Klaus Behnke / Jürgen Fuchs (Hg.)
Zersetzung der Seele – Psychologie und Psychiatrie im Dienste der Stasi

Cover Kartoniert, 323 Seiten, 11 x 19 cm, ISBN 978-3-86393-045-5. Hamburg: CEP Europäische Verlagsanstalt, 4. Auflage 2013. € 24.– / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular
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Über staatlich angeordnete Persönlichkeitszerstörung. Original 1995

Original-Verlagsinfo

"Mit 48 Jahren erlag Fuchs einem Krebsleiden … Fotos von einer Röntgenkanone, die im Geraer Stasi-Gefängnis stand, sowie eine MfS-Studie, in der die Möglichkeit der ›Schädigung durch Beibringung radioaktiver Stoffe‹ dargestellt ist, haben unterdessen den Verdacht nahegelegt, dass "Zersetzung" mehr war als eine psychologische Waffe des SED-Sicherheitsapparates." (FAZ)

Überall auf der Welt setzen Diktaturen und ihre Geheimdienste Sozialtechniken und psychologisches Wissen gegen politische Gegner ein. Mit Hilfe der psychologischen Kriegsführung im Innern, deren Repertoire auch Zwangseinweisung von Andersdenkenden in psychiatrische Kliniken umfasst, soll der Kampf um die Seele gewonnen werden.

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR bildet da keine Ausnahme. Die »Operative Psychologie« der Stasi unterlag strikter Geheimhaltung und diente eindeutigen politischen Zwecken: Eignungs- und Leistungsdiagnostik für Leistungskader und IMs, Überwachung der politischen Zuverlässigkeit und Motivation von Mitarbeitern, Einschätzung von bespitzelten Personen und ihres sozialen Umfeldes, verbesserte Schulungs- und Vernehmungstechniken. Mit Hilfe der »Operativen Psychologie« betrieb das MfS sowohl die gezielte Anwerbung und »Stabilisierung« von Mitarbeitern als auch die systematische »Zersetzung« der Opposition.


Über die Autoren

Klaus Behnke, geboren 1950 in Teltow (DDR), studierte an der Berliner Humboldt-Universität Psychologie, bis seine Immatrikulation wegen Protesten gegen die SED widerrufen wurde. Nach dem Theologiestudium 1977 folgte die Ausreise nach Westberlin und ein Einreiseverbot bis 1989. Klaus Behnke baute in Berlin eine Beratungsstelle für Menschen mit Folgeschäden durch die DDR-Diktatur auf und leitete diese zunächst. Heute lebt er als Psychotherapeut in freier Praxis in Berlin.

Jürgen Fuchs, geboren 1950 in Reichenbach (DDR), studierte von 1971 bis 1975 an der Friedrich-Schiller- Universität Jena Psychologie. Aufgrund seiner literarischen Veröffentlichungen und Freundschaften zu Wolf Biermann, Robert Havemann und Reiner Kunze wurde Jürgen Fuchs 1975 politisch zwangsexmatrikuliert. 1975 zudem Lese- und Publikationsverbot in der gesamten DDR, 1976 politische Haft wegen Protesten gegen die Ausbürgerung Biermanns. Im August 1977 folgte Fuchs Abschiebung nach Westberlin und Ausbürgerung, bis 1989 Einreiseverbot in sämtliche Ostblockländer. In West-Berlin arbeitete Jürgen Fuchs als freischaffender Schriftsteller und ab 1980 auch als Sozialpsychologe. Seit dem Fall der Mauer bemühte sich Jürgen Fuchs besonders um die Aufklärung der Verbrechen des MfS. Er arbeitete zeitweilig im Bereich Bildung und Forschung des Beauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Am 9. Mai 1999 starb Jürgen Fuchs an Blutkrebs. Sein krankheitsbedingter Tod erzeugte den Verdacht, er sei als Häftling des MfS vorsätzlich Gammastrahlen ausgesetzt worden.