Tina Stöckle
Die Irren-Offensive – Erfahrungen einer Selbsthilfe-Organisation von Psychiatrieüberlebenden. PDF E-Book

Cover PDF E-Book, 37.8 MB, 311 Seiten, 36 Abbildungen, Faksimiles, ISBN 978-3-925931-81-9. Berlin / Shrewsbury: Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag, Neuausgabe 2020

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Neuausgabe des Originaltextes von 1983. Mit einem 2020 aktualisierten Nachwort von Peter Lehmann und mit seiner Laudatio von 2004 anlässlich der Verleihung des Ingeborg-Drewitz-Preises der Humanistischen Union Berlin an das Weglaufhaus "Villa Stöckle" in Berlin. English information

Zum Inhalt

Gemeindepsychiatrie, Sozialpsychiatrie, alternative Psychiatrie usw. sind Schlagwörter sich fortschrittlich dünkender Psychiater, die alles anstellen, nur eines nicht: die Betroffenen selbst fragen, was diese eigentlich wollen. In diesem Buch kommen Mitglieder der Irren-Offensive Berlin der 1980er-Jahre ausführlich zu Wort. Aus den Interviews und aus der Perspektive ihrer eigenen Betroffenheit entwickelte Tina Stöckle Kriterien einer Alternative zur Psychiatrie, die sich an den Interessen von nach Freiheit und Selbstständigkeit strebenden Betroffenen orientiert.

Daran gemessen entpuppt sich die Sozialpsychiatrie als reines Befriedungsverbrechen. Die (damalige) Praxis der Irren-Offensive, in ihren Möglichkeiten und Grenzen ins Verhältnis gesetzt zu den in den Interviews formulierten Bedürfnissen, zeigt, worauf es in einer autonomen Selbsthilfegruppe von Psychiatriebetroffenen ankommt: Zusammenschluss; Kampf gegen die Psychiatrie und für Menschenrechte; kollektive Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen; Selbstorganisation und Selbsthilfe; Befreiung vom psychiatrischen Einfluss; Suche nach dem Sinn des Wahnsinns; Autonomie und persönliche Entfaltung; kritische Auseinandersetzung mit »Experten«; Abbau der Machtverhältnisse innerhalb der Gruppe und Widerstand gegen Fremdkontrolle

Zur Neuausgabe

"Die Irren-Offensive" erschien original 1983 im Extrabuch-Verlag (ISBN 3-88704-203-4). 2000 wurde das Buch im Antipsychiatrieverlag wieder aufgelegt (ISBN 3-925931-21-X), 2005 in einer erweiterten Auflage (ISBN 978-3-925931-33-8). Dem Text zugrunde liegt Tina Stöckles Diplomarbeit "Die Bedeutung der Selbsthilfegruppen im psychosozialen (psychiatrischen) Bereich, aufgezeigt am Beispiel der Irren-Offensive", vorgelegt im April 1982 an der Technischen Universität, Fachbereich 22 – Erziehungswissenschaften (Erstgutachter: Hellmut Lessing, Zweitgutachter: Manfred Liebel).

Für die Buchausgabe, sowohl die gedruckte wie das E-Book, wurden die einzelnen Buchseiten per Scan in Bilddateien umgewandelt und dann zu einer Gesamtdatei zusammengefasst. Hieraus erklärt sich das große Dateivolumen.

Tina StöckleDie Autorin

Tina Stöckle, geboren am 12. September 1948 in Günzburg (Bayern). Hauptschullehrerin, mehrmals in psychiatrischen Anstalten interniert. Zweitstudium Diplom-Pädagogik an der Technischen Universität Berlin. Stieß im Herbst 1980 auf die Irren-Offensive e.V. Berlin und leistete ab 1983 wesentlichen Anteil am Aufbau des (mit Landesmitteln finanzierten) Treffpunkts der Irren-Offensive sowie an seinem Betrieb. Ab 1982 engagierte sie sich für die Idee des Weglaufhauses. 1989 Gründungsmitglied des Vereins zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt e.V. Anfang 1992 Kündigung des Arbeitsvertrags bei der Irren-Offensive e.V. Gestorben am 8. April 1992. Ihr zu Ehren trägt das Weglaufhaus in Berlin seit seiner Eröffnung 1996 den Beinamen »Villa Stöckle«.