Kirsten Becken (Hg.):
Ihre Geister sehen – Seeing Her Ghosts

CoverHardcover, 84 Seiten, viele farbige und schwarz-weiße Abbildungen, 28 x 31,5 cm, ISBN 978-3-903153-31-8. Wien: Verlag für moderne Kunst 2017. € 30.– / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorboder Bestellung mit Formular
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Reichlich farbig bebildertes Buch, in dem sich die Herausgeberin unter Hinzuziehung der Tagebücher ihrer Mutter, Fotos und Erinnerungen intensiv mit dem Schicksal ihrer stimmenhörenden Mutter, deren Psychose und psychiatrische Behandlung auseinandersetzt. Mit Beiträgen teilweise in englischer und teilweise in deutscher Sprache von Dorothea Buck, Gerd Glaeske, David Shrigley, Robert Whitaker u.v.m. Mit einer Einleitung von Daniel Sollberger, dem Artikel »Wer hat Angst vor BeMAPPs? Warum die Hilfe beim Absetzen von Neuroleptika verweigern?« von Peter Lehmann sowie einem anrührenden Eingangskommentar von Siri Hustvedt. Finanziert über die Crowdfunding-Plattform Startnext. Originalausgabe

Original-Verlagsinfo

Seeing Her Ghosts / Ihre Geister sehen“ ist ein Kompendium von Fotografien, künstlerischen Arbeiten und Texten initiiert von der Fotografin Kirsten Becken. Mit Arbeiten renommierter Beitragender wie Siri Hustvedt, Andrew Solomon oder Bessel van der Kolk bietet das Buch einen spannenden Dialog über den Umgang mit Psychose in der Familie.

Seeing Her Ghosts eröffnet eine künstlerische Perspektive und verdeutlicht die Komplexität von seelischen Krisen, indem es die mannigfaltigen Facetten dieser Krankheit aufzeigt.

Eingangskommentar von Siri Hustvedt

Seeing Her Ghosts ist ein gewaltiges, kraftvolles Zeugnis der Komplexitäten, des Schmerzes, aber auch der Schönheit psychotischer Zustände – sowohl in Worten als auch in Bildern. In der Eile, der Eile zu erklären, zu diagnostizieren, zu behandeln, geraten die individuellen Dramen, das einzigartige Narrativ der Betroffenen zumeist in den Hintergrund. Kein Mensch ist seine Diagnose und kein gefühlter, subjektiver Zustand kann auf die technischen Informationen eines MRT-Scans reduziert werden. Das visuelle Zwiegespräch zwischen Mutter und Tochter – das Herzstück dieses Buchs – erinnert uns daran, dass nicht nur dynamische, kreative Werke aus quälender, menschlicher Erfahrung entstehen, sondern vielmehr Kunst, die immer eine Suche nach dem Anderen, immer ein Greifen danach, gesehen und gehört zu werden – als eine Form der Heilung dienen kann.

Über die Herausgeberin

Kirsten Becken is a german photographer and loves fashion stories, portraiture and documentary. She started her journey after graduating in 2007 in photography and design at Folkwang Hochschule Essen. Working as a freelance art director and photographer since 2009.

Pressestimme

Anfang 2017 meldete sich eine junge Frau bei mir und fragte, wen ich als Geleitwortschreiber für ihr Buch empfehlen könnte. Sie wolle sich mit dem Schicksal ihrer stimmenhörenden Mutter, deren Psychose und psychiatrischen Behandlung auseinandersetzen. Ich empfahl ihr Dorothea Buck. Sofort rief sie Dorothea an, besuchte sie in Hamburg und bekam von ihr einen Buchbeitrag. Diese Entschlossenheit beeindruckte mich, und so schrieb ich auch einen Artikel für das Buch, und zwar über die BeMAPPs, die vielen Beratungsstellen für Menschen mit Abhängigkeitsproblemen von psychiatrischen Psychopharmaka, wo man ambulante und stationäre Angebote kompetenter Begleitung beim Absetzen genannt bekommt und wo man vor der Kontaktaufnahme zu Organisationen, die der Pharmaindustrie nahe stehen und die Entzugs- und Abhängigkeitsprobleme herunterspielen, ausdrücklich warnt. Man könne die BeMAPPs auch im Internet finden, einer vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten nutzerorientierten Website. Leider nur ein Traum, für uns; für Mainstream-Psychiater eher ein Alptraum, bisher zumindest.

Kirsten Becken, so hieß die junge Frau, wolle ihr Buch mit Crowdfunding, also im Internet geworbenen Zuwendungen finanzieren, noch so ein Traum. Dieser ist jedoch offenbar rasch in Erfüllung gegangen, und im September 2017 erschien ihr mit Familienfotos, Aquarellen und anderen Abbildungen darstellender Kunst farbig bebildertes Werk. Im Eingangskommentar schreibt die US-amerikanische Schriftstellerin Siri Hustvedt, Ehefrau von Paul Auster:

Seeing Her Ghosts ist ein gewaltiges, kraftvolles Zeugnis der Komplexitäten, des Schmerzes, aber auch der Schönheit psychotischer Zustände – sowohl in Worten als auch in Bildern. In der Eile, der Eile zu erklären, zu diagnostizieren, zu behandeln, geraten die individuellen Dramen, das einzigartige Narrativ der Betroffenen zumeist in den Hintergrund. Kein Mensch ist seine Diagnose und kein gefühlter, subjektiver Zustand kann auf die technischen Informationen eines MRT-Scans reduziert werden. Das visuelle Zwiegespräch zwischen Mutter und Tochter – das Herzstück dieses Buchs – erinnert uns daran, dass nicht nur dynamische, kreative Werke aus quälender, menschlicher Erfahrung entstehen, sondern vielmehr Kunst, die immer eine Suche nach dem Anderen, immer ein Greifen danach, gesehen und gehört zu werden – als eine Form der Heilung dienen kann."

Im Oktober erlebte ich Kirsten Becken, wie sie in Berlin ihr Buch öffentlich vorstellte. Sie ist keine Betroffene, sondern "nur" Angehörige. Doch solche wünscht man sich: Menschen, die ihre Kinder, Väter oder in diesem Fall Mütter nicht auf Diagnosen reduzieren und als psychisch krank abtun. Sondern sich neugierig auf ihren Schmerz einlassen, sie mutig darin unterstützen, seelische Krisen offenzulegen, besser sich auseinandersetzen als untätig hinnehmen, dass die Krisen im Innern brodeln und sich erst nach jahrelanger Unterdrückung der eigenen Bedürfnisse explosionsartig ihren Weg an die Oberfläche bahnen. Über einen bildlichen, künstlerischen und textlichen Zugang dient das Buch als Gesprächsanreiz und Plattform für Familien zum Einstieg in das Thema seelische Krisen, zu Austausch und Dialog. Wie die Autorin mitteilte, hatte die gemeinsame Arbeit mit ihrer Mutter und die intensive Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte zudem einen therapeutischen Effekt. Nicht nur ihre Mutter wurde viel wacher und bereit für einen Neustart, auch die Autorin fühlte sich, als sei ihr ein Schleier von ihren Augen gefallen.

Das Buch hat 84 Seiten im Großformat, 28 x 31,5 cm, ist gebunden und enthält teils englische und teils deutschsprachige Beiträge, unter anderem auch von Gerd Glaeske, David Shrigley und Robert Whitaker. Einzig Siri Hustvedts Geleitkommentar ist in beiden Sprachen enthalten. Erschienen ist es im Verlag für moderne Kunst in Wien, es kostet € 30.– Für alle, die auch einigermaßen Englisch verstehen, eignet sich das Buch insbesondere als Weihnachtsgeschenk. Auch wenn ich nicht als Co-Autor drin vertreten wäre: Ich würde es trotzdem absolut empfehlen.

Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten