Susanne Fricke / Iver Hand
Zwangsstörungen verstehen und bewältigen – Hilfe zur Selbsthilfe

CoverKartoniert, 141 Seiten, 23 schwarz-weiße Abbildungen, 14,4 x 21,5 cm, ISBN 978-3-86739-001-9. Köln: BALANCE Buch + Medien Verlag, 7. Auflage 2013, korrigierter Nachdruck 2016. € 14.90 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular
Über Autorin & Autor | Inhalt | Beispiel | Rezensionen | Liefer- & Zahlungsbedingungen inkl. Widerrufsrecht
Anleitung zur Selbsttherapie für Leute, die mit ihren Zwängen absolut nicht mehr zurecht kommen und keine andere Möglichkeit der Abhilfe sehen. Erstausgabe 2007

Original-Verlagsinfo

Ewa 2 bis 3% der Menschen haben eine Zwangserkrankung - nicht ihr ganzes Leben lang, aber über viele Jahre. Sie müssen zwanghaft putzen, waschen, kontrollieren oder sammeln mit erheblichen Folgen für ihren Alltag und den Alltag ihrer Angehörigen. Dieser Ratgeber ist als Hilfe zur Selbsthilfe gedacht. Es richtet sich an Betroffene, die wissen wollen, ob sie eine Zwangserkrankung haben und wenn ja, was sie dagegen unternehmen können.

Über Autorin und Autor

Susanne Fricke, geb. 1967, Dr. phil., Dipl. Psychologin, Wissenschaftspreis der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen (DGZ) 2003.

Iver Hand, geb. 1941, Prof. Dr. med., Leiter der Verhaltenstherapie am Universitätskrankenhaus Eppendorf in Hamburg, Gründungsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen (DGZ).

Inhalt

Am Beispiel von Frau Clemens und anderen werden sehr anschaulich und leicht verständlich Techniken vermittelt, die die Verhaltenstherapie entwickelt hat, also jene Psychotherapieschule, die nachweislich bei der Behandlung von Zwangserkrankungen am erfolgreichsten ist. Sollte man nach der Lektüre feststellen, dass man allein nicht weiterkommt, findet man nicht nur Tipps, wohin man sich wenden kann, sondern hat nach dem Ausfüllen der Arbeitsblätter schon einige wichtige Bausteine für eine Therapie.

  • Was sind Zwangserkrankungen?

  • Wie entstehen sie? Was hält sie am Leben?

  • Wie kann man sich selbst helfen?

  • Wie kann man Familie und Freunde einbeziehen?

  • Wo kann man Hilfe finden, wenn die Selbsthilfe nicht ausreicht?

Beispiel

Frau Clemens litt unter einem Wasch- und Reinigungszwang. Sie befürchtete, durch Verschmutzung und Keime krank zu werden. "Ansteckungsquellen" waren für sie Geld, Münzen und Scheine, weil diese von vielen Leuten berührt werden. Andere "Ansteckungsquellen" waren z.B. Türklinken in öffentlichen Gebäuden, Haltegriffe in der Straßenbahn usw. Einkaufen ging sie nur noch mit dünnen Handschuhen. Wenn jemand fragte, sagte sie, sie habe eine Nickelallergie. Wieder zuhause warf sie die Handschuhe gleich in einen Eimer im Flur und wusch sich intensiv die Hände. Danach wischte sie die eingekauften Sachen gründlich sauber, vorsichtshalber auch den Platz, an dem sie die Einkaufstüten beim Hereinkommen abgestellt hatte. Anschließend wusch sie sich noch mal die Hände, bis sie sich sauber fühlte. Sie wusste eigentlich, dass ihre Angst und ihre Vorsichtsmaßnahmen übertrieben waren, aber sie konnte sich nur schwer dagegen wehren. Wenn ihr Ehemann abends von der Arbeit kam, musste er sich gleich die Hände gründlich waschen, damit auch er die Keime und die Verschmutzung, die er von draußen mitgebracht hatte, nicht in der Wohnung verteilte. Er fand das zwar übertrieben, aber er wusste, wenn er es nicht machte, dann ginge es seiner Frau sehr schlecht, und der Abend wäre beiden verdorben. Deshalb gab er lieber nach und wusch sich gründlich, so wie sie es wünschte.

Rezensionen

"Das Buch verspricht im Untertitel Hilfe zur Selbsthilfe. Und es erfüllt alle Voraussetzungen, dass es diese Hilfe auch bieten kann. Es ist handlich: ein Taschenbuch mit 120 Seiten. Eine einfache, klare, sachliche Sprache macht es leicht, den Ausführungen zu folgen, die von Anfang an ganz direkt an einen Leser gerichtet sind und mit diesem bis zum Schluss einen Dialog aufrechterhalten. Das Anliegen der Autoren, niemanden auf der vielleicht langwierigen Reise durch das dünne Büchlein zu verlieren, ist immer wieder spürbar. Wer sich entschieden hat, mit dieser Hilfe die Selbsthilfe zu wagen, dürfte dafür dankbar sein." (Felix Leps, Psychosoziale Umschau 3/2004)

"Anleitung zur Selbsttherapie mit vielen Beispielen und praktischen Tips. Geeignet für Leute, die mit ihren Zwängen nicht mehr zurecht kommen, keine andere Möglichkeit der Abhilfe sehen und sich weder durch den etwas lehrerhaften Ton, angesiedelt zwischen Herablassung und Kumpelhaftigkeit, stören lassen noch durch die Tatsache, dass das aktuelle Forschungsprojekt der "Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen" (DGZ), dessen Gründungsvorsitzender Iver Hand ist und dessen Wissenschaftspreis 2003 Susanne Fricke erhielt, laut der im Buch angegebenen DGZ-Website aus stereotaktischer Tiefenhirnstimulation besteht, siehe Anmerkung am Ende des Rezensionstextes. Diese 2. Auflage begnügt sich mit dem Hinweis auf Selbsthilfegruppen (ausschließlich den eigenen Verband), Psychotherapie und natürlich synthetische Psychopharmaka, speziell die marktaktuellen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Diese werden trotz ihrem Risikoreichtum und der bekannten möglichen Schäden verharmlosend dargestellt ("meistens gehen die Nebenwirkungen nach ein bis zwei Wochen wieder weg"), paradoxe Reaktionen wie z.B. suizidale Wirkungen oder Rezeptorenveränderungen (Downregulation) und demzufolge körperliche Abhängigkeit, steigende Dosierungen zwecks Beibehaltung der Wirkung und Entzugsprobleme beim Absetzen werden gar nicht erwähnt – Pharmasponsering lässt grüßen. Wer sich über den Sinn und Zweck der Einnahme von Psychopharmaka informieren will, für den bzw. die wird der Hausarzt oder die Psychiaterin als einzig "richtiger Ansprechpartner" empfohlen. Die Geringschätzung des Erfahrungsschatzes von Betroffenen könnte kaum deutlicher zum Vorschein kommen. Anmerkung: Unter www.zwaenge.de/aktuelles/media/Tiefenhirnstimulation.pdf, quasi im Anhang des Buches, finden Interessierte Adressen von Ansprechpartnern der DGZ, wenn sie sich ihre Schädeldecke aufbohren und eine Stimulationselektrode in den rechten Nucleus accumbens, eine spezielle Hirnregion, einsetzen lassen wollen. Da der Neurochirurg nach der Operation den Impulsgenerator, der unterhalb des Schlüsselbeins in den Körper eingebaut wird, auf die geeignete Stimulationsintensität und -frequenz programmiert, um Zwangssymptome zu unterdrücken, wäre die Bedienung des Impulsgenerators durch den auf die Haut aufgelegten Programmierkopf ein weitergehender Schritt zur sozialpsychiatrischen Selbsthilfe. Die Betroffenen könnten auf diese (elektromagnetische) Weise die Fernsteuerung in ihrem Gehirn selbstbestimmt und gemeindenah ein- und ausschalten. Da es sich um ein aktuelles Forschungsprojekt der DGZ handelt, ist dieses Thema in der vorliegenden zweiten Auflage des Buches leider noch nicht ausgeführt, man darf also auf die nächste Auflage gespannt sein. (Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten)