Hartwig Hansen (Hg.)
Höllenqual oder Himmelsgabe? – Erfahrungen von Stimmen hörenden Menschen

CoverKartoniert, 206 Seiten, 14,8 x 21 cm, ISBN 978-3-940636-33-1. Neumünster: Paranus Verlag 2015. € 19.95 / Preis in sFr / sofort lieferbar oder Bestellung mit Formular

Über den Herausgeber | Inhaltsverzeichnis | Rezension | Liefer- & Zahlungsbedingungen inkl. Widerrufsrecht
Vielstimmige Beiträge mit der Botschaft, Stimmen und stimmenhörenden Menschen zuzuhören, von Frank Dahmen, Christian Derflinger, Rolf Fahrenkrog-Petersen, Andreas Gehrke, Wolfgang Harder, Cornelia Hermann, Regina Hildegard, Ingrid Krumik, Monika Mikus, Tim Panzer, Barbara Schnegula, Tom Seidel, Barbara Urban, Laura Vogt u.v.m. Mit einer Einleitung von Hartwig Hansen und Andreas Gehrke und einem Nachwort von Hartwig Hansen. Originalausgabe

 

Original-Verlagsinfo

Liebe Leserin, liebe Leser, Stellen Sie sich bitte folgende Situation vor: Sie führen ein Alltagsgespräch mit einem Ihnen seit Langem bekannten Menschen. Neben Ihnen sitzt eine weitere Person und flüstert Ihnen fortlaufend irritierende und auch verletzende Sätze ins Ohr, wie zum Beispiel "Du hast doch keine Ahnung, so dumm, wie du bist.“ Sie versuchen, das Gespräch trotzdem fortzuführen. Das ist jedoch enorm schwierig. Sie fühlen sich abgelenkt, konfus und auch besorgt. Was soll das alles?! Der britische Stimmenhörer-Selbsthilfe-Aktivist Ron Coleman schlug dieses Experiment – eine dritte Person stört einen "normalen“ Dialog – seinen Seminarteilnehmern vor, um das Erleben des Stimmenhörens unmittelbar nachvollziehbar zu machen. Das ist der Einstieg zum gerade erschienenen Paranus-Sammelband.

"Wer Stimmen hört, der tickt nicht richtig." Dieses schlichte Dogma hat seine Gültigkeit verloren und ist der Einsicht gewichen: Wir sollten Menschen genauer zuhören, die Stimmen hören können, die sonst niemand hört. In diesem Buch kommen sie deshalb ausführlich zu Wort:

"Mit Stimmen zu kommunizieren ist vergleichbar mit dem Erlernen einer Fremdsprache. Spreche ich diese, wird erst ein wirklicher Kontakt und Austausch möglich."

"Es gibt Gaben, die gefallen uns, die nehmen wir dankend an und wachsen mit ihnen, und es gibt Gaben, die gefallen uns nicht und aus denen machen wir kaum etwas. Gaben können uns ein Leben lang eine Aufgabe und eine Bürde sein."

"Meine Erfahrung ist, dass Stimmen in jedem Falle zu realen Freunden gemacht werden sollten. Das kompromisslose Beseitigen von Stimmen, etwa durch Psychopharmaka, ist, wie die gängige Praxis in den Psychiatrien beweist, sicher auf Dauer nicht der 'Königsweg'."

"Verachte uns nicht, sondern höre mit dem Herzen, was wir dir sagen wollen." Das gilt sowohl für die Stimmen als auch für die Menschen, die sie hören."

Über den Herausgeber

Hartwig Hansen, Jg. 1957, Diplompsychologe, lebt in Hamburg und arbeitet dort als Publizist, Fachlektor, Paar- und Familientherapeut und Supervisor. Zahlreiche Veröffentlichungen als Autor und Herausgeber.

Weitere Bücher herausgegeben von Hartwig Hansen im Antipsychiatrieversand: Der Sinn meiner Psychose – Zwanzig Frauen und Männer berichten

Inhaltsverzeichnis (mit den jeweils ersten Sätzen der Beiträge)

Hartwig Hansen
Zwischen den Polen
Stellen Sie sich bitte einmal folgende Situation vor: Sie führen ein Alltagsgespräch mit einem Ihnen seit Langem bekannten Menschen. ... 10

Vera Erden
Ich bin nie allein
Zwanzig Jahre Stimmenhörerin
In der 11. Klasse, ich war 17 Jahre alt, bekam ich Versagensangstanfälle im Gymnasium. Besonders bei Klassenarbeiten und Prüfungen fühlte ich mich wie gelähmt und weinte sehr stark. ... 18

Frank Dahmen
„Wir kriegen Pech gehabt!“
Ich bin seit knapp 18 Jahren Stimmenhörer. Die Stimmen kamen in mein Leben, als ich schon schwer depressiv und dann sogar suizidal war. Ich war gefühlt am Ende meines Lebens angelangt. ... 28

Barbara Urban
Mein Leben – meine eigene Welt
Meine Mutter war schon über vierzig, als ich geboren wurde. Ich war weder geplant noch – so habe ich es empfunden – gewollt. Die Erinnerungen an meine ersten Lebensjahre sind in meinem Körper als Gefühle eingemeißelt. ... 40

Tom Seidel
„Du musst Professor werden!“
Zerrissen
Ich war Mitte zwanzig und lebte zwischen zwei Städten. In Hamburg studierte ich Kommunikationsdesign und in Celle spielte ich Gottesdienste als nebenamtlicher Organist. ... 48

Barbara Schnegula
Frau Merkel sagt, sie wisse auch, dass das Leben nicht gut ist
Seit meinem 33. Lebensjahr – heute bin ich 48 – höre ich Stimmen. Ich bin gelernte Masseurin und habe auch als Telefonistin in einem Berliner Bezirksamt gearbeitet. Ich war ausgeglichen und zufrieden mit mir und habe das Beste aus meinem Leben gemacht. ... 56

Tim Panzer
Die Stimmen sind ein Teil von mir geworden
Viel Arbeit – viel Alkohol
Dass die Stimmen heute meine ständigen Begleiter sind, war absolut nicht geplant. Wie auch? Mein Leben nach der Schulzeit war ich eigentlich recht zielstrebig angegangen. ... 62

Xenia
Isolation ist für mich das reinste Gift
Nach meiner überfälligen Scheidung (Eheleben Marke Seelenwüste) und vor meinem ersten juristischen Staatsexamen stand ich gewaltig unter Druck, weil meine finanziellen Mittel eigentlich nicht ausreichten. ... 71

Wolfgang Harder
„Du bist nicht präsent, Wolfgang, du bist nur bei deinen Stimmen ...“
Es gibt Gaben, die gefallen uns, die nehmen wir dankend an und wachsen mit ihnen, und es gibt Gaben, die gefallen uns nicht und aus denen machen wir kaum etwas. Gaben können uns ein Leben lang eine Aufgabe und eine Bürde sein. ... 80

Cornelia Hermann
Wie die Erinnerung an einen Traum
Wann sich die Stimmen in mein Leben geschlichen haben, weiß ich nicht mehr. Ich vermute, dass es in meinem 16. oder 17. Lebensjahr war. In dieser Zeit ging es mir aufgrund meiner schwierigen familiären Situation sehr schlecht. ... 94

Linda R.
„... denn das Glück bist du selbst.“
Damals war ich in der 8. Klasse und gerade dabei, wieder zu lernen, vernünftig zu essen. Ich marschierte den dunkelgrünen Schulflur entlang und aß ein Schokocroissant aus der Schulkantine, als ich plötzlich die Worte: „Mensch, die isst ja auch wieder etwas“ hörte. ... 98

Rolf Fahrenkrog-Petersen
... alles nicht verarbeitete Traumata
Wenn ich über meine Stimmen schreibe, muss ich weit zurückgehen und über mein Leben berichten. Groß geworden in scheinbar gutbürgerlichen Verhältnissen, war meine Kindheit geprägt von Angst – mein Vater Alkoholiker, meine Mutter mit vier Kindern überfordert. ... 108

Laura Vogt
„In all dem Chaos und der Zerstörung gebäre ich ein Licht“
Stimmenhören – ein Phänomen, das für Nichthörende, wie ich glaube, sehr schwer nachzuvollziehen ist. Ich möchte deshalb aus meiner Stimmenwelt berichten ... 116

Monika Mikus
ADONIS, irgendeine Stimme …
Wie ich, auch ohne Matura und Studium, eine ganz besondere Auszeichnung erhielt
Die Erste Österreichische Boulevardzeitung „AUGUSTIN“ kündigte im April 2009 zwei Beiträge besonders an: Unter dem Titel „Jesus bettelte auch“ entdeckte ich den mich auszeichnenden Hinweis „Die Stimmenhörerin – Wiener Original mit Warnweste“. ... 126

Andreas Gehrke
Die Stimmen zu Freunden machen
Im Jahre 1986 hörte ich erste Stimmen, elf Jahre später, also im Jahr 1997, wurden sie wieder leiser und verträglicher und im Jahr 2005 blieben sie ganz weg, was mich damals ein wenig betrübte. ... 138

Ingrid Krumik
„Was du schon willst ...!“
Die Stimme meiner Mutter und wie ich sie wieder loswurde
Mein Leben war immer ein Auf und Ab, das ging schon in der Kindheit los. Aber ich hatte immer wieder Glück, auf Menschen zu treffen, die mich nicht als totale Versagerin gesehen haben. ... 142

Christian Derflinger
Eigentlich möchte ich Horst nicht mehr missen
Ich lebte eigentlich ein ganz normales Leben, hatte ein gut funktionierendes soziales Umfeld und ein für mich besonders schönes Hobby, das zugleich auch meine Leidenschaft war. Es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass ich bald an paranoider Schizophrenie erkranken würde. ... 157

Regina Hildegard
Stimmen haben Gefühle und immer eine Botschaft
Mein Zusammenleben mit Ares und Adam
Mir ist sehr wichtig, meine Erfahrungen mit den Stimmen weiterzugeben, weil ich finde, dass in Bezug auf den Umgang mit mir und meiner Erfahrung auch Fehler gemacht wurden. Fehler machte jedoch nicht nur mein Umfeld, sondern besonders ich selbst. ... 169

Elias
„Das Einzige, was wir brauchen, ist deine ungeteilte Aufmerksamkeit.“
Mit 27 Jahren hörte ich zum ersten Mal eine Stimme in meinem Inneren. Um nachvollziehbar zu machen, wie es dazu kam, muss ich einige Dinge vorab erläutern. ... 179

Hartwig Hansen
Der persönliche Fingerabdruck
„Der pointierte Buchtitel Höllenqual oder Himmelsgabe? ist auch nur ein Vorschlag, um das Feld der möglichen Erfahrungen abzustecken“, hatte ich am Ende meines Vorworts geschrieben. ... 194

Herzlichen Dank an die Autorinnen und Autoren dieses Buches ... 202

Rezension

Wie kamen die Stimmen in mein Leben? Was bedeuten sie mir heute? Wie hat sich mein Leben durch die Stimmen verändert? Wer oder was hat mir auf meinen Weg geholfen? Wie geht es mir heute mit allem? Antworten auf diese und noch viele weitere wichtige Fragen geben Frank Dahmen, Christian Derflinger, Rolf Fahrenkrog-Petersen, Andreas Gehrke, Wolfgang Harder, Cornelia Hermann, Regina Hildegard, Ingrid Krumik, Monika Mikus, Tim Panzer, Barbara Schnegula, Tom Seidel, Barbara Urban, Laura Vogt und viele mehr. Wie schon aus dem Titel "Meine Stimmen – Quälgeister und Schutzengel" (2006) des Buches mit den Texten von Hannelore Klafki, der Gründerin des deutschen Netzwerks Stimmenhören, hervorging, können Stimmen von den Betroffenen als positiv interpretiert werden wie auch als quälend. Vieles hängt von einem konstruktiven Umgang und der Möglichkeit ab, sie in das eigene Leben zu integrieren. Andreas Gehrke, von dem im Paranus-Verlag 2003 das Buch "Ausbruch aus dem Angstkäfig – Ein Stimmenhörer berichtet " erschienen ist und der den Anstoß zum neuen Buch gab, plädiert in seinem Beitrag dafür, "... dass Stimmen in jedem Falle zu realen Freunden gemacht werden sollten. Das kompromisslose Beseitigen von Stimmen, etwa durch Psychopharmaka, ist, wie die gängige Praxis in den Psychiatrien beweist, sicher auf Dauer nicht der 'Königsweg'. Erst die Freundschaft zu den Stimmen stärkt und unterstützt die eigene Freiheit." Ob die anderen Autorinnen und Autoren ihre Freiheit mithilfe der Stimmen erreicht haben, mit welchen Problemen (die sie gelegentlich auch in die Psychiatrie führen) sie zu kämpfen haben, wie sie ihre Stimmen interpretieren und mit ihnen – auch unter Einfluss von Psychopharmaka – umgehen, wie sie unter ihren Stimmen leiden, sie gelegentlich vermissen, wenn sie vertrieben worden sind, wie sie sich mit ihnen arrangiert oder gar angefreundet haben..... das alles lesen Sie in diesem vielstimmigen Buch am besten selbst. Das Buch mit seinen 18 Berichten endet mit einem Nachwort des Herausgebers – angenehmerweise wieder frei von jeglicher besserwisserischen Interpretation der Beiträge. (Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten)