Anton Cechov
Krankenzimmer Nr. 6 / Erzählung eines Unbekannten

CoverTaschenbuch, 196 Seiten, 11,5 x 18 cm, ISBN 978-3-257-20268-7. Zürich: Diogenes Verlag, 9. Auflage 2004. € 9.90 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular
Cechov | Reaktionen & Pressestimmen | Liefer- & Zahlungsbedingungen inkl. Widerrufsrecht
»Krankenzimmer Nr. 6« (S. 7-77) handelt vom Moskauer Chefpsychiater Ragin, der in dem zwangsuntergebrachten ›Geisteskranken‹ Gromov den einzigen vernünftigen Gesprächspartner erkennt, weshalb man Ragin ebenfalls übel mitspielt. Klassiker der Antipsychiatrie. Russische Originalausgabe 1892, deutsche Erstveröffentlichung 1966, Neuausgabe 1976 mit 22-seitigem Anhang / "Erzählung eines Unbekannten" (S. 78-174) erschien original 1893.

Verlagsinfo zu Krankenzimmer Nr. 6 und Anton Cechov

»Im Krankenzimmer Nr. 6 eines Krankenhauses in der russischen Provinz lebt der Beamte Ivan Dmitric Gromov. Er leidet angeblich unter Verfolgungswahn, deshalb ist er hier in der Abteilung für Geisteskranke untergebracht. Der Chefarzt des Krankenhauses, Dr. Andrej Efimyc Ragin, hat ihn selbst eingewiesen. Zufällig kommt er mit Gromov ins Gespräch und entdeckt in ihm den einzigen vernünftigen Gesprächspartner des ganzen Provinznestes. Immer häufiger werden ihre Gespräche über Gott und die Welt. Um Dr. Ragin beginnen sich wegen seiner häufigen Besuche im Krankenzimmer Nr. 6 Gerüchte zu ranken; auch er fühlt sich zusehends beobachtet, belauscht, verfolgt.«

Foto von Anton CechovAnton Cechov (Foto: Diogenes-Archiv) wurde 1860 in Taganrog als Sohn eines kleinen Krämers geboren. Er war als Arzt tätig, erkrankte selbst an Tuberkulose und verbrachte ab 1898 sein Leben in Kurorten in Südrussland und in Westeuropa. Er starb 1904 in Badenweiler. Seine Erzählungen fanden schon früh Bewunderer (unter ihnen auch Leo Tolstoi), und seine Dramen (darunter ›Drei Schwestern‹, »Der Kirschgarten«, »Onkel Vanja«) – die heute auf allen Bühnen gespielt werden – stellten einen bedeutenden Neubeginn für das russische Theater dar.

Hinter seinem Werk spürt man den Arzt, der mit Mitgefühl seinen Patienten zuhört, und man spürt die stille Ironie denjenigen gegenüber, die ein Rezept gegen ein unglückliches Leben verlangen. Doch auf die Frage »Was ist das Leben?« wusste Cechov nur zu antworten: »Was ist eine Mohrrübe? Eine Mohrrübe ist eine Mohrrübe, mehr ist darüber nicht zu sagen.« Über Cechov lässt sich vielleicht nur der Satz von Samuel Beckett sagen: »There was never a smile like his.« Geboren wurde Anton Cechov 1860. Sein Großvater war Leibeigener gewesen und hatte sich freigekauft, sein Vater war ein kleiner Kaufmann, der Bankrott machte. Die Familie musste ihr Haus in Taganrog in Südrussland verkaufen und zog nach Moskau. Anton blieb vorerst als Dienstbote im Haus, das seiner Familie gehört hatte. Dank eines Stipendiums begann er drei Jahre später in Moskau Medizin zu studieren. Unter dem Pseudonym Cechonte schrieb er kleine Erzählungen für humoristische Gazetten. Auch als praktizierender Arzt schrieb er weiter, mit wachsendem Erfolg, so dass er sich einen Jugendwunsch erfüllen konnte, den Kauf eines Landhauses. Eine Lungentuberkulose erzwang jedoch immer häufigere Aufenthalte in südlichem Klima, so dass Cechov auf die Krim übersiedelte. 1901 heiratete er die Schauspielerin Olga Knipper, die er vier Jahre zuvor kennengelernt und gegen deren Heiratswünsche er sich bislang gesträubt hatte. Sie führten eine merkwürdige Ehe, lebten wegen der Theaterverpflichtungen Olgas selten zusammen und schrieben sich viele Briefe. Ab 1903 verschlechterte sich Cechovs Gesundheitszustand, doch entgegen den Empfehlungen der Ärzte arbeitete er verbissen an seiner neuen Komödie ›Der Kirschgarten‹ weiter. Kurz nach deren triumphaler Uraufführung starb er in Badenweiler. Seine letzten Worte waren: »Ich habe so lange keinen Champagner mehr getrunken.«

Reaktionen und Pressestimmen zu Cechov bzw. Krankenzimmer Nr. 6

»Ich übernehme es, alle, die Cechov kritisieren, umzubringen – diese stumpfsinnigen, großmäuligen, schimmelbedeckten Kunstkenner. Um Cechov zu verstehen, muss man ganz einfach ein anständiger Mensch sein.« (Maxim Gorki)
»Dies Dichtertum hat es mir angetan. Seine Ironie gegen den Ruhm, sein Zweifel am Sinn und Wert seines Tuns, der Unglaube an seine Größe hat von stiller, bescheidener Größe so viel.« (Thomas Mann)
»Ach, Cechov! Warum bist Du tot! Warum kann ich nicht mit Dir reden...« (Katherine Mansfield)
»Was wir sehen, in allen Geschichten Cechovs, ist ein Straucheln, doch ist es das Straucheln eines Menschen, der strauchelt, weil er zu den Sternen aufblickt.« (Vladimir Nabokov)
»Cechov, das ist für mich der größte Geist der ganzen Weltliteratur.« (Andrzej Szczypiorski)
»Das Cechovsche Wunder liegt in diesem Gemisch aus Lachen und Schamhaftigkeit, aus Ironie und Traurigkeit.« (Henri Troyat)
»Welche Schriftsteller mich beeinflusst haben? Cechov! Cechov! Cechov!« (Tennessee Williams)
»Er ist der subtilste Analytiker menschlicher Beziehungen. Wenn wir diese ›Geschichten über Fastnichts‹ lesen, weitet sich unser Horizont, und wir gewinnen einen erstaunlichen Sinn für die Freiheit.« (Virginia Woolf)
»Unterschwellige Tragik des Stoffes, leichtfüßige Komik der Figuren: Das eben hat Cechov geschafft.« (Rudolf Augstein, Der Spiegel, Hamburg)
»Ein Meister der Kurzgeschichte.« (Ralph Dutli, Frankfurter Allgemeine Zeitung)
»Wie kaum ein anderer hat Anton Cechov auf den Pulsschlag des modernen Lebens gehorcht, sein literarisches Werk ist für das 20. Jahrhundert wegweisend geworden.« (Neue Zürcher Zeitung vom 14./15.1.1995)
»Es gibt wenige Dichter der Vergangenheit, die in unserer Gegenwart so lebendig sind wie Anton Cechov. Lange Zeit als literarischer Stimmungsmaler des Fin de siècle und wehmutvoller Schilderer der russischen Seele verkannt, ist er erst in den letzten Jahren in seiner wahren Bedeutung – und Größe erkannt worden als ein unermüdlich arbeitender Dichter, dem es nur auf eines ankam: die Wahrheit auszudrücken.« (Neue Zürcher Zeitung)
»Es ist ganz einfach so, dass hier ein Arzt seine Diagnose als Dichtung niederschreibt.« (Sean 0'Faolain)
»Nicht nur an seiner Menschenkenntnis, auch an seinem Stil merkt man, dass Cechov Arzt war. Anders hätte er wohl nicht eine so messerscharfe, analytische, exakte Prosa schreiben können.« (Konstantin Paustowski)
»Literarische Schulen vergehen. Cechov bleibt.« (Lidija Tschukowskaja)