Monika Becker-Fischer / Gottfried Fischer
Sexuelle Übergriffe in Psychotherapie und Psychiatrie – Orientierungshilfen für Therapeut und Klientin

CoverKartoniert, 222 Seiten, 15 x 21 cm, ISBN 978-3-89334-460-4. Heidelberg: Asanger Verlag, 3., völlig neu bearbeitete Auflage 2008. € 25.50 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular

Über die AutorInnen | Inhaltsverzeichnis | Vorwort zur 1. Auflage | Vorwort zur 2. Auflage | Pressestimmen | Liefer- & Zahlungsbedingungen inkl. Widerrufsrecht
Täterprofile – Vorbeugung – Juristische Gesichtspunkte – Hilfen – u.v.m. Unter Mitarbeit von Christiane Eichenberg. Originalausgabe 1996

Original-Verlagsinfo

Die therapeutische Beziehung Therapeut – Klientin ist fast zwangsläufig geprägt durch Nähe und Intimität. Und es besteht dadurch grundsätzlich die Gefahr von Abhängigkeiten mit mehr oder weniger erotischer Prägung, die Freud schon 1914 in seinen "Bemerkungen über die Übertragungsliebe" zum Thema machte.

Obwohl die Abstinenzregel private Beziehungen allgemein und jegliche sexuelle Kontakte mit Patientinnen ausschließt, kommen der "Missbrauch auf der Couch", dem "Arbeitswerkzeug" des Psychoanalytikers, aber auch sexuelle Übergriffe in angrenzenden Disziplinen des Gesundheits- und Sozialwesens (Medizin, Psychiatrie, Seelsorge, Sozialpädagogik) relativ häufig vor. Wie empirische Studien zum Beispiel in den USA und in Deutschland belegen, hat etwa jeder zweite Psychotherapeut schon mindestens einmal eine Patientin in Therapie gehabt, die von einem Kollegen missbraucht wurde. Dieses Buch über die Hintergründe sexueller Übergriffe, über Folgeschäden und Maßnahmen zur Vorbeugung sowie Folgetherapien für Therapeuten und missbrauchte Patientinnen ist "geradezu eine Pflichtlektüre für alle psychotherapeutisch Tätigen" (Report Psychologie), unabhängig davon, welchen therapeutischen Schulen (Psychoanalyse, Verhaltens-, Gesprächs-, Gestalttherapie) sie sich zuordnen. Nur die Integrität des Therapeuten kann garantieren, dass Patientinnen – und weitaus seltener – Patienten, die in einer seelischen Notlage nach Hilfe suchen, nicht noch Opfer ausbeuterischen Verhaltens ihrer "Helfer" werden.

Über die AutorInnen

Monika Becker-Fischer, Dr. phil, Dipl.-Psych., Psychologische Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin (DPV); Studium der Psychologie und Soziologie in Marburg, München, Bremen; langjährige Tätigkeit in einer psychosomatischen Ambulanz. Psychotherapeutin in eigener Praxis, Lehrtätigkeit und Supervisionen an Universitäten und Psychotherapie-Aus- und Weiterbildungseinrichtungen, Vorsitzende des Deutschen Instituts für Psychotraumatologie e.V.

Gottfried Fischer, Prof. Dr., Psychotherapeut und Psychoanalytiker (IPA); Forschungsleiter des Deutschen Instituts für Psychotraumatologie in Much; seit 1994 Direktor des Instituts für Klinische Psychologie und Psychologische Diagnostik der Universität zu Köln. Auf dem Gebiet psychotherapeutischer Forschung und Theoriebildung ist er ein international bekannter und anerkannter Autor.

Christiane Eichenberg, Dr. phil., Dipl.-Psych., Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Klinische Psychologie und Psychologische Diagnostik der Universität zu Köln; in Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin am Institut für psychotherapeutische Forschung, Methodenentwicklung und Weiterbildung an der Universität zu Köln. www.christianeeichenberg.de

Vorwort zur 1. Auflage

Dieses Buch entstand im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt »Sexuelle Übergriffe in Psychotherapie und Psychiatrie«, das das Freiburger Institut für Psychotraumatologie unter unserer Leitung zeitweise mit Unterstützung des Bundesministeriums für Senioren, Familie, Frauen und Jugend durchführte. Für diese Unterstützung möchten wir dem Ministerium, insbesondere Renate Augstein noch einmal sehr herzlich danken. Die Untersuchung selbst und die Forschungsergebnisse sind in zusammenhängender Form in einer Schriftenreihe des Ministeriums veröffentlicht.

Im Verlauf unserer Forschungsarbeit stellten wir bald fest, dass wir mit ganz spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert waren, deren Art und Ausmaß wir zunächst nicht vermutet hatten. Einige dieser Schwierigkeiten lernten wir im Laufe der Zeit als dem Thema inhärente psychotraumatologische Abwehrmechanismen zu verstehen. Im ersten Kapitel werden wir diese näher analysieren. Vor allem aber waren wir entsetzt über die große Not der Betroffenen, die nicht ohne Grund in den USA inzwischen als »Überlebende« bezeichnet werden, die ablehnenden Reaktionen, auf die sie z. T. bei der Suche nach fachlicher Hilfe stießen. Selbst viele gutwillige Fachleute reagierten verunsichert und hilflos.

Es schien ein großer Informationsbedarf über die Thematik zu herrschen, und zwar keineswegs nur in der Öffentlichkeit, sondem auch in Fachkreisen. Deswegen entschlossen wir uns, wichtige Forschungsergebnisse und praktische Erfahrungen zusammenzufassen, um damit den Betroffenen, interessierten Fachleuten und potentiellen Psychotherapiepatientinnen und -patienten einen Überblick über das komplexe Gebiet zu vermitteln und Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Unser Dank gilt allen, die uns auf diesem – manchmal sehr mühsamen – Weg unterstützt haben. Zunächst danken wir den vielen in ihrer Therapie ausgebeuteten Patientinnen und Patienten, die sich an der Untersuchung beteiligt haben und bereit waren, ihre Erfahrungen darzustellen. Wir danken ihnen ganz besonders, da wir wissen, dass sich mit dem traumatischen Erleben erneut zu konfrontieren nicht leicht und oftmals sehr belastend ist.

Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen haben sich bereit erklärt, als erste »Anlaufstelle« für Betroffene und als Folgetherapeuten bzw. Folgetherapeutinnen zur Verfügung zu stehen. Diese spontane Bereitschaft hat uns sehr ermutigt und vielen Betroffenen geholfen.

Allen Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen, die uns unterstützt, wichtige Anregungen gegeben und in unserem Vorhaben bestärkt haben, vor allem Claudia Heyne, Günter Jerouschek und Martin Ehlert-Balzer möchten wir hier ebenso danken wie unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr großes Engagement und die ungewöhnlich kooperative Zusammenarbeit: Gabriele Popp, Roland Billian, Claudine Lautenschläger, Oliver Rajki und Andreas Hammel.

Freiburg, im Februar 1996
Monika Becker-Fischer
Gottfried Fischer

Pressestimmen zur 1. Auflage

»... ein Standardwerk zum Thema Sexueller Missbrauch in Psychotherapie und Psychiatrie ... eine Pflichtlektüre für Studierende der Psychotherapie, Klinischen Psychologie und Psychiatrie ... auch geeignet für Patientinnen und Patienten der Psychotherapie, die sich zu kritischen Verbrauchern fortbilden möchten.« (Psychotraumatologie)

»Das Buch liefert einen wichtigen Forschungsbeitrag bei der Aufgabe, sowohl die individuellen Voraussetzungen als auch die aktuelle Psychodynamik der Täter aus Opfersicht zu verstehen.« (systema)