Brückenschlag 21
Stimmen Welten

CoverKartoniert, 218 Seiten, 20 farbige und 1 schwarz-weiße Abbildungen, 15 x 22 cm, ISBN 978-3-926200-63-1. Neumünster: Paranus Verlag, Band 21/2005. € 15.– / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular
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Bunte Mischung von allerlei Texten und Bildern zum Schwerpunktthema Stimmenhören von Betroffenen und Profis (Olaf Armleder, Andreas Gehrke, Monika Hoffmann, Hannelore Klafki, Ronald Mundhenk, Sibylle Prins, Marius Romme u.v.m.)

Original-Verlagsinfo

Wären Moses und Hildegard von Bingen heute in einer psychiatrischen Klinik? Die lange Liste der Stimmen hörenden Menschen zieht sich durch die Jahrhunderte. Stimmenhören kann, muss aber nicht krankhaft sein. Viele Menschen hören Stimmen, haben aber nie eine Psychose erlebt. Manche hören gute Stimmen und nutzen diese zur spirituellen Erweiterung. Andere hören sehr böse Stimmen und landen letztlich in der Psychiatrie. Der neue Brückenschlag versucht, das Spektrum der Stimmenwelten auszuloten und herauszufinden, welchen Sinn sie für die Betroffenen haben könnten. Er versammelt Essays, Geschichten, Berichte, Gedichte und Bilder von Stimmenhörenden selbst und von Nicht-Stimmenhörenden, die sich dem Phänomen aus der Außensicht nähern.

Editorische Notiz

Zunächst: Wir sind überwältigt. Überwältigt von der Anzahl und der Vielfältigkeit der Beiträge, die uns zum Thema »Stimmen hören« erreichten. Und betrübt darüber, dass wir viele Texte nicht veröffentlichen können, die auch lesenswert gewesen wären.

Beim Lesen erlebten wir dann wohl etwas Ähnliches, wie es Marius Romme und Sandra Escher vor zehn Jahren erging, als sie im Fernsehen Stimmenhörende aufriefen zu berichten und ebenfalls von der Vielfalt und individuellen Besonderheit der Erfahrungsberichte überrascht wurden.

Wir haben versucht, eine Auswahl zu treffen, die möglichst viele Aspekte des Themas vorstellt und auch der Form nach auf unterschiedliche Lesebedürfnisse eingeht:

Da sind Therapievorschläge, die helfen sollen, zum Verständnis der Stimmen zu gelangen. Und Grundsätze zum Umgang mit ihnen.

Da sind historische Rückblicke zu Woyzek und zu Bernadette, auch auf biblische Geschichte. Sie machen deutlich, dass Stimmenhören überhaupt kein neues Phänomen ist.

Andere Beiträge zeigen aber, dass wir seit einigen Jahren einen neuen Umgang mit diesem Phänomen lernen und erarbeiten.

Viele Menschen leben mit Stimmen. Insbesondere auch Kinder sind betroffen. Die Stimmen verschwinden wieder oder begleiten Menschen über viele Jahre. Bei manchen Menschen gibt es Verbindungen zu Psychosen, treiben Stimmen in die Krankheit. Zuweilen macht aber auch die psychiatrische Behandlung erst krank.

Sie werden in diesem Brückenschlag eine breite Palette von Umgangsweisen mit Stimmen kennen lernen: Versuche, die nach mancher Mühsal zum individuell angemessenen Umgang geführt haben. Auch Texte, in denen die Angst vor der Rückkehr der Stimmen die Sätze durchzieht, u.a. weil die Berichtenden die Erfahrung machen mussten, dass Therapeuten, Ärzte u.a. (und auch die Angehörigen) zu wenig zuhörten, die Stimmen nicht ernst nahmen. Nicht ernst nahmen, was die Stimmen sagten. Der Respekt fehlte. Und wenn man in einer solchen Umgebung mit Stimmen effektiv umgehen will, dann ist das kein leichter Weg.

Verschiedene Beiträge zeigen, dass sich in den letzten Jahren viel getan hat in Bezug auf ein neues Verständnis des Stimmenhörens – in und auch jenseits psychiatrischer Institutionen.

Vorreiter in Deutschland war und ist dabei das Netzwerk Stimmenhören e.V. In ihm gibt es mittlerweile diverse Anlaufstellen in Deutschland. Das Besondere: Diese Selbsthilfeorganisation ist von Anfang an als »Trialog« von Stimmenhörenden, ihren Angehörigen und den Profis gedacht und gelebt worden.

Medikamente können hilfreich sein, wenn die Stimmen allzu heftig, aggressiv, bestimmend werden. Die persönliche Auseinandersetzung mit ihnen, ihren Aussagen und Forderungen, auch ihrem Verwirrspiel im Kopf, können sie nicht ersetzen.

Wir möchten in diesem Brückenschlag die Türen öffnen für die vielfältigen Wahrnehmungsformen von Stimmen hörenden Menschen und Äußerungen übers Stimmenhören.

Der Alltag wird zunehmend durch die Auseinandersetzung mit Stimmen und durch die Verständigung der Stimmenhörenden untereinander geprägt, aber auch durch das Zuhören und Sprechen mit ihren Angehörigen, sowie das sich Einlassen der Profis auf dieses besondere Phänomen. Eine solche Arbeit findet auch international in verschiedenen Netzwerken statt. Zur weiteren Lektüre sei an dieser Stelle das vierteljährlich erscheinende »Kleine Stimmenhörer-Journal« des Netzwerk Stimmenhören e.V. empfohlen. Siehe auch den Hinweis auf den nächsten Stimmenhörer-Kongress in Berlin auf Seite 218.

Wir bedanken uns herzlich bei allen, die Ihre Erfahrungen zu diesem Brückenschlag beigetragen haben und freuen uns auf Reaktionen und die weitere Diskussion.

Es tut sich was, das hoffen lässt – nicht nur in der Psychiatrie ...

Andreas Gehrke & Jürgen Blume

Rezension

Schon immer hörten die Weisen und die Heiligen Stimmen. Dann verstummten die Götter, und das Unhörbare verschwand in der Psychiatrie. Fallbeispiele, Erfahrungsberichte, Gedichte, viel Himmel und Hölle, wenig Witz und Selbstironie. Stimmenhörer sind nicht verrückt, "man kann mit ihnen reden". Aha. (Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten)