücher direkt oder über den Buchhandel an alle.

  • Psychiater zitierien mich, Scientologen zitieren mich, und auch psychiatriefreundliche Scientology-Gegner wie Ingo Heinemann zitieren mich. Das kann ich nicht verhindern.

  • 1987, als ich noch Mitglied der Irren-Offensive e.V. (Berlin) war, unterzeichnete ich eine Presseerklärung, in der zustimmend ein Satz der Erika von Reil-Klier, einer Sprecherin der Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen die Menschenrechte e.V., zitiert wurde: "Es ist doch absurd, wenn durch ein Testament alles nach dem Ableben geregelt werden kann, aber nicht zu Lebzeiten Zwangsbehandlung und persönlichkeitszerstörende psychiatrische Praktiken abgelehnt werden können." Wegen dieses – damals unkommentiert verwendeten und deshalb psychiatriepolitisch fragwürdigen – Zitats versuchen Befürworter psychiatrischer Zwangsbehandlung sowie Zuwendungsempfänger und Freunde der Pharmaindustrie, mich und meinen Antipsychiatrieverlag in ehrenrühriger und geschäftsschädigender Weise als Scientology-nah zu diskreditieren.

Sollten Sie auf einer der von mir betreuten Websites www.bpe-online.de, www.antipsychiatrieverlag.de oder www.peter-lehmann-publishing.com einen Link zu einer Scientology-Organisation oder einer ihrer Publikationen finden, bitte ich Sie um Nachricht: Kontaktadresse

Wie insbesondere Ingo Heinemann, Geschäftsführer der "Aktion für Geistige und Psychische Freiheit e.V.", versucht, mich und meinen Antipsychiatrieverlag als Scientology-nah zu diskreditieren, stelle ich im Folgenden dar.

Wer sich für die Zielsetzung des Antipsychiatrieverlags interessiert, findet alle Informationen unter Verlagsprofil.
Meine Kurzbiographie
Mein ausführlicher Lebenslauf
Ein Überblick über meine Mitgliedschaften in Organisationen
Eine Liste all meiner Publikationen
Eine Liste all meiner unveröffentlichten Vorträge
Eine Liste meiner bisherigen Auszeichungen (inkl. Bundesverdienstkreuz und Ehrendoktorwürde)

Berlin, 24. Mai 2005      

Peter Lehmann


Ingo Heinemanns Desinformationsstrategie für Uninformierte

Ein Kommentar zu ausgewählten Passagen von

 
Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
Adresse dieser Seite: http://www.Ingo-Heinemann.de/Psychiatrie-Kritik.htm  Zuletzt bearbeitet am 26.2.2005

Scientology, Psychiatrie-Kritik und Anti-Psychiatrie
 

(Originalaussagen des Ingo Heinemann sind durch violette Farbe und Schrift in Times New Roman kenntlich gemacht. Hervorhebungen durch Unterstreichungen stammen von mir. Ohne Anspruch auf vollständige Kommentierung der Darstellungen des Ingo Heinemann)

Einleitung

  1. Konstruieren von Weltbildern und Illusionen: Scientology wird zur Antipsychiatrie · Szasz wird zum Antipsychiater · Peter Lehmann wird zum Kampfgefährten des Rene Talbot

  2. Unterstellen: "Die Irrenoffensive im Scientologen-Buch von 1987" · "Lehmanns Scientology-Kontakt" · Übersehene Unvereinbarkeitsbeschlüsse zu Kooperationen mit Scientologen

  3. Auslassen: "Der Begriff ›Das Psychiatrische Testament‹ ist ein Propaganda-Begriff" · "Der Begriff ›Psychiatrisches Testament‹ wird auch vom KVPM und damit von Scientology benutzt" · "Lehmann propagiert das Gegenteil des Trialogs"

  4. Geraune: "Die Männer hinter Hitler" · "Deshalb war und ist es durchaus von Interesse ..."

  5. Anmaßen: "Peter Lehmann verschweigt seine Rolle in der Irren-Offensive" · "Ärzte- und Medikamenten-Hasser"

  6. Andere Heinemann-Geschädigte: Ernsthafte Scientologykritiker · Steuerzahler · Antidiskriminierungsgesetz

Fazit


Einleitung

Obskure Psychogruppen versuchen seit vielen Jahren, an Einfluss, Macht und Reichtum zu gewinnen. 1993 machte beispielsweise Urs Ruckstuhl von der Schweizer Psychiatriestiftung Pro mente sana in seinem Artikel "Kopf Bauch Psychoboom" in "Statt Psychiatrie", erschienen im Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag, auf Fehlentwicklungen im Psychotherapiebereich und" mit Kapital- und Machtanhäufung einhergehende Bewegungen wie die Bhagwan- oder Scientology-Sekten" (S. 124) aufmerksam. Eine andere, in ähnliche Richtung zielende Publikation ist das Buch "Gehirn-Wäsche – Macht und Willkür in der ›systemischen Psychotherapie‹ nach Bert Hellinger" von Elisabeth Reuter, erschienen 2005 ebenfalls im Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag. Eine Auswahl von Büchern anderer Verlage findet sich auf der Seite Selbsthilfegruppen, Beschwerde- & Schlichtungsstellen, Publikationen, Mailinglisten und Webadressen für Psychotherapiegeschädigte des Peter Lehmann Antipsychiatrieverlags.

Die humanistische und nutzerorientierte Antipsychiatrie, der ich mich verpflichtet fühle, bedeutet nicht nur das Bestreben nach einem selbstbestimmten Leben, nach Schutz vor unerwünschter psychiatrischer Zwangsbehandlung und vor psychiatrischen Behandlungsschäden mit Elektroschocks und Psychopharmaka, sondern selbstverständlich auch nach Schutz vor Psychotherapieschäden und Ausbeutung durch Psychosekten. (Mit dieser Haltung bin ich in psychiatriekritischen Kreisen fürwahr nicht alleine.) Die Abhängigkeit von Psychopharmaka sollte nicht von einer neuen Abhängigkeit abgelöst werden. Neben Gesundheit ist nichts wertvoller als Freiheit und Unabhängigkeit.

Im psychosozialen Bereich tummeln sich die verschiedensten Gruppen und Personen, alle mit dem Anspruch und Versprechen, nur das Beste für Psychiatriebetroffene zu wollen. Neben mir, dem Autor dieses Textes, zählt hierzu Ingo Heinemann ebenso wie die Gruppe der Scientologen und die "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte", die Ingo Heinemann auf seiner Website ausführlich porträtiert. Erwünschte oder unerwünschte Kontakte sowie Abgrenzungen aller von allen sind demzufolge an der Tagesordnung.

Themen wie die Umschichtung der begrenzten Finanzmittel hin zu nichtpsychiatrischen Alternativen, die Bekämpfung von Vorurteilen vom gemeingefährlichen Irren oder der herabwürdigenden Vorstellung des krankheitsuneinsichtigen psychisch Kranken, die Möglichkeiten und Grenzen des Schutzes vor Selbst- und Fremdgefährdung (Garantenpflicht, Verwahren von Rechtsbrechern) sind konflikt- und vorurteilsbeladen. Außenstehende und Menschen in Krisensituationen oder sich erstmals mit diesen Themen beschäftigende Menschen können schnell demagogischen Strategien zum Opfer fallen. Das Instrumentalisieren des Scientology-Vorwurfs zur Durchsetzung der eigenen psychiatriepolitischen Position trägt zudem zur Vernebelung des Blicks bei: Wer kann am Ende Scientologen noch von Nicht-Scientologen unterscheiden? Denn nicht allen Verdächtigten wird zu Unrecht eine Scientology-Mitgliedschaft oder -Nähe vorgeworfen. Im Ergebnis dient Heinemanns Desinformationsstrategie somit den Interessen der Scientology-Sekte.

Mit Kolportagen, Unterstellungen, Auslassungen, Geraune, Anmaßungen und bloßen Behauptungen lässt sich ein Schwarz-Weiß-Bild der Psychiatrie- und Antipsychiatrieszene entwerfen, dem nicht nur einfältige Personen leicht auf den Leim gehen.

Neben einer allgemeinen Orientierungslosigkeit im Psychosumpf kann die Folge ein verängstigtes, auf bloßen Unterstellungen beruhendes Ausbleiben von Engagement für die Interessen von Psychiatriebetroffenen sein. Wer kann als Außenstehender noch die Spreu vom Weizen trennen?

Wer die Instrumentalisierung der Scientology-Kritik und die damit einhergehende Aufwertung der Scientologen durch deren In-eine-Reihe-Stellen mit der humanistischen und nutzerorientierten Antipsychiatrie verhindern will, muss sich für eine seriöse Kritik der Scientologen und ihrer Unterstützer einsetzen.

1. Konstruieren von Weltbildern und Illusionen

Scientology wird zur Antipsychiatrie

Laut Ingo Heinemann "benutzt Scientology üblicherweise nicht den Begriff Antipsychiatrie." Nichtsdestotrotz versucht er den Eindruck zu erwecken, als könne man Antipsychiatrie und Scientology gleichsetzen, zumindest:

"Ihr Einfluss auf den Antipsychiatrie-Zweig der Betroffenen-Vereine scheint massiv zu wachsen. (...) Scientology versucht, die ›Antipsychiatrie‹ für sich einzuspannen. (...) Aber keineswegs jeder, der hier unter diesem Stichwort genannt wird, hat deshalb etwas mit Scientology zu tun. (...) Es gibt bisher keine Belege dafür, daß diese Antipsychiatrie-Kampagne von Scientology oder Scientologen gesteuert wird. "

Szasz wird zum Antipsychiater

"Ein solcher Psychiatrie-Kritiker ist der Psychiater Thomas Szasz (...) Szasz ist Mitbegründer der Scientology-Tarnorganisation KVPM/CCHR (...)"
Thomas Szasz wird von einem Teil der Psychiatriekritiker zwar gerne als Antipsychiater bezeichnet, sich selbst bezeichnet er sich jedoch nicht in dieser Weise, im Gegenteil, Szasz äußerte sich extrem abfällig über den Psychiater David Cooper, der den Begriff Antipsychiatrie einführte (siehe beispielsweise Thomas Szasz: "Schizophrenie – Das heilige Symbol der Psychiatrie", Europaverlag: Wien / München / Zürich 1973). Dass Szasz mit seinen früheren historischen und diagnosekritischen Publikationen einen wichtigen, wenn auch begrenzten Einfluss auf die antipsychiatrische Theoriebildung ausgeübt hat, ist in meinem Artikel "Alte, veraltete und neue Antipsychiatrie" (abgedruckt in der Zeitschrift für systemische Therapie, 19. Jg. [2001], Nr. 4) nachzulesen. Dennoch packt Ingo Heinemann Szasz undifferenziert in seine antipsychiatrische Schublade. Schon Juan Obiols schrieb 1973 in dem Buch "Antipsychiatrie – Das neue Verständnis psychischer Krankheit" (1978 bei Rowohlt in deutscher Übersetzung erschienen): "Obwohl es den Anschein haben mag, kann man Szasz nicht als Antipsychiater einstufen. Als Kliniker bliebt er ein Gefangener des Systems." (S. 34)

Peter Lehmann wird zum Kampfgefährten des Rene Talbot

"Rene Talbot und Peter Lehmann: Die Koordinatoren der Antipsychiatrie in Deutschland. Rene Talbot und Peter Lehmann muss man wohl als die Koordinatoren der Antipsychiatrie in Deutschland ansehen. Damit soll nicht etwa gesagt werden, dass sie Scientologen sind. Dafür gibt es keine nachprüfbaren Anhaltspunkte. (...) Rene Talbot scheint die nicht organisierten Psychiatrie-Betroffenen anzusprechen. Peter Lehmann scheint eher den organisierten Teil der Psychiatrie-Betroffenen anzusprechen. (...) Rene Talbot und Peter Lehmann waren oder sind im Verein Irren-Offensive e.V. organisiert (...)."

Recht durchsichtig versucht Ingo Heinemann nicht nur, die beiden genannten Personen eine gemeinsame Scientology-Nähe anzudichten; er inszeniert zudem die Vorstellung einer Koordination und Kommunikation zwischen mir und jenem Rene Talbot, außer Acht lassend, dass Letztgenannter sich der Irren-Offensive e.V. anschloss, nachdem ich aus ihr 1989/90 ausgetreten war und anschließend ein nahezu vollständiger personeller Umbruch stattgefunden hatte, der sich nicht zuletzt auch dadurch zeigt, dass Rene Talbot und seine Freunde mich wegen der kritischen Teilnahme an einem Kongress der World Psychiatric Association 2007, siehe http://ki-art-multimedia.de/dresden/dresden.htm, als Freund psychiatrischer Folter verleumden, siehe http://www.iaapa.de/contest_dt.html.

Fazit: Durch bloße und aus gutem Grund in Konditionalform vorgetragene Verdächtigungen und Unterstellungen, durch Kolportage, willkürliche Zuordnung und ausbleibende Differenzierung der einzelnen Personen mit abweichender – und im einzelnen völlig entgegengesetzter – psychiatriepolitischer Haltung wird deren pauschale Verbundenheit mit scientologischen Kreisen konstruiert. Uninformierte Menschen, die Informationen suchen, werden so leicht getäuscht. Ingo Heinemann wendet sich dezidiert an "Leser mit beschränktem Horizont", wie er mir am 2.7.2002 per eMail mitteilte; er, Ingo Heinemann, sei

"... nicht in der Lage, jede einzelne Seite dieser Website auf den Empfängerhorizont aller denkbaren Leser einzurichten. Der Titel ›Scientology-Kritik‹ und das Link auf das Inhaltsverzeichnis sollte jedoch auch für Leser mit beschränktem Horizont ausreichen. (...) Mit freundlichen Grüßen Ingo Heinemann"

Ein seriöses Vorgehen würde anders aussehen.

2. Unterstellungen

"Die Irrenoffensive im Scientologen-Buch von 1987"

"Der Verein Irren-Offensive wurde bereits 1987 in dem Buch der Scientology-Anhänger Keppler und Mehler  ›Der sanfte Schrei‹ (Heyne-Verlag, Buchbesprechung: http://www.AGPF.de/akt88-1.htm#Seite 11) als erste Anlaufadresse genannt, neben einem Feministischen Frauen-Therapiezentrum, der SSK Sozialistische Selbsthilfe Köln, einem Arbeitskreis gegen Menschenrechtsverletzungen in München, KVPM und Narconon."
Ohne jegliches Anzeichen einer Distanzierung von bekannten Vereinnahmungsversuchen der Scientologen soll hier der Eindruck erweckt werden, als hätte die damalige Irren-Offensive bewusst und aktiv darauf hingearbeitet, irgendeine Form der Zusammenarbeit mit Scientologen zu pflegen. Und sei es auch nur, in ihren Büchern erwähnt zu werden.

"Lehmanns Scientology-Kontakt"

"In Lehmanns Zeit als Vorstand der Irrenoffensive fällt die Erfindung des Begriffes ›Das Psychiatrische Testament‹. Der Verein Irren-Offensive hat ein Buch mit diesem Titel herausgegeben und zwar 1987 in Peter Lehmanns Antipsychiatrie-Verlag unter der ISBN 3-925931-02-3."

Nur zur Information: Das nach ISBN-Nummern geordnete Gesamtverzeichnis des Peter Lehmann Antipsychiatrieverlags findet sich auf meiner Website.

"Aus diesem Anlass wurde eine Pressekonferenz veranstaltet und eine Presseerklärung herausgegeben, handschriftlich unterzeichnet von Peter Lehmann. Darin heisst es: ›Erika von Reil-Klier, eine Sprecherin der Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen die Menschenrechte e.V. (Sitz München), deren Ehrenvorsitzender Professor Szasz ist, begrüßte die Initiative der Irren-Offensive ausdrücklich ... ‹. Die KVPM – Kommission für Verstösse der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V.  war und ist die Kampftruppe der Scientology-Organisation gegen die Psychiatrie. Die KVPM – Kommission für Verstösse der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V.  war zum Zeitpunkt der Pressekonferenz längst als Scientology-Ableger enttarnt. Darüber war in Büchern und zahlreichen Presseartikeln berichtet worden. Es erscheint so gut wie ausgeschlossen, dass dies jemandem entgangen sein könnte, der sich damals schon – wie Lehmann – kritisch mit der Psychiatrie befasst hat. Schon 1978 hat Ernst Klee in seinem Buch ›Psychiatrie-Report‹ beschrieben, wie leicht man in die Nähe von Scientology geraten kann oder gestellt wird. Ich habe Lehmann per E-Mail gefragt, ob ihm damals bekannt war, dass es sich bei dieser Kommission um einen Ableger der Scientology-Organisation gehandelt hat und dass Erika von Reil-Klier Scientologin war. Lehmanns Antwort: ›Ich habe die Irren-Offensive 1989 verlassen und besitze keine Unterlagen mehr. Bitte lassen Sie mir eine Kopie jener Presseerklärung zukommen. Vielleicht hilft mir dies mich zu erinnern, was ich vor 15 Jahren wußte und was nicht.‹"

Die Mail an Ingo Heinemann zeigt eine gewisse Naivität insofern, als ich annahm, dieser sei – als ich ihn nach dem Inhalt dieser Presseerklärung fragte, einer der vielen der damaligen Zeit – tatsächlich an meiner Meinung interessiert. Statt dessen stellt Ingo Heinemann mich in einer Weise, die man im Englischen vermutlich character assassination (Persönlichkeitsvernichtung) nennen würde, faktisch als unglaubwürdig dar:

"Mit solcher Mischung aus vermeintlicher Unwissenheit und Schlitzohrigkeit ist es Lehmann bisher offenbar gelungen, seine Position in Betroffenen-Vereinen zu behaupten und zugleich seine gewerblichen Interessen mit Buchverkäufen bei Tagungen vertreten zu dürfen."
 

Ingo Heinemann ist verantwortlich für Inhalt und Gestaltung der Seite "Scientology-Kritik". Auf seiner Website befinden sich unter www.ingo-heinemann.de/#Biographisches kurze Angaben zu seiner Ausbildung. Von dort stammt auch die Abbildung.

Natürlich kann man sich im nachhinein über den Text der Presseerklärung von 1987 mit dem unkommentiert verwendeten Zitat wundern. Auch

  • wenn – angesichts nicht mehr vorhandener Unterlagen – heute nicht mehr zu rekonstruieren ist, wie das Zitat zustande kam

  • wenn – wie Ingo Heinemann ausführt – die Scientology-Zugehörigkeit der Erika von-Reil-Klier erst acht Jahre später offenbar wurde

  • wenn es von Befürwortern der Zwangsbehandlung missbraucht wird, um diejenigen, die für das Recht auf körperliche Unversehrtheit auch für Psychiatriebetroffene eintreten, in den Generalverdacht der Scientology-Nähe zu zerren,

so ist das Zitat zweifelsfrei als damaliger psychiatriepolitischer Fehltritt zu werten. Und (frei nach dem Sprichwort) wenn man einmal mit dem Teufel gespielt hat, lassen sich die bösen Geister nur schwer wieder vertreiben. Und deren gibt es leider allzu viele.

Zu diskutieren ist dies aber schwerlich mit einem Mann wie Ingo Heinemann, der – Psychiatriefreund, selbsternannter Ermittler, Ankläger, Gutachter, Anwalt und quasi Richter in einer Person – durchaus den Eindruck macht, das Urteil über sein Gegenüber bereits längst vor dessen ersten Entgegnung gefällt zu haben. Vermutlich kann sich Ingo Heinemann in der Weise, wie er ("Mischung aus vermeintlicher Unwissenheit und Schlitzohrigkeit") sie mir vorwirft, gar nicht mehr vorstellen, dass andere vielleicht ganz andere Beweggründe haben.

"Erika von Reil-Klier war nicht nur Sprecherin der KVPM, sondern auch Scientologin. In einer Scientology-Website wird über die Feierlichkeiten von 1995 zum 25-jährigen Bestehen der Organisation in Deutschland berichtet (...)."
Mit dieser Passage belegt Ingo Heinemann die Scientology-Zugehörigkeit Frau von Reil-Kliers. Ingo Heinemanns Vorhalt, man hätte schon in den 80er Jahren über die (seit 1992 vom Verfassungsschutz beobachtete) Scientology ausreichend informiert sein müssen, geht von der Annahme aus, dass Scientology einerseits zur Gruppe der ernstzunehmenden und seriösen Psychiatriekritiker zählt, mit der – als psychiatriepolitisch relevante Gruppe – sich in konstruktiver Absicht zu beschäftigen lohnen würde, und andererseits alle, die sich kritisch und ernsthaft mit Psychiatrie beschäftigen, sein Interesse an Informationen über die Scientologen teilen.

Übersehene Unvereinbarkeitsbeschlüsse zu Kooperationen mit Scientologen

Wunderlich ist, dass der rührige Ingo Heinemann nicht weitere Rechercheergebnisse nennt. Ohne großen Aufwand hätte er wesentliche Abgrenzungen von meiner Seite bzw. des Peter Lehmann Antipsychiatrieverlags sowie durch Vereine, die ich mitgegründet habe oder denen ich beigetreten bin, finden können:

Berliner Organisation Psychiatrie-Erfahrener und Psychiatrie-Betroffener (BOP&P) e.V.: Aus der (von der LAG Berlin übernommenen) Satzung von 2003:

"§ 5 Mitgliedschaft
7. Die Ziele der BOP&P sind unvereinbar mit den Lehren von L. Ron Hubbard. Werbung für und Kooperation mit der sogenannten Scientology-Church und ihren Unterorganisationen oder scientologynahen Organisationen wie KVPM sowie die Mitgliedschaft in diesen Organisationen sind unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der BOP&P.
8. Die Mitgliedschaft in rechtsextremen Organisationen und/oder das Vertreten derer Ziele ist unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der BOP&P."

Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE) e.V.: Aus der Satzung von 2002:

"§ 5 Mitgliedschaft
7. Die Ziele des BPE sind unvereinbar mit den Lehren von L. Ron Hubbard. Werbung für und Kooperation mit der Scientology-Church und ihren Unterorganisationen oder scientologynahen Organisationen wie KVPM sowie die Mitgliedschaft in diesen Organisationen sind unvereinbar mit der Mitgliedschaft im BPE."

Weglaufhaus Berlin: Ich war Gründungsmitglied und Vorstandsmitglied des Trägervereins (Verein zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt e.V.) und bestand seit Eröffnung des Hauses 1996 auf der Unterzeichnung von Revers seitens der Mitarbeiter, die die Gültigkeit des Arbeitsvertrags abhängig machten von einer korrekten Angabe zur Nicht-Mitgliedschaft bei den Scientologen (siehe Abbildung). Der Text stammt von Rechtsanwalt Hubertus Rolshoven (der auch die Gebrauchsanweisung und den Mustertext zum Psychiatrischen Testament entwickelte):

"Erklärung zur Sektenferne der MitarbeiterInnen im Weglaufhaus Berlin. Anlage zum Arbeitsvertrag zwischen dem Verein zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt e.V. und.....
Ich, ...., versichere gegenüber dem Verein zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt e.V., dass ich nicht Mitglied der Scientology-Church bin, nicht nach der Philosophie von Ron L. Hubbard arbeite, keine Schulungen / Kurse / Seminare nach der Philosophie von Ron L. Hubbard besucht habe oder besuche, in keiner anderen Verbindung mit der Scientology-Church stehe. Diese Erklärung dient dem Schutz der BewohnerInnen und der MitarbeiterInnen des Weglaufhauses Berlin vor direkter und indirekter Verbindung mit der Scientology-Church. Das Weglaufhaus Berlin lehnt die Ziele und Methoden der Scientology-Church ab und möchte zum Schutze seines Rufes mit dieser nicht in Verbindung gebracht werden. Der/dem Unterzeichnenden ist bekannt, dass falsche Angaben in dieser Erklärung und/oder die Anbahnung bzw. Aufnahme von Verbindungen inhaltlicher oder personeller Art zur Scientology-Church die Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit dem Verein zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt e.V. durch Anfechtung oder Kündigung zur Folge haben.
Berlin, den ... Unterschrift Mitarbeiter/in ......
Zur Kenntnis genommen..... Verein zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt"

Warnung im SPIEGEL vor Kundenwerbung für Scientology: Es erscheint so gut wie ausgeschlossen, dass Ingo Heinemann der Spiegel-Artikel "Elektroschock-Therapie kehrt zurück – BLITZSCHLAG INS HIRN" (Ausgabe 10 vom 6.03.1995, Seite 214 / 216) entgangen ist. Dort äußerte ich mich im Telefoninterview zur Frage von Hirnschäden, die durch die von Elektroschocks ausgelösten epileptischen Anfälle zwangsläufig entstehen (weshalb Elektroschocks auch von der Hamburger ›Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte‹ massiv kritisiert werden):

"›Ich halte ihre Ablehnung des Elektroschocks für sachlich begründet, aber sie verquickt die Kritik an psychiatrischen Maßnahmen mit Kundenwerbung für Scientology‹, sagt Peter Lehmann vom Vorstand des Bundesverbandes Psychiatrieerfahrener, einer Patientenorganisation."

Kritik an Thomas Szasz' Buch ›Grausames Mitleid‹ und seinem zu Scientology passenden primitiv-kapitalistischen Weltbild. In ihrer Kritik an Thomas Szasz' 1997 im S. Fischer Taschenbuch Verlag erschienenem Buch ›Grausames Mitleid‹ und seinem zu Scientology passenden primitiv-kapitalistischen Weltbild für die Medizinerzeitschrift Dr. med. Mabuse (1998) beschreibt die Rezensentin Kerstin Kempker [Autorin, Co-Autorin, Herausgeberin oder Mitherausgeberin der im Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag erschienenen Bücher Mitgift – Notizen vom Verschwinden, Flucht in die Wirklichkeit. Das Berliner Weglaufhaus, Teure Verständnislosigkeit. Die Sprache der Verrücktheit und die Entgegnung der Psychiatrie, Statt Psychiatrie und Psychopharmaka absetzen. Erfolgreiches Absetzen von Neuroleptika, Antidepressiva, Phasenprophylaktika, Ritalin und Tranquilizern (3. Aufl.)] den abstoßenden Effekt

"... des grausamen Desinteresses Thomas Szasz' an den ›Unproduktiven‹, die tiefe Verachtung, die badness (Schlechtigkeit) mit madness (Verrücktheit) gleichsetzt, und die brutale Konsequenz einer von allem Sozialen bereinigten purkapitalistischen Weltanschauung."

Den Link zu dieser Rezension, als HTM-Datei vom Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag ins Internet gestellt, setzte ich seinerzeit auch auf die Website des BPE e.V.

Ebenfalls in der Internet-Artikelsammlung des Peter Lehmann Antipsychiatrieverlags steht die "Presseerklärung zur Einladung des politisch obskuren Psychiaters Thomas Szasz zum ›Foucault-Tribunal‹ vom 1. Mai 1998", die ich mitformuliert habe und die Kerstin Kempker für den Verein zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt e.V. unterzeichnet hat:

"Die MitarbeiterInnen und BewohnerInnen finden es absurd, Thomas Szasz als antipsychiatrisches Zugpferd einzuladen und ihm publizistische Gelegenheit zu geben, weiter Wasser auf die Mühlen derer zu kippen, die derzeit den Sozialstaat demontieren. Szasz steht mit seinen Aussagen diametral entgegengesetzt zu den existentiellen Bedürfnissen vieler Psychiatriebetroffener nach sozialer Unterstützung. Insbesondere im Weglaufhaus, in dem weggelaufene wohnungslose Psychiatriebetroffene Unterstützung suchen, finanziert nach § 72 BSGH (›Hilfe in besonderen sozialen Schwierigkeiten‹), findet die Einladung von Thomas Szasz keinerlei Verständnis.

Unklar bleibt auch, wie Angehörige der FU (Freie Universität Berlin, P.L.), die gegen Mittelstreichung im Bildungswesen eintreten, hinter der Einladung eines Mannes stehen, der offenbar in den USA eine solche Mittelstreichung publizistisch unterstützt und anscheinend letztlich den gesamten Staat privatisieren möchte – mit Ausnahme vielleicht von Gefängnissen, in die er am liebsten Psychiatriebetroffene gesteckt haben möchte? Wir haben unsere Bedenken und unseren Wunsch, Thomas Szasz wieder auszuladen, bereits am 10.2.1998 Prof. Bruder und seiner Vorbereitungsgruppe vor Ort und Frau Renate Bauer vom Soziologischen Institut telefonisch vorgetragen, jedoch keinerlei Interesse vorgefunden, die Auseinandersetzung in einer befriedigenden Weise zu klären. Wir werden nicht sprachlos zusehen, wie das – auch von uns – mühevoll aufgebaute positive Image der neuen Antipsychiatrie zerstört wird von einigen Besserverdienenden, die möglicherweise gerne einfach im Rampenlicht stehen möchten und sich nicht um mögliche Konsequenzen ihres Tuns für die sozial Schwächsten kümmern.

Deshalb sehen wir uns gezwungen, mit unserer Kritik an die Öffentlichkeit zu gehen. Dabei lässt sich leider auch nicht vermeiden zuallerletzt darauf hinzuweisen, dass Thomas Szasz bereits 1979 der ›Scientology Church‹ moralisch einwandfreies Eintreten für Psychiatriebetroffene bescheinigt hat. Wie aus einer Schrift der Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte (KVPM; etabliert von der ›Scientology Church‹) von Ende 1997 / Anfang 1998 hervorgeht, hat Thomas Szasz kürzlich einen Beirat der deutschen KVPM gegründet."

Auf meine Anregung druckte der BPE die Presseerklärung in seinem Mitgliederrundbrief ab.

Fazit: Jede/r kann seine eigenen Schlüsse ziehen, aus welchen Motiven Ingo Heinemann, Geschäftsführer der "Aktion für Geistige und Psychische Freiheit", meine Warnungen bzw. diejenigen des Peter Lehmann Antipsychiatrieverlags vor der Scientology-Sekte und Thomas Szasz geflissentlich übersieht. Sie passen vermutlich nicht in das Weltbild von Psychiatriefreunden, das Antipsychiatrie und Scientology gleichsetzt – eine Weltschau, die spiegelbildlich an eine sektenähnlich primitive Gut-Böse-Weltschau erinnert.

3. Auslassen

"Der Begriff ›Das Psychiatrische Testament‹ ist ein Propaganda-Begriff"

"Der Text von Szasz hatte den Titel ›The Psychiatric Will‹. Zuständig für die ebenso merkwürdige wie prägnante Übersetzung: Ein ›Übersetzer-Kollektiv der Irren-Offensive e.V.‹, bestehend aus: ›Ralf Beyer, Peter Lehmann, Hannelore Pietsch, Gabi S., Heike Schlüchtermann, Tina Stöckle, Martin Wiedmann und Hartmut Zülch‹. (...) Der Begriff ›Das Psychiatrische Testament‹ suggeriert die Vorstellung, dass Psychiatrie-Patienten Todeskandidaten sind."

Da Ingo Heinemann nicht einen dieser "zahllosen" Artikel nennt, muss man spekulieren, worauf sich dieser einzig von ihm benutzte Begriff der "Todeskandidaten" bezieht. Möglicherweise meint er meinen 1996 im Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag erschienenen Doppelband "Schöne neue Psychiatrie", in dem über 2500 medizinische, psychologische und pharmakologische Fachaufsätze und -bücher über die erheblichen Gesundheitsrisiken von psychiatrischen Psychopharmaka und Elektroschocks incl. tödliche Behandlungsverläufe ausgewertet sind.

"Genau das verbreitet die deutsche Antipsychiatrie unterschwellig in zahllosen Artikeln und E-Mails. Vertreten wird diese deutsche Antipsychiatrie hauptsächlich durch Lehmann, Talbot und Scientology. (...) Ein Testament ist eine Willenserklärung für den Fall des Todes. Warum diese freie Übersetzung gewählt wurde, erklärt das Kollektiv ausführlich. Es sei die ›unzweideutigste und auch einprägsamste Bezeichnung für den deutschen Sprachgebrauch‹, die sich im Kollektiv nach langer Diskussion durchgesetzt habe."
Eine seriöse Kritik der Übersetzung des Szasz-Artikels würde die komplette Anmerkung der Übersetzer zitieren, die ausdrücklich auch auf den Aspekt tödlicher Gefahren durch psychische Extremzustände ("gleichgültig aus welchem Blickwinkel gesehenen") hinweist:
"Eine wörtliche Übersetzung von Psychiatric Will ergäbe den Begriff des Psychiatrischen Willens oder der Psychiatrischen Verfügung, was leicht als Wille oder Verfügung von Psychiatern missverstanden werden könnte. Denkbar wäre auch eine Übersetzung mit Wille/Verfügung in bezug auf Psychiatrie, was recht umständlich klingt, oder Wille für oder gegen psychiatrische Behandlung, was auch nicht besser ist. Nach langer Diskussion setzte sich in der Übersetzergruppe der Begriff des Psychiatrischen Testaments als die unzweideutigste und auch einprägsamste Bezeichnung für den deutschen Sprachgebrauch durch. Auch angesichts der – gleichgültig aus welchem Blickwinkel gesehenen – Nähe der Psychiatrie zum Tod erschien uns die bezeichnete Wortwahl für die Übersetzung als angemessen."

"Demnach will also niemand für diesen Begriff verantwortlich sein." Weshalb aus einer gemeinsamen Übersetzung die Ablehnung von Verantwortung wird, bleibt Ingo Heinemanns Geheimnis. Der Vorwurf der Verantwortungslosigkeit ist jedenfalls immer ein prima Mittel, einen Andersdenkenden in Misskredit zu bringen.

"Umgekehrt sind alle Übersetzer dafür verantwortlich. Also auch Lehmann, der zudem die propagandistische Umsetzung besorgt hat." Mit "propagandistische Umsetzung" meint Ingo Heinemann vermutlich (er erläutert seinen Propagandabegriff nicht) den Fakt des Verlegens; diese wurde möglich dank finanzieller Unterstützung durch Netzwerk Selbsthilfe e.V. (Berlin). Andere Schriften von Thomas Szasz erschienen beim S. Fischer Verlag (Ffm), Europaverlag (Wien / München / Zürich) oder Walter Verlag (Olten & Freiburg im Breisgau).

"Diese Informationen sind enthalten in einer Script-Version, die von Peter Lehmanns Antipsychiatrie-Verlag noch 2002 verbreitet wurde und in der auch die Presseerklärung enthalten ist. Sowie ein Vermerk: ›Viele der antipsychiatrischen Aktivisten  (z.B. Fritz Hasper, Peter Lehmann, Christa Schwarz-Accar) haben der Irren-Offensive e.V. bereits Ende 1989 den Rücken gekehrt.‹"
Den Teil des Vermerks, der nach einem Mailverkehr zwischen der Journalistin Marianne Kestler und mir im Mai 2003 der Materialsammlung "Alles über das Psychiatrische Testament (Allgemeines · Juristische Grundlagen, Entscheide und Kommentare · Gesetzesinitiativen · Historisches · Diskussionen und Meinungen · Das Psychiatrische Testament und andere Vorausverfügungen · Presseberichte) angefügt worden war, erwähnt Ingo Heinemann nicht:
"Der in der Sammlung enthaltene Artikel ›Das Psychiatrische Testament‹ von Thomas S. Szasz würde aufgrund Szasz' neuerer primitiv-kapitalistischen Schriften und seiner offenbaren Nähe zur Scientology-Sekte im Antipsychiatrieverlag heutzutage nicht mehr publiziert werden. Dennoch soll der Text als wichtiges Dokument in der Sammlung enthalten bleiben, wie auch die Presseerklärung der Irren-Offenvie vom 25.11.1987, in der die Sprecherin der Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte, einer Scientology-Organisation, unkommentiert zitiert wird."

"Der Begriff Psychiatrisches Testament.‹ wird auch vom KVPM und damit von Scientology benutzt."

Wäre Ingo Heinemann besser informiert, so wüsste er, dass der KVPM, als sie das von Rechtsanwalt Hubertus Rolshoven in Zusammenarbeit mit der Irren-Offensive e.V. in der ersten Hälfte der 80er Jahre entwickelte Musterformular des Psychiatrischen Testaments zusammen mit Werbematerial verteilen wollte, unverzüglich von RA Rolshoven eine Unterlassungsaufforderung zugestellt wurde. Was die sprachliche Verwendung bestimmter Begriffe auch durch missliebige Personen betrifft: Wie man diese am Benutzen von Begriffen hindern kann, erläutert Ingo Heinemann (verständlicherweise) nicht.

"Lehmann propagiert das Gegenteil des Trialogs"

"Die Betroffenen-Vereine propagieren den ›Trialog‹, das Gespräch zwischen den professionellen Betreuern (insbesondere den Ärzten), den Kranken und den Angehörigen. Lehmann propagiert letztlich das Gegenteil, ist aber weiterhin in Vereinen aktiv. So betreut er als Webmaster die Website des BPE – Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. (Stand 18.2.2005), in der auch seine Bücher vorgestellt werden (http://www.bpe-online.de/infopool/trialog.htm)."

Ingo Heinemann verschweigt, dass ich seit vielen Jahren als Redner aktiv bei psychiatrischen Kongressen, bei Veranstaltungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der World Federation for Mental Health (WFMH), der Europäischen Kommisssion usw. spreche, als erster Psychiatriebetroffener im deutschsprachigen Raum gemischte Symposien bei psychiatrischen Kongressen leitete, Mitglied im Organisationskomitee der Konferenz "Coercive Treatment in Psychiatry: A Comprehensive Review" der World Psychiatric Association (Psychiatrischer Weltverband) in Dresden (Juni 2007) war, jahrelang als Vertreter des Dachverband Gemeindepsychiatrie e.V. (ehemals Dachverband psychosozialer Hilfsvereinigungen e.V). an der Seite von Psychiatern im Vorstand von Mental Health Europe (europäischen Sektion der MFMH – Weltverband für psychische Gesundheit) saß, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Trägervereins des Weglaufhauses sowie des Vereins "Für alle Fälle e.V." war – beide setzen sich aus (kritischen) Psychiatriebetroffenen, professionellen Betreuern und Angehörigen zusammen. "Für alle Fälle e.V." bietet Fortbildung für Betroffene, Profis und Angehörige an. Ich zähle zu den Fortbildnern. Auch im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. arbeite ich als Fortbildner. Neben Büchern meines Verlages, in denen auch BPE-Mitglieder wie z.B. die Ehrenvorsitzende Dorothea Buck zu Wort kommen, werden auf der Website des BPE auch Bücher anderer Verlage vorgestellt, z.B. Psychiatrieverlag, Thieme, Hogrefe usw. Die Website des BPE steht allen Personen für eigene Beiträge offen, sofern sie nicht gegen die BPE-Webcharta verstoßen.

Ich schreibe Beiträge in Büchern und Zeitschriften auch zum Trialog, siehe z.B. "Das trialogische Weglaufhaus? Über das Ernst-Nehmen von Partnerschaft im psychiatrischen Bereich" in dem Buch von Jürgen Bombosch / Hartwig Hansen / Jürgen Blume (Hg.): "Trialog praktisch. Psychiatrie-Erfahrene, Angehörige und Professionelle gemeinsam auf dem Weg zur demokratischen Psychiatrie" (Paranus Verlag 2004) oder der Artikel "Dialog nicht nur in Psychoseseminaren – Steht der gleichberechtigte Umgang im psychiatrischen Alltag kurz bevor?" (Rede bei der Veranstaltung "Lebenswelten – 10 Jahre Psychoseseminare" in Schwerin, 7. – 9. Juli 2000, veranstaltet vom Dachverband Psychosozialer Hilfsvereinigungen e.V. und vom Landesverband Psychosozialer Hilfsvereine Mecklenburg-Vorpommern e.V., abgedruckt in: Psychosoziale Umschau, 15. Jg. [2000], Nr. 4). Weitere Artikel von mir finden sich u.a. in: Brückenschlag (D), Changes – International Journal of Psychology and Psychotherapy (GB), Clinical Psychology Forum (GB), Current Opinion of Psychiatry, Epidemiologia e Psichiatria Sociale (I), Excerpta Medica (NL), Journal of Critical Psychology, Counselling and Psychotherapy (UK), Kerbe (D), Pro mente sana aktuell (CH), Psychologie & Gesellschaftskritik (D), Psychosoziale Umschau (D), Soziale Psychiatrie (D), Zeitschrift für systemische Therapie (D).

Für das anlässlich des Todes meines Freundes Loren Mosher wieder aufgelegte Buch "Seelische Gesundheit – Community Mental Health. Ein Leitfaden für die Praxis" (Mosher / Burti) 2004) schrieb ich das Nachwort, in dem ich Moshers Soteria-Reformanstrengungen würdigte. Andere Beiträge finden sich in den Sammelbänden "25 Jahre Psychiatrie-Enquete", 2001, "Sozialpsychiatrie. Entwicklungen – Kontroversen – Perspektiven", 2001, "Proceedings of the European Conference on Promotion of Mental Health and Social Inclusion", 2001, "Manage or Perish? The Challenges of Managed Mental Health Care in Europe", 2000, "Emergency Psychiatry in a Changing World", 1999, "Behandlungsvereinbarungen", 1998, "Der aufgestörte Blick. Multiple Persönlichkeiten, Frauenbewegung und Gewalt", 1997, "Abschied von Babylon – Verständigung über Grenzen in der Psychiatrie. Dokumentationsband zum Weltkongressß für Sozialpsychiatrie 1994", 1995, "Von Langzeitpatienten für Akutpsychiatrie lernen", 1990, "Vormundschaftsgerichtstag", 1989, u.v.m.

Fazit: Wo ist das "Gegenteil des Trialogs"?

4. Geraune

"Die Männer hinter Hitler"

"In dem Scientologen-Buch ›Die Männer hinter Hitler‹ wird ein Lehmann-Buch empfohlen (Seite 288 Fussnote1): "Wir empfehlen hierzu das höchst bemerkenswerte Buch «Der chemische Knebel» von Peter Lehmann. Lehmann untergliedert die Behandlungsmittel nach physikalischen, chemischen, biologischen, psychologischen und medizinischen Methoden, Berlin 1990 ..." Unter ›Danksagung‹ wird  folgerichtig auch Peter Lehmann aufgeführt, gleich neben den Scientologen Keppler und Mehler, den Autoren des Buches ›Der sanfte Schrei‹ (siehe oben)."

Es ist davon auszugehen, dass Ingo Heinemann weiß, dass man nicht dagegen vorgehen kann, dass Dritte ein Buch lobend erwähnen – zudem ein Buch, das durchgehend positive Rezensionen erhalten hat (u.a. vom Spiegel empfohlen) und in dem Schäden und Risiken durch verschiedene psychiatrische Behandlungsmaßnahmen – belegt mit vielfachen medizinisch-psychiatrischen Quellenhinweisen – dargestellt werden. Ebensowenig kann man sich wehren gegen unerwünschte Danksagungen. Ein seriöser Scientology-Kritiker würde hier den Versuch von Scientologen anprangern, sich mit den Namen seriöser Psychiatriekritiker schmücken oder den Holocaust zu Werbezwecken für die eigenen Interessen nutzen zu wollen. Ingo Heinemann lässt die Grenze zwischen Tätern und Opfern solcher Vereinnahmungsversuche offensichtlich bewusst verschwimmen. Dabei lässt er nicht erkennen, dass er die Vorgehensweise der Männer hinter dem Die-Männer-hinter-Hitler-Buch für fragwürdig hält.

"Das bedeutet aber nicht, dass Lehmann Scientology-Anhänger ist. Die Danksagungs-Liste enthält auch Namen von nicht-Scientologen."

Mit Ausnahme von Ernst Klee und mir erwähnt Ingo Heinemann keine weiteren Genannten, die nicht den Scientologen zugehören. Ernst Klee erwähnt er, da er ihm quasi vorwirft, namentlich in einer Presseerklärung der Scientology-Organisation "Citizens Commission on Human Rights (CCHR)", eingebettet in ein Zitat von Elvira Manthey, genannt zu sein; Frau Manthey habe Klee zitiert, der gesagt habe, ›German psychiatry was not abused by the Nazis, but they needed the Nazis‹ (die deutsche Psychiatrie wurde nicht von den Nazis missbraucht, sondern sie brauchte die Nazis, P.L.)." Was seiner Meinung nach an dieser längst bekannten Tatsache, die für die deutsche Psychiatrie zugegebenermaßen wenig schmeichelhaft ist, falsch sein soll, erläutert Ingo Heinemann nicht. Da Ernst Klee mit seinem Buch "Deutsche Medizin im Dritten Reich – Karrieren vor und nach 1945" und ich (siehe "Fortgeschrittene Psychiatrie – Der J. F. Lehmanns Verlag als Wegbereiter der Sozialpsychiatrie im Faschismus") als erste Autoren aufzeigten, wie zielgerichtet der Großteil der deutschen Psychiatrie auf den Faschismus hinarbeitete, um einen rechtsfreien Raum zur Durchsetzung seiner Ziele (Sterilisation und "Euthanasie") zu erhalten, ist der Spekulation über die eigentliche Grundlage der versuchten Diskreditierung durch Ingo Heinemann Tür und Tor geöffnet.

Geradezu als Ironie der Geschichte kann dabei verstanden werden, was Ingo Heinemann an anderer Stelle, wo er ihn ihn als Kronzeugen gegen mich benutzen will, über Ernst Klee schreibt:

"Schon 1978 hat Ernst Klee in seinem Buch ›Psychiatrie-Report‹ beschrieben, wie leicht man in die Nähe von Scientology geraten kann oder gestellt wird."

Zur Information: Frau Manthey, Tochter eines sogenannten Arbeitsscheuen, kam mit vier Jahren in ein Waisenheim in Magdeburg und geriet dadurch in die Mühlen der NS-Gesetzgebung, da nach dem Erbgesundheitsgesetz auch 'Arbeitsscheue' als vererbbar eingestuft wurde. 1938 wurde Elvira Manthey dann durch Prof. Dr. Fünfgeld in die Irrenanstalt Uchtspringe eingeliefert und überlebte wie durch ein Wunder im Jahre 1940 die Gaskammer in Brandenburg. Sie hatte sich vor der Gaskammer ihrer Kleider nicht schnell genug entledigt, und bis sie endlich fertig war, war die Tür zur Gaskammer für ihre Gruppe schon verschlossen. Eigens für eine einzelne Nachzüglerin mochten die Mörder offenbar keinen eigenen Zyklon-B-Gasbehälter opfern. Nach der NS-Zeit musste sie sich ohne Schulbildung durch das Leben schlagen, und später klagte sie mit ihrem Buch "Die Hempelsche – Das Schicksal eines deutschen Kindes, das 1940 vor der Gaskammer umkehren durfte" (Lübeck: Hempel-Verlag Heinz Manthey, 5. Auflage 1997) die Nachkriegs-BRD an, die nach wie vor das Nazi-Erbgesundheitsgesetz ("Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses") nicht für nichtig erklären und die Opfer der Erbgesundheitsgesetze und des "Euthanasie-Erlasses" mit den anderen Opfern des Naziregimes gleichstellen will. 60 Jahre nach der Befreiung der Nazi-Konzentrationslager und der Zerschlagung der Hitlerdiktatur ist Ingo Heinemann das Schicksal der Elvira Manthey wie auch das immer noch nicht abgeschaffte "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" oder die fehlende Rehabilitation der "Euthanasie"-Opfer kein Wort wert; er reduziert Frau Mantheys Schicksal auf ihre Hoffnung, bei der Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte Unterstützung zu finden.

Zurück zu dem Die-Männer-hinter-Hitler-Buch: Außer meinem Namen nennt Ingo Heinemann nur noch den solcherart in Ungnade gefallenen Ernst Klee, studierter Sozialpädagoge, Theologe, Buchautor, Publizist in der ZEIT, Dokumentarfilmer, Träger des Adolf-Grimme- und Geschwister-Scholl-Preises. Ansonsten verzichtet Ingo Heinemann lieber darauf, weitere Namen von Nicht-Scientologen zu nennen, denen die Männer hinter dem Die-Männer-hinter-Hitler-Buch für Publikationen auch noch gedankt haben. Ansonsten entstünde die Peinlichkeit, dass Ernst Klee und ich in einer Reihe mit weiteren seriösen Buchautoren und Wissenschaftlern genannt würden. Was Ingo Heinemanns Formulierweise ("Das bedeutet aber nicht, dass Lehmann Scientology-Anhänger ist. Die Danksagungs-Liste enthält auch Namen von nicht-Scientologen.") betrifft, kann nun ein Sprachwissenschaftler grübeln, ob diese Aussage als meine Diffamierung als Scientologe oder aber als Zuordnung zu den Nicht-Scientologen zu verstehen ist. Der Advokat Heinemann, der sicher weiß, wie man Vorwürfe erhebt, ohne dafür rechtlich belangt werden zu können, verpackt seine Meinung sprachlich geschickt in einer Weise, die nicht gerade von Mut zeugt, zur eigenen Aussage zu stehen, sondern wohl eher geeignet ist, als Grundlage zur Verbreitung von Gerüchten zu dienen.

"Deshalb war und ist es durchaus von Interesse ...."

"Lehmann ist auch ›Webmaster‹ der Website des BPE, betreut also diese Website. Dem Vernehmen nach wird diese Tätigkeit vom Bundesministerium für Arbeit gefördert."
Dieses "Vernehmen" hat Ingo Heinemann scharf erkannt; auf der Startseite der BPE-Website steht wörtlich:

"Diese Website wurde gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit. Ihre Inhalte entsprechen nicht unbedingt der Position oder Meinung des Bundesministeriums. Die Website ist unabhängig von kommerziellen Interessen · Webmaster: Peter Lehmann."

"Deshalb war und ist es durchaus von Interesse, dass von dieser Website aus ein Link auf die Website des Scientologen Helmut Kaeding www.Ritalin-Kritik.de gelegt war. (...) Darauf hat Roland Hartig (...) aufmerksam gemacht. Lehmann mit E-Mail vom 26.7.2001: ›Ich habe die Seite geprüft, selbstverständlich werde ich die Links heute noch entfernen (...).‹ Soweit ersichtlich, ist dieses Link inzwischen verschwunden und Lehmann distanziert sich von Scientology. Dasselbe gilt für den BPE."

Einer der vielzähligen Links der international und national vielfach vernetzten Website des BPE hatte sich als Link zu einer Seite entpuppt, die ursprünglich als private Info-Seite zu Risiken des Amphetamins Methylphenidat (Ritalin) erschienen war. Dieses Aufputschmittel soll bei Kindern aufgrund deren altersbedingt spezifischen Stoffwechselbedingungen eine paradoxe, dämpfende Wirkung entfalten, weshalb es in beängstigendem Ausmaß und zur Besorgnis vieler Pädagogen (und unter Protest von Scientologen) als psychiatrisches Dämpfungsmittel verabreicht wird. Nach der Verlinkung mit der BPE-Website hatte sich der Betreiber der beanstandeten Website als Scientologe geoutet, was Roland Hartig, Koordinator und Vorstandsmitglied des "Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e.V.", da von mir als BPE-Webmaster nicht sofort bemerkt, bis zum heutigen Tag offenbar genüsslich ausschlachtet. (Auf der Website des BPE befindet sich der allgemein übliche (Standard-)Vorbehalt, wonach der BPE keinerlei Gewähr übernimmt für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen, denn Websites können jederzeit von den jeweiligen Anbietern geändert werden, und mit steigender Zahl von Links ist es schlicht unmöglich, ständig alle Seiten auf mögliche unerwünschten Veränderungen zu kontrollieren.) Mich seinerzeit sofort zu informieren hatte Roland Hartig nicht für nötig befunden, lieber nutzte er die Gelegenheit, mich und selbst den BPE in die Nähe von Scientology zu rücken.

Ingo Heinemanns Anti-Scientology-Mitstreiter Roland Hartig ist mit seinem "Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e.V." Kooperationspartner der Infobörse Schizophrenie (Rostock 2005); auf dem Infoblatt hierzu kann man nachlesen, wer mit seinen Finanzen hinter dieser Veranstaltung steht:

"Erstmals sind auch pharmazeutische Unternehmen mit einem Stand vertreten und erweitern damit die Möglichkeiten des Dialogs zwischen den einzelnen Gruppen im Gesundheitswesen: AstraZeneca GmbH, Wedel; Bristol-Myers Squibb GmbH, München; Hexal AG, Holzkirchen; Janssen-Cilag GmbH, Neuss; neu raxpharm GmbH Et Co. KG, Langenfeld; Pfizer Neuroscience GmbH, Karlsruhe; SanofiSynthelabo GmbH, Berlin. Danksagung: Die diesjährige Informationsbörse Schizophrenie wird durchgeführt mit freundlicher Unterstützung von; AstraZeneca GmbH; Bayer Vital GmbH; Bristol-Myers Squibb GmbH; Hexal AG; Janssen-Cilag GmbH; neuraxpharm GmbH; Pfizer Neuroscience GmbH, Karlsruhe; Sanofi-Synthelabo GmbH."

Ausgerechnet unter der Rubrik "Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe" listet Ingo Heinemanns Informant Roland Hartig Links zu den Pharmamultis Lundbeck Deutschland Unternehmen ZNS und Lilly Deutschland GmbH. Eine Offenlegung von zugeflossenen Pharmageldern, wie dies entsprechend dem Beschluss der European Public Health Alliance über die Unabhängigkeit von Patientenorganisationen gefordert ist und auch für den bei Roland Hartigs Verein angesiedelten "Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Mecklenburg-Vorpommern" (mit gleicher postalischer und Internetadresse) einzufordern ist, sucht man auf Roland Hartigs Website vergeblich. Erwähnt ist einzig ein Förderpreis der Firma Sanofi-Synthelabo (Hersteller u.a. von Dogmatil, Ergenyl, Solian und Tranxilium) vom 17. Juni 2003 als Belohnung für "sein engagiertes Internet-Projekt ›Lichtblick-Newsletter‹" über € 2500,-. Zuvor, z.B. im Lichtblick-Newsletter Nr. 19 vom 13.11.2000, plädierte auf seiner Website Marianne Kestler (die sich in ihren Artikeln auf die Aussagen Ingo Heinemann stützt, auf seiner Website wiederum stützt sich Ingo Heinemann auf Marianne Kestler), (teure) sogenannte atypische Neuroleptika wie Solian oder Zyprexa von gesundheitspolitischen Sparmaßnahmen auszulassen. Auf derselben Website des Roland Hartig empfiehlt Psychiater Michael Stark in der "online-Sprechstunde", veröffentlicht in der Sonderausgabe Lichtblick-Newsletter vom 1. August 2000, "innovative Neuroleptika" wie Solian, ohne deren Risiken und unerwünschte "Neben"-Wirkungen zu nennen. Als verantwortlicher Redakteur zeichnet Roland Hartig.

Weshalb der Link zu Helmut Kaedings Scientology-Seite nicht nur von Interesse war, sondern auch jetzt noch sein soll, erläutert Ingo Heinemann nicht. Die in der Gegenwartsform formulierte Aussage soll offenbar nahelegen, es bestehe weiterhin der Verdacht der Scientology-Nähe meiner Person und des BPE.

Loren Mosher, der auch hierzulande gut bekannte und ernsthaft an Reformen interessierte amerikanische Psychiater, trat vor fünf Jahren aus Protest gegen die vollkommene Abhängigkeit des gesamten psychiatrischen Systems incl. des entsprechenden Publikationswesens von der – in einem privatwirtschaftlich organisierten Wirtschaftssystem selbstverständlich – primär an Profiten orientierten Pharmaindustrie aus seiner Standesorganisation aus, siehe der Artikel "Die Psychiatrie ist von der Pharmaindustrie gekauft" in Soziale Psychiatrie (2000). Eine solche Kritik hört man im deutschsprachigen Raum nicht von psychiatrisch Tätigen. Dafür finden sich auf der Website des Roland Hartig kommentarlos, wie selbstverständlich, mehrere Links direkt zu Pharmafirmen. Der ungebrochen zunehmende Einfluss der Pharmaindustrie auf den psychosozialen Bereich könnte im Rahmen der Erörterung von Psychiatriekritik durchaus von Interesse sein; seine Problematisierung fand ich allerdings weder auf der Website des Roland Hartig noch der des Ingo Heinemann (Stand: 21.4.2005).

Fazit: Unter Ausnutzung scientologischer Vereinnahmungsversuche werde ich als missliebiger Psychiatriekritiker in die Nähe von Scientology gerückt, der auf seine Unabhängigkeit von Pharmafirmen bestehende BPE ebenfalls. Was den Scientologen nicht gelang, nämlich unsere Vereinnahmung, versucht nun Ingo Heinemann im Verbund mit seinem Anti-Scientology-Mitstreiter Roland Hartig auf seine eigene Weise, indem er uns zumindest in deren Nähe stellt.

5. Anmaßen

"Peter Lehmann verschweigt seine Rolle in der Irren-Offensive"

"Peter Lehmann verschweigt seine Rolle in der Irren-Offensive. Peter Lehmann ist Inhaber des Antipsychiatrie-Verlages. In dessen Website befindet sich unter http://www.antipsychiatrie.berlinet.de/verlag/sonstiges/lehmann.htm [neue Adresse: www.peter-lehmann.de, P.L.] sein Lebenslauf. (...) Lehmann erwähnt als erstes die Mitgliedschaft in der VG Wort, der Verwertungsgesellschaft Wort, die bei der finanziellen Verwertung von Texten hilft."

Die Formulierung der Vita fußt auf der Meldung für "Kürschners Deutscher Sachbuch-Kalender", welcher Ingo Heinemann möglicherweise fremd ist. Möglicherweise meint er aber, dass die – der GEMA im Musikgeschäft vergleichbaren – Verwertungsgesellschaft Wort, die den sogenannten Kopierpfennig an Verlage und AutorInnen ausschüttet, mit Raffgier in gedanklichen Zusammenhang gebracht werden kann. Die Behauptung, ich würde etwas verschweigen, weil ich etwas nicht ausdrücklich erwähne, beinhaltet unausgesprochen den Vorwurf, ich hätte etwas zu verheimlichen. Dabei beschreibe ich beispielsweise in dem Buch "Flucht in die Wirklichkeit", 1998 hg. von Kerstin Kempker, auf den Seiten 30 bis 37 ausgiebig meine Erfahrungen in der von mir mitgegründeten Irren-Offensive Berlin.

Noch sollten freie Bürger selbst und nicht Ingo Heinemann entscheiden, welche Angaben sie für eine Vita für wesentlich erachten. Die Aktivitäten der heutigen Irren-Offensive, wahrlich kein Ruhmesblatt, stellte Marianne Kestler in der Psychosozialen Umschau 2/2003 zwar tendenziös aber weitgehend korrekt dar, insbesondere hinsichtlich der lediglich behaupteten Schutzwirkungen der Pankowschen Vorsorgevollmacht, vor der ich schon seit Jahren warne, siehe die Übersichtsseite Vorausverfügungen auf der Website des Peter Lehmann Antipsychiatrieverlags.

Tendenziöse Formulierungen von Psychiatriefreunden wie "Rene Talbot und Peter Lehmann waren oder sind im Verein Irren-Offensive e.V. organisiert" legen nahe, in einer kurzen Vita auf eine unkommentierte Erwähnung der Irren-Offensive zu verzichten. Wer sich für die Gründungsjahre der Irren-Offensive interessiert, dem bzw. der sei die Dokumentation Tina Stöckles empfohlen, nach der das Berliner Weglaufhaus Villa Stöckle benannt ist (nachzulesen in meiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Ingeborg-Drewitz-Preises der Humanistischen Union Berlin als Anerkennung des besonderen Einsatzes des Weglaufhauses für die Menschenwürde in Berlin). Damit die in der Irren-Offensive seit 1989 neu aufgekommenen Strukturen die früheren Ideale (u.a. Selbsthilfe, Solidarität untereinander, Abbau von Machtverhältnissen) nicht dem Vergessen preisgegeben werden, publizierte der Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag 2005 einen Nachdruck von Tina Stöckles 1983 erschienenem Buch "Die Irren-Offensive. Erfahrungen einer Selbsthilfe-Organisation von Psychiatrieopfern".

"Ärzte- und Medikamenten-Hasser"

"Ärzte- und Medikamenten-Hasser. Scientology bekämpft die Psychiatrie und will diese abschaffen. Scientology behauptet, eine Alternative zu bieten. Nach Alternativen suchen viele."
Obwohl Ingo Heinemann der Psychiatrie im allgemeinen eine gute Note ausstellt, verbindet er die Suche nach Alternativen, auf der sich offenbar viele befinden, nicht nur ausgerechnet mit Scientology, sondern benutzt zudem fast wörtlich die Formulierung meines Antipsychiatrieverlags, mit der ich das Buch "Flucht in die Wirklichkeit – Das Berliner Weglaufhaus", herausgegeben von Kerstin Kempker, in Buchhandelskatalogen ankündige: "ALTERNATIVEN ZUR PSYCHIATRIE... vielen suchen sie – aber wo sind sie?"
"Deshalb geraten manche an Scientology und deren Sub-Organisationen. In deren Kielwasser oder auf Parallelkurs hat die Gruppe der Ärzte- und Medikamenten-Hasser durch das Internet an Resonanz gewonnen. Als Alternative werden meist die eigenen Produkte angeboten. Peter Lehmann liefert mit seinem ›Antipsychiatrieverlag‹ seit 1986 die theoretischen Grundlagen, so 1987 das ›Patiententestament‹ des Scientology-Unterstützers Thomas Szasz."

Dass im Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag auch Bücher und Buchbeiträge von Ärzten und Psychiatern (Dr. med. Volkmar Aderhold, Birgitta Alakare, Psychiaterin, Pat Bracken, Psychiater, Prof. Dr. med. Marius Romme, Dr. med. Josef Zehentbauer, Dr. med. Marc Rufer, Dr. med. Carola Burkhardt-Neumann, Prof. Dr. med. Karl Koehler, Prof. Dr. med. Loren Mosher verlegt und in meinem Antipsychiatrieversandbuchhandel Bücher von vielen Ärzten und Psychiatern angeboten werden, dass ich mein aktuelles Buch "Statt Psychiatrie 2" gemeinsam mit Peter Stastny, Associate Professor der Psychiatrie am Albert Einstein College of Medicine in New York, herausgebe, scheint Ingo Heinemann nicht davon abzuhalten, mich unter die Rubrik Ärztehasser einzuordnen. Dabei kümmert ihn nicht, dass mir nichts ferner liegt, als Menschen aufgrund ihres Berufsstandes mit Hass zu begegnen. Für Ingo Heinemann scheint allerdings nur ein Schwarz-Weiß-Denken möglich.

Was es mit dem "Medikamentenhass" auf sich hat, kann man in der Einleitung meines Doppelbands "Schöne neue Psychiatrie" (1996) überprüfen:

"Wer Klarheit über die Risiken will, die mit der Verabreichung von psychiatrischen Psychopharmaka und von Elektroschocks verbunden sind, muss sich mit deren Wirkungsweise und Auswirkungen auseinandersetzen, erst recht, wenn ärztlicherseits das Interesse an einer umfassenden Aufklärung zu wünschen übrig lässt. Das Buch kann angesichts der Inhalte zugegebenermaßen keine leichte Lektüre sein. Umfassende und eindeutige Informationen, die in dieser Form den sogenannten Laien von den Ärzten und Psychiatern nach wie vor vorenthalten werden, sollen das psychiatrische Dilemma ("Schöne neue Psychiatrie") beim Namen nennen und dazu beitragen, das kritische Potential der Betroffenen und ihnen nahestehender Personen weiterhin zu schüren. Sie können so – sofern sie überhaupt die Chance haben – selbst wählen und sich eigenständig für oder gegen Psychopharmaka und Elektroschocks entscheiden."

Nicht alle Psychiater und Psychiatriefreunde können sich mit der Vorstellung des mündigen Patienten und informed consent (Zustimmung – oder eben Ablehnung – nach Aufklärung über Risiken und Alternativen) anfreunden, manche sehen schnell rot.

"Nicht jede Psychiatrie-Kritik dient automatisch auch den Patienten. Psychiatrie-Kritik kann  Patienten auch schaden. Gesellschaftskritik unter dem Deckmantel der Psychiatrie-Kritik ist Etikettenschwindel. Psychiatrie-Kritik ist nötig – Psychiatrie-Beschimpfung schadet den Betroffenen.  Psychiatrie-Kritik ist also nicht nur legitim, sondern nötig. Das bedeutet aber selbstverständlich nicht, daß sie in jedem Falle berechtigt ist. Insbesondere muß unterschieden werden zwischen "der Psychiatrie" und etwaigen Fehlleistungen einzelner Mitarbeiter."

Leider nennt Ingo Heinemann lediglich Gemeinplätze und Leerformeln. Welche Psychiatriekritik seiner Meinung nach unberechtigt oder unseriös ist, lässt er offen.

"Die Psychiatrie hat Aufgaben, die schwer vereinbar sind. (...) Der Staat hat der Psychiatrie in den meisten Staaten die Aufgabe übertragen, solche Menschen wegzusperren, die eine Gefahr für andere sind, die aber nicht bestraft werden können, weil sie nicht schuldfähig sind. Diese Aufgabe hat der Staat schon immer nur unzureichend finanziert. (...) Aus diesen unterschiedlichen Zielvorgaben folgen Mißstände, die öffentliche Diskussion und Kritik erfordern. Immer wieder, denn alle drei Komponenten wandeln sich ständig: Möglichkeiten und Methoden der Behandlung der Kranken, Schutz vor schuldunfähigen Straftätern, staatliche Finanzen. (...) Psychiatrie-Kritik muss offenlegen, welchem Zweck sie dient."
Fazit: Pharmafirmen wollen schon lange mehr staatliche Finanzmittel. Deshalb unterstützen sie in internationalem Maßstab Angehörigen- und andere Verbände wie z.B. den "Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK)", zu dessen Landesverbänden Roland Hartigs mecklenburgisch-vorpommernscher Verein zählt, logistisch (und vor allem finanziell) darin, sich verstärkt zu organisieren und ihren Druck auf Regierungen zu bündeln, um unter populistischer Verwendung des stigmatisierenden Bildes vom wegzusperrenden gemeingefährlichen Irren noch mehr Gelder für genetische Forschung und biologische Psychiatrie zu erhalten. Die Forderung "Psychiatrie-Kritik muss offenlegen, welchem Zweck sie dient" ist entsprechend auch an Antipsychiatrie-Kritik zu stellen: Wem dient sie? Und wem dient Ingo Heinemanns seltsame Form von Scientology-Kritik? Interessant ist die Frage, weshalb die in der (mit dem Anspruch auf politische und weltanschauliche Neutralität auftretende) AGPF – Aktion für Geistige und Psychische Freiheit – Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V. organisierten Sektengegner ausgerechnet einen Mann wie Ingo Heinemann mit der Stellung eines Geschäftsführers betraut und wie sie sich zu seinem Verhalten stellt. Da Ingo Heinemann jedoch nicht im Verborgenen wirkt, ist davon auszugehen, dass er nicht nur mit Wissen der AGPF-Vereine und deren Aktiven wie z.B. Colin Goldner tätig ist, sondern in deren expliziten Auftrag. Angesprochen sind diese in der AGPF zusammengeschlossenen Vereine:
S.I.E. – SEKTEN-INFO ESSEN e.V., ARBEITSKREIS SEKTEN e.V., Artikel 4 – Initiative für Glaubensfreiheit e.V., BBS – Bürger Beobachten Sekten e.V., DELPHIN e.V., EBIS – Baden-Württembergische Eltern- und Betroffeneninitiative e.V., EL-Elterninitiative zur Wahrung der geistigen Freiheit e.V., Flügelschlag e.V., FKP – Forum kritische Psychologie e.V. (Colin Goldner), KIDS Kinder in destruktiven Sekten e.V., Kontakthilfe bei Sektenproblemen e.V., Niedersächsische Elterninitiative gegen den Missbrauch der Religion e.V., Odenwälder Wohnhof e.V., SEKTENBERATUNG BREMEN e.V., SEKTEN-INFO BOCHUM, SINUS Sekten Information und Selbsthilfe e.V., VITEM – Verein für die Interessen terrorisierter Mitmenschen e.V., GSK – Gesellschaft gegen Sekten- und Kultgefahren, SADK – Schweizerische Arbeitsgemeinschaft gegen Destruktive Kulte

Ob Ingo Heinemann mit seinem Konstruieren von Weltbildern und Illusionen, mit seinen Unterstellungen, seinen tendenziösen Auslassungen, seinem Geraune und seinem anmaßenden Internet-Auftreten wirklich der unterstützenswerten und ernstzunehmenden Sache von Sektenopfern dient, darf bezweifelt werden.

6. Andere Heinemann-Geschädigte

Die profilierte Scientology-Kritikerin Renate Hartwig, Autorin u.a. von "Scientology – Ich klage an" (1994) und "Abenteuer Zivilcourage – Scientology contra Demokratie" (1997), prangerte in ihrem Buch "Die Schattenspieler" (Direct-Verlag 2002) die Umtriebe der sogenannten Sektenbeauftragten der großen Kirchen (Pfarrer Gandow usw.) und deren Helfer an, deren Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz, die rechtsstaatswidrige Diffamierung missliebiger Personen als "scientologynah", die primäre Ausrichtung deren Tätigkeit auf die Rechtfertigung der eigenen, mit öffentlichen Mitteln gut bezahlten Arbeitsplätze und das vielsagende Ausbleiben jedweder Konsequenz ihres Wirkens in Richtung Verbot von Scientology. Diese "Schattenspieler", zu denen sie auch Ingo Heinemann zählt, fungieren – so der Krefelder Lehrer Kalle Pehe in der Rezension ihres Buches – als "Heuchler und Pharisäer am Steuertrog", finanziell abgesichert durch Bundesangestelltentarif und politisch durch den Verfassungsschutz, weshalb es ihnen

"... ein Leichtes ist, Menschen existenzvernichtenden Verdächtigungen auszusetzen, ohne gerichtlich verwertbare Tatbestände als Grundlage repressiver Maßnahmen vorweisen zu können. In diesem Klima blühen Denunziation und Geschäftemacherei durch angebliche Aufklärer, die im wesentlichen damit beschäftigt sind, ihre eigene Existenzberechtigung als Sektenbeauftragte nachzuweisen und so ihre Stelle zu sichern. ... Das Ganze wird von höchsten Stellen aufgewertet und finanziell unterstützt. ... Wer dämonisiert den jeweils anderen am überzeugendsten und findet die meisten Dummen, die dabei mitmachen?"

Renate Hartwig, die von einer "Kritikersekte" spricht, sieht sich logischerweise inzwischen selbst typischen Heinemannschen Angriffen und Internet-Stalking ausgesetzt. Auf ihr Buch und die dort gestellte Frage, warum eigentlich keine gerichtsverwertbaren Informationen über Scientology zustande kommen, geschweige denn ein rechtsstaatliche Klärung ihres Status, antwortete Ingo Heinemann in seiner unnachahmlichen Art mit "Renate Hartwig umgefallen: Renate Hartwig war Deutschlands rüdeste Scientology-Kritikerin. Renate Hartwig verteidigt heute Scientology."

Erst nach einer Unterlassungsklage seitens Renate Hartwig vor dem Landgericht Stuttgart, Aktenzeichen 17 0 547/06, erklärte sich Ingo Heinemann bereit, diese ehrverletzende Aussage von seiner Website zu entfernen, um dann seine Kampagne doch in gewohnter Weise weiter zu betreiben.

"Rufmord, Internet-Stalking, Diffamierung, Denunziation und gezielte Schädigung sind in unserem Alltag zur Normalität geworden und gefährden das persönliche soziale Miteinander."

lautet die Antwort des Direct Verlags, dessen Informationsdienst es sich zur Aufgabe gemacht hat, durch Schaffung von Transparenz das Ausmaß der mentalen, finanziellen und gesellschaftlichen Schäden durch Rufmord, Diffamierung, Denunziation und Internet-Stalking ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Rudolf Kriele, emeritierter Professor für öffentliches Recht, ehemaliger Richter am Verfassungsgerichtshof Nordrhein-Westfalen und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, stellt mit seinem Vorwurf der "Erschleichung von Finanzmitteln" und Einflusspositionen" klar, dass es der Staat und damit die Gemeinschaft der Steuerzahler sind, die durch die Tätigkeit von Heinemanns AGPF – Aktion für Geistige und Psychische Freiheit – geschädigt werden. Heinemann habe mit seiner AGPF eine clevere Geschäftsidee gehabt,

"er verbreitete weltanschaulich-materialistische Propaganda im DDR-Stil und ließ sich dafür vom Staat subventionieren. Das Bundesverwaltungsgericht verbot diese Umgehung des Neutralitätsgebots (BVwG NJW 1992, 2696). ... Seine Kollaborateure in Ministerialstellen umgingen auch dieses Umgehungsverbot: Sie verschafften privaten Vereinen Subventionen unter dem Vorwand, sie dienten der Hilfe für Sektenopfer. Diese bildeten jedoch den Dachverband 'AGPF' mit Herrn Heinemann als "Geschäftsführer" und finanzierten dessen Weltanschauungspropaganda aus Steuermitteln."

Weshalb Rudolf Kriele Heinemanns AGPF – Aktion für Geistige und Psychische Freiheit – vorwirft, die Verteidigung der Menschenrechte nicht nur zu missachten, sondern auch zu bekämpfen, wird deutlich, wenn man die Stellungnahme der AGPF zum Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung europäischer Antidiskriminierungsrichtlinien seitens der Fraktionen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN liest. Am 19. Februar 2002 nämlich schrieb die AGPF an das Bundesjustizministerium:

"Die AGPF empfiehlt dringend, die Merkmale 'Religion und Weltanschauung' aus diesem Gesetzentwurf herauszunehmen ....", weil "'Religion und Weltanschauung' ein beträchtliches Gefahrenpotenzial beinhalten" und weil "Anwendungsbereich des Gesetzes, Zahl und Dauer der zu erwartenden Prozesse und damit die Kosten in keiner Weise absehbar sind."

Mögen Kritiker der früheren rot-grünen Bundesregierung glauben, die Blockade des Antidiskriminierungsgesetzes, wonach niemand aus Gründen des Geschlechts, der Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität diskriminiert werden dürfe, liege am fehlenden Engagement des Bundesbehindertenbeauftragten Karl Hermann Haack. Bei der Lektüre der Schreiben von Heinemann und seiner AGPF zeigt sich, wo die wahren Bremser zu finden sind. Leidtragenden der AGPF-Politik sind diejenigen Menschen, denen nach wie vor ein Gesetz fehlt, mit dem sie sich wehren können, wenn sie aus Gründen des Geschlechts, der Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität diskriminiert werden.

Mit der Kritik der Diskriminierung aus Gründen der Religion oder Weltanschauung scheint Heinemann schon lange Probleme zu haben. So hält Rudolf Kriele Heinemann vor:

"Heinemann verbreitete schwere Vorwürfe gegen 'alternative Linke', weil sie für Menschenrechte einträten. 'Schließlich waren es in den siebziger Jahren alternative Linke, die Solschenizyn & Co. hofierten.' In den achtziger Jahren seien sie sogar so weit gegangen, den Dalai Lama für den Friedens-Nobelpreis (1989) vorzuschlagen. Die chinesische Okkupation Tibets sei aber ebenso zu begrüßen wie die Religionsunterdrückung in China (Dazu Zeitschrift für Rechtspolitik 2002 S. 90 f.)."

Fazit

Alleine die Tatsache, dass Thomas Szasz gewisse Positionen mit mir und meinem Antipsychiatrieverlag teilt, lässt es noch lange nicht zu, uns in die Nähe der Scientology-Sekte zu stellen. Dies würde bedeuten, dass niemand mehr behaupten dürfe, Eins und Eins sei Zwei, wenn auch ein Scientologe, Thomas Szasz oder eine sonstige missliebige Person das Ergebnis Zwei für richtig befindet, ohne Gefahr zu laufen, deshalb mit diesen Personen in Verbindung gebracht zu werden.

Diejenigen, die sich für ein verstärktes Selbstbestimmungsrecht von Psychiatriebetroffenen und gegen deren weitere rechtliche Ungleichbehandlung und Ausgrenzung aus psychiatriepolitischen Entscheidungsstrukturen aussprechen, stellen für Psychiatriefreunde ein beliebtes Ziel der Diffamierung als "Scientologen" oder "Scientology-nah" oder "Scientology-unterwandert" dar. Mit Vorwürfen, aus Schutzzwecken in aller Regel als Verdacht geäußert, sollen Gruppen oder Personen mit psychiatriekritischen – und anderen obrigkeitswidrigen – Positionen diskreditiert werden. Den jeweiligen politischen Gegner auf billigste Weise zu stigmatisieren ist viel einfacher, als sich mit ihm inhaltlich auseinanderzusetzen. Nicht nur Letzteres würde allerdings Substanz und Redlichkeit voraussetzen. Es ist ein Skandal, dass Gruppen wie die "Aktion für Geistige und Psychische Freiheit e.V." von der öffentlichen Hand Millionenbeträge in den Rachen geworfen werden, während der psychiatrische Selbsthilfebereich nahezu leer ausgeht. Vom vielsagenden Ausbleiben jedweder Konsequenz des Wirkens der "Aktion für Geistige und Psychische Freiheit e.V." und ihres Geschäftsführers Ingo Heinemann in Richtung Verbot von Scientology ganz zu schweigen.

Sollten Sie Kenntnis erlangen von einer Verleumdung meiner Person (oder meines Antipsychiatrieverlags oder eines Verbands, in dem ich Mitglied bin) als Scientology-nah, wäre ich Ihnen für eine Nachricht sehr dankbar.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Peter Lehmann
Berlin
Tel. 030 / 85 96 37 06 (Mo, Mi & Fr, 10-16 Uhr)
mail[at]peter-lehmann.de

 

Anhang: "Esowatch"-Unterstellungen

EsoWatch.com, das "Wiki der irrationalen Überzeugungssysteme", hat den Antipsychiatrieverlag ebenfalls im Visier. Der Hauptvorwurf dieser bezeichnenderweise anonym betriebenen Website an mich lautet, gegen die medikamentöse Behandlung psychisch Kranker gerichtete Bücher verfasst zu haben (siehe Screenshot unten).

Die Einleitung beispielsweise meines Buches "Schöne neue Psychiatrie" beginnt mit den Worten:

"Wer Klarheit über die Risiken will, die mit der Verabreichung von psychiatrischen Psychopharmaka und von Elektroschocks verbunden sind, muß sich mit deren Wirkungsweise und Auswirkungen auseinandersetzen, erst recht, wenn ärztlicherseits das Interesse an einer umfassenden Aufklärung zu wünschen übrig läßt. Das Buch kann angesichts der Inhalte zugegebenermaßen keine leichte Lektüre sein. Umfassende und eindeutige Informationen, die in dieser Form den sogenannten Laien von den Ärzten und Psychiatern nach wie vor vorenthalten werden, sollen das psychiatrische Dilemma ("Schöne neue Psychiatrie") beim Namen nennen und dazu beitragen, das kritische Potential der Betroffenen und ihnen nahestehender Personen weiterhin zu schüren. Sie können so – sofern sie überhaupt die Chance haben – selbst wählen und sich eigenständig für oder gegen Psychopharmaka und Elektroschocks entscheiden. Ist bereits ein Schaden eingetreten, soll der Nachweis erleichtert werden, daß der Schaden auf die Behandlung zurückzuführen ist."

Die Vorstellung, dass Menschen mit psychiatrischen Diagnosen eine eigene, informierte Meinung bilden und Entscheidung treffen können, ist für manch einen sicher irrational und verdächtig. Es wird leider Zeit benötigen, bis die UN-Konvention der Rechte von Menschen mit Behinderungen auch in den Köpfen der Besserwisser von Esowatch angekommen ist. So lange werden sie wohl weiterhin nach Lust und Laune über Menschen herziehen, die ihnen nicht in ihr Weltbild passen, sie als "Medizinlaien" herabzusetzen versuchen (weil sie nicht Medizin studiert haben) und zudem in ihrer Oberflächlichkeit objektive Falschaussagen verbreiten (siehe Screenshot unten: Verwechslung von Verlag und Versandbuchhandel, Bezeichnung einer Kritik an ihren Diffamierungen durch Dritte als "Antwort von Peter Lehmann auf diesen Artikel").


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zuletzt aktualisiert am 16. Mai 2014