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Kerstin Kempker
Mitgift – Notizen vom Verschwinden

Cover "Mitgift" von Kerstin Kempker    

208 Seiten, 34 Abbildungen

  • Kartoniert, 15 x 21 cm, ISBN 978-3-925931-15-4. Berlin: Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag 2000. € 9.95 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular

  • PDF E-Book, 2.6 MB, ISBN 978-3-925931-65-9. Berlin / Shrewsbury: Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag 2016 (auf Grundlage der Ausgabe von 2000). € 7.95 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular
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Mutmachendes Buch für Betroffene und Familien: auch wenn keiner mehr daran glaubt, kann man es schaffen, den psychiatrischen Sumpf nach Jahren zu verlassen und wieder auf eigene Füße zu kommen. Autobiographischer Bericht über eine Jugend in der Psychiatrie, über das Verschwinden in den Gedanken, über die Bedeutung und die Last der Wörter und darüber, wie die Psychiatrie sie mit Psychopharmaka und Elektroschocks auslöschen will.

Kerstin Kempker beschreibt, wie sie Mitte der siebziger Jahre aus einer Beamtenfamilie und katholischen Klosterschule heraus in die Psychiatrie fiel, was sie in mehr als drei Jahren dort erlebte und wie sie daraus hervorging. Es ist keine Leidensgeschichte, kein Verarbeitungs- oder Selbstfindungstext der alten Schule. Ein Bericht, trocken, lakonisch, aus großer zeitlicher Distanz gewonnen. Ein poetischer Text immer da, wo die Autorin ihre damaligen Gedichte, Briefe und Zeichnungen einfügt. Und wenn sie den psychiatrischen Akten ihre eigenen Erinnerungen gegenüberstellt, klafft dazwischen die Sprachlosigkeit. Das schönste Buch der humanistischen Antipsychiatrie!

Wie landet eine Siebzehnjährige, die nie den Verstand verlor, in der Geschlossenen Frauenstation und wird elektrogeschockt? Wie reagiert die Umwelt auf das von Insulinschocks und Neuroleptika entstellte Monster, das in wenigen Monaten aus ihr geworden ist? Wie passt sie sich einer ver-rückten Welt an? Wird der Suizid zum Lebensziel? Und wie findet sie wieder heraus? Wie eng wird es da »draußen«? Wozu ist ein Phantom nützlich und eine Schreibmaschine? Und was wird so der Zukunft diktiert?

Unverfroren und niemals larmoyant schreibt die Autorin trotzig »Ich« und nennt die Beteiligten beim Namen: die Behandler der biologisch orientierten Universitätspsychiatrie in Mainz, der daseinsanalytisch orientierten Psychiatrie im Schweizer Kreuzlingen und der gemeindepsychiatrisch orientierten Psychiatrie Häcklingen (u.a. Henrik Uwe Peters, Wolfgang Binswanger, Niels Pörksen). Im Jahr 2000, wo in Deutschland Psychiater und Politiker »25 Jahre Psychiatrie-Enquête« feiern, zeigt »Mitgift« die andere Seite der reformierten Psychiatrie.

Präzise und mit kühlem Witz präsentiert Kerstin Kempker ihre Fundstücke aus sieben Jugendjahren. Sie beschreibt – und weil sie nur dies tut, nicht wertet, nicht ins Allgemeine ausschweift, steht der gesamte Text unter einer Spannung, die sich nirgends entlädt. Die sprachliche Leichtfüßigkeit, mit der die Autorin den Schrecken wiedergibt, ihre illusionslose Sicht auf sich selbst und eine immer wieder aufflackernde Lust – am Untergang, am Sprachspiel, am Widerspruch, am Leben selbst – machen es leicht, als Leser dabeizubleiben und über Abgründe mit hinweg zu hüpfen.

Foto von Kerstin Kempker

Die Autorin

Kerstin Kempker hat das Berliner Weglaufhaus, eine Kriseneinrichtung für Psychiatriebetroffene, mit aufgebaut und von 1996 bis 2001 geleitet und ist Mitbegründerin des Für alle Fälle e.V.. Sie konzipierte 2003 den Literaturwettbewerb »Nehmt mich beim Wort« und gemeinsam mit Bernd Kempker das Literaturfest des Behindertenbeauftragten der deutschen Bundesregierung. 2003-2004 Mitarbeit beim Aktionsprogramm zur Bekämpfung von Diskriminierungen der Europäischen Kommission. Mehr über Kerstin Kempkers Fachveröffentlichungen. Freiberufliche literarische Tätigkeit seit 2002.

Weitere Publikationen von Kerstin Kempker: Nur die Knochen bitte. Eine Übergabe (mit Paula Kempker); Die Erfüllung der Wünsche (Roman); Das wird ein Fest (Roman); Die Betrogenen (Roman); Teure Verständnislosigkeit – Die Sprache der Verrücktheit und die Entgegnung der Psychiatrie; Flucht in die Wirklichkeit – Das Berliner Weglaufhaus (Hg.); Das Weglaufhaus – Von der Idee zur Praxis (Hg. mit Uta Wehde); Statt Psychiatrie (Hg. mit Peter Lehmann); Beiträge in: Psychopharmaka absetzen / Coming off Psychiatric Drugs / Βγαίνοντας από τα ψυχοφάρμακ – Εμπειρίες επιτυχημένης διακοπής νευροληπτικών, αντικαταθλιπτικών, λιθίου, καρβαμαζεπίνης και αγχολυτικών / Dejando los medicamentos psiquiátricos / Arrêter la prise des psychotropes u.v.m.