Götz Aly
Die Belasteten – ›Euthanasie‹ 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte

CoverTaschenbuch, 348 Seiten, 12,4 x 19 cm, ISBN 978-3-596-19524-4. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2014. € 10.99 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorboder Bestellung mit Formular
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Buch über medizinisch-psychiatrische Massenmorde an "Ballastexistenzen" während der Zeit des Hitlerfaschismus, das aufhört mit der Praxis, die psychiatrisch Gequälten und Ermordeten zu anonymen Unpersonen zu machen, und sie statt dessen in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt. Originalausgabe 2013

Original-Verlagsinfo

Die »Euthanasie-Morde« und wie wir damit umgehen. 200.000 Deutsche wurden zwischen 1939 und 1945 ermordet, weil sie psychisch krank waren, als aufsässig, erblich belastet oder einfach verrückt galten. Nicht wenige Angehörige nahmen den Mord an ihren behinderten Kindern, Geschwistern, Vätern und Müttern als Befreiung von einer Last stillschweigend hin. Die meisten Familien schämen sich bis heute, die Namen der Opfer zu nennen. Beklemmend aktuell lesen sich die Rechtfertigungen der vielen Beteiligten: Erlösung, Gnadentod, Lebensunterbrechung, Sterbehilfe oder Euthanasie. Götz Aly bringt mit seinem neuen Buch Licht in ein düsteres Kapitel der deutschen Gesellschaftsgeschichte.

Über den Autor

Götz Aly, geboren 1947, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München, studierte Geschichte und Politische Wissenschaften (Dr. rer. pol.) in Berlin. Er hat wichtige Veröffentlichungen zur Sozialpolitik und zur Geschichte des Nationalsozialismus vorgelegt. Ausgezeichnet wurde er mit dem "Heinrich-Mann-Preis" der Akademie der Künste zu Berlin, dem "Marion-Samuel-Preis" der Stiftung Erinnern und 2012 mit dem "Börne-Preis".

Stimme zum Buch

»(Alys) Stil ist von einer ungemütlichen, unterhaltenden Faktendichte, einer immer ins Herz des Konsenses treffenden Schärfe.« Gustav Seibt

"Der Autor, Vater einer behinderten Tochter, bringt mit seinem neuesten Buch eine Arbeit zu Ende, die er 1981 begann, seinerzeit jedoch nicht beendete, da sein Antrag auf ein Habilitationsstipendium von der Deutschen Forschungsgemeinschaft abgelehnt worden war. Bestärkt von vielen Briefen Angehöriger, die mittlerweile nach ihren ermordeten Familienmitgliedern fragen, beschreibt Götz Aly mit großer Präzision, wie die »Euthanasie«-Morde von Verrückten, Behinderten, Arbeitsunfähigen und -unwilligen, Hilfsbedürftigen und anderen Menschen mit störender und unbequemer Lebens- und Sinnesweise während der Zeit des deutschen Faschismus organisiert wurden und wie sie konkret vor sich gingen, sowohl in Deutschland als auch in den überfallenen Gebieten. Thema ist auch die flächendeckende Einführung von Elektroschockapparaten, um Menschen rasch »symptomfrei« machen und nach ihrer Sterilisierung an ihren Arbeitsplatz zurückschicken zu können. Der Autor verwendet dabei viele Dokumente, die von »Euthanasie«-Betroffenen, Überlebenden und Familienangehörigen verfasst wurden. Dabei macht er deutlich, wie wesentlich die Haltung der Familien war: ob sie den Kontakt zu ihren untergebrachten Angehörigen hielten, sich für ihre Belange einsetzten, sie wieder zu sich holen wollten und gegen die befürchtete Ermordung protestierten (was durchaus zur Freilassung der Betroffenen führen konnte), oder ob sie froh waren, von einem als Belastung empfundenen Menschen befreit zu werden. Dankenswerterweise macht Götz Aly Schluss mit der verbreiteten Praxis, die Betroffenen durch die Verwendung von Initialen unkenntlich und zu anonymen Unpersonen zu machen. Folgerichtig plädiert er, in Gedenkstätten die Ermordeten namentlich zu ehren und ihre Lebensdaten in einer allgemein zugänglichen Datenbank zu nennen. Durch die Tatsache, dass der Autor die Betroffenen und nicht mehr die Täter in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt, hebt sich sein Buch deutlich von aller vorangegangenen Literatur zum Thema ab und zeugt von einer neuen, betroffenenzentrierten Qualität. Kein Buch für zarte Gemüter, aber (neben den Büchern von Ernst Klee) die Grundlagenliteratur zum Verständnis der medizinisch-psychiatrischen Massenmorde während des Faschismus und insbesondere der Leiden der psychiatrisch Gequälten und Ermordeten." (Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten)