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Nelly Bly
Zehn Tage im Irrenhaus – Undercover in der Psychiatrie

CoverTaschenbuch, 191 Seiten, 12,5 x 20 cm, ISBN 978-3-932338-62-5. Berlin: AvivA Verlag, 3. Auflage 2018. € 16. / Preis in sFr / lieferbar innerhalb von 3 Tagen In den Warenkorb  [oder Bestellung mit Formular – Best.Nr. 966]
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Bericht einer jungen Reporterin, die sich im Jahre 1887 in New York undercover zwangseinweisen lässt und deren Reportage über die zeitgemäßen Formen psychiatrischer Demütigungen und Gewaltausübungen inklusive zwangsweiser Verabreichung damals gebräuchlicher Barbiturate in der Tageszeitung New York World publiziert wird ein Meilenstein des investigativen Journalismus, wie ihn heute angesichts toxischer Psychopharmaka und hirnschädigender Elektroschocks kein Journalist mehr wagen würde. Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Martin Wagner. Deutsche Erstausgabe 2014. US-amerikanische Originalausgabe 1887

Original-Verlagsinfo

New York, 1887. Für ihren ersten Auftrag als freie Journalistin bei der aufstrebenden Tageszeitung Joseph Pulitzers, "New York World", soll Nellie Bly undercover aus der Frauenpsychiatrie auf Blackwell's Island berichten. Ob sie den Mut dazu habe? Die 23-Jährige zögert nicht, natürlich hat sie den. Der Weg in die Anstalt erweist sich als Kinderspiel. Doch Bly merkt schnell: Wer einmal drin ist, dessen Chancen stehen schlecht, jemals wieder herauszukommen. In ihrer bahnbrechenden Reportage berichtet die Undercover-Journalistin Nellie Bly von den desaströsen Zuständen und grauen haften Misshandlungen, deren Zeugin sie dort wurde. "Zehn Tage im Irrenhaus" ist ein Meilenstein des investigativen Journalismus und ein wichtiges Dokument der Psychiatriegeschichte.

Über die Autorin

Nellie Bly wurde am 5. Mai 1864 in Pennsylvania als Elizabeth Jane Cochran geboren. Mit einem Leserbrief gelang ihr 1885 der Einstieg in den Journalismus. Mit ihrer Reportage "Ten Days in a Mad-House" wurde sie berühmt. 1889 ging sie auf Weltreise. Sie wollte schneller sein als Jules Vernes Romanheld Phileas Fogg, was ihr auch gelang. Ihr Reisebericht "Around the World in 72 Days" wurde ein Medienspektakel ohnegleichen. 1895 heiratete Bly den 70-jährigen Industriellen Robert Seaman, dessen Unternehmen sie nach seinem Tod 1904 leitete. Nach dessen Bankrott kehrte sie zum Journalismus zurück und wurde 1914 Kriegskorrespondentin in Österreich. Am 27. Januar 1922 starb Nellie Bly in New York an einer Lungenentzündung.

Pressestimmen

»Nellie Blys engagierter Bericht ist ›Psychiatriegeschichte live‹ und außerdem ein spannendes Abenteuer. Sehr zu empfehlen!« Sibylle Prins, Brückenschlag

»... der Widerstandsgeist der Hauptprotagonistin trägt die Geschichte und macht sie liebens- und lesenswert.« Brigitte Siebrasse, Soziale Psychiatrie

Bly leistet »für eine bessere, sozialere Psychiatrie einen enorm wichtigen Beitrag.« Rolf Brüggemann, Seelenpresse

»Die junge Reporterin Elizabeth Jane Cochran lässt sich im Jahre 1887 (kein Tippfehler) in New York City zwangseinweisen, und zwar undercover, das heißt zu Ermittlungszwecken und mit gefälschter Identität unter dem Namen Nellie Bly. Sie soll eine Reportage über die Zustände in der Frauenpsychiatrie auf Blackwell's Island schreiben, einer Anstalt mit zweifelhaftem Ruf. Die Insel - heute heißt sie Roosevelt Island ist im East River zwischen den Stadtteilen Manhattan und Queens. Wer in die dortige Anstalt verbracht wird, hat zu jener Zeit kaum mehr eine Chance, je wieder in Freiheit zu gelangen. Für Nellie Bly überraschend einfach wird sie von den untersuchenden Psychiatern, denen sie stereotype Sätze vorsagt unter anderem, sie habe Angst und suche ihre Koffer und auf deren Fragen sie nicht eingeht, als eindeutig Geisteskranke diagnostiziert und zwangsuntergebracht. Nach ihrer Entlassung, die von einem Anwalt bewirkt wird, der von ihren sich sorgenden Freunden eingeschaltet wurde, ist sie wieder in Freiheit und kann in der aufstrebenden Tageszeitung Joseph Pulitzers, der New York World, in zwei Teilen am 9. und 16. Oktober 1887 von den zeitgemäßen Formen psychiatrischer Demütigungen und Gewaltausübungen berichten, inklusive der zwangsweisen Verabreichung des damals gebräuchlichen und als modern geltenden Chloralhydrat. Sie kann es nach der Verabreichung wieder herauswürgen. Dieses Schlafmittel war 1832 entwickelt worden, es war das erste synthetisch hergestellte Schlafmittel. Außerdem berichtet Nellie Bly von den verrückt machenden Zuständen in der Psychiatrie, von Schlägen und anderen Misshandlungen, von der Faulheit, Brutalität und Gleichgültigkeit der meisten, wenn auch nicht allen Pflegerinnen, von der medizinische Inkompetenz der meisten Psychiater, von den sich einstellenden Krankheiten der untergebrachten Frauen und der Verschlechterung ihres geistigen und psychischen Zustands, auch bedingt durch die katastrophalen äußeren Bedingungen in der Einrichtung, von den auftretenden, auch damals konsequenzlosen Todesfällen, von sinnlosen Beschäftigungen oder beschäftigungslosem Dahinvegetieren u.v.m.
Nellie Blys Reportage gilt als Meilenstein des investigativen Journalismus und wichtiges Dokument der Psychiatriegeschichte. Es zeigt, was sich verändert hat und was über die Jahrhunderte hinweg gleich geblieben ist. Ergänzt wird die Reportage durch ein informatives Nachwort des Germanisten Martin Wagner. Es wird nur leicht getrübt durch seine pauschale Kritik "der Antipsychiatrie-Bewegung", mit der er die akademische Antipsychiatrie der 1960er-Jahre (Cooper, Foucault, Laing, Szasz) meint; sie habe die Fortschritte und Erfolge der psychiatrischen Forschung aus dem Blick verloren. Ob Wagner mit den "Fortschritten" kleinere und moderne psychiatrische Stationen meint sowie die neuen synthetischen Neuroleptika und Antidepressiva sowie Lobotomie und Elektroschocks, was von der Mainstream-Psychiatrie, deren Vertreter er als Quelle für seine Behauptung nennt, als historischer Fortschritt betrachtet wird? Abgesehen von diesem offenbar ideologisch begründeten oder aus Ahnungslosigkeit erfolgten Tritt ins Fettnäpfchen, der zum Glück nur eine halbe Buchseite einnimmt, ist das Buch ausgesprochen lesenswert.
Dem AvivA Verlag gebührt Respekt, dass er dieses Buch 127 Jahre nach der US-amerikanischen Originalveröffentlichung in deutscher Erstausgabe 2014 publiziert hat. Angesichts moderner toxischer Psychopharmaka und hirnschädigender Elektroschocks wird heutzutage vermutlich kein Journalist mehr ein ähnliches Experiment wagen, kein Zeitungsverleger mehr ein vergleichbares Projekt zur Aufdeckung psychiatrischer Menschenrechtsverletzungen ins Auge fassen. Während Nellie Bly zu ihrer Zeit noch ihren Finger in den Hals stecken und das Chloralhydrat erbrechen konnte, werden in modernen Zeiten bei Widerstand lähmende Substanzen von gewaltbereiten psychiatrisch Tätigen zwangsweise per Spritze verabreicht. Eine neue Undercover-Publikation im Stile der mutigen Nellie Bly ist also in absehbarer Zeit nicht mehr zu erwarten.«
(Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten)