Alfred Hausotter
Erntedankfest – Vorgeschichte, Verlauf und Ausheilung einer Psychose

CoverGebunden, 373 Seiten, 6 zweiseitige farbige und 2 einseitige einfarbige Abbildungen, 2 Faksimiles, 13 x 20 cm, ISBN 978-3-99028-216-8. Linz: Bibliothek der Provinz 2015. € 28.– / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular
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Überarbeitete Ausgabe des 2006 erschienenen Buches "GottTeufel – Innenansicht einer Psychose". Offene und detaillierte Beschreibungen von vier psychotischen Episoden von Mitte der siebziger bis Mitte der achtziger Jahre in Österreich, frei von störenden Wertungen. Die Innenansichten eines Wahns werden – eingebettet in den ganz normalen Wahnsinn von Familie, Schule, Bundesheer und Psychiatrie – beklemmend folgerichtig. Ein Buch von Mut, Eigensinn und Selbstheilung und davon, wie Psychiatrie und Psychopharmaka dem im Wege stehen.

Original-Info des Verlags

Sind Psychosen heilbar?

Der international anerkannte Psychiater Prof. Manfred Bleuler bringt die damit verbundene Debatte in einem veröffentlichten Schreiben an Edward M. Podvoll ("Aus entrückten Welten – Psychosen verstehen und behandeln") auf den Punkt.

"Es ist dringend erforderlich, dass wir uns endlich von dem Vorurteil freimachen, ein psychotischer Mensch werde auch immer psychotisch bleiben. (...) In den letzten Jahren bin ich immer wieder heftig angegriffen worden, wenn ich über meine vielen Erfahrungen mit der Heilung Schizophrener berichtete, die lange Zeit schwer krank gewesen waren. Die Kritik an meiner Lehr- und Heiltätigkeit gipfelt immer in folgendem: 'Ein schizophrener Patient kann niemals gesund werden – wenn sie glauben, Heilungen schizophrener Patienten beobachtet zu haben, so kann das nur an einer falschen Diagnose liegen!' Meiner Meinung nach ist eine solche Einstellung unrealistisch und mehr als schädlich für unsere Patienten."

Aus psychologischer Sicht kann insbesondere die letzte Aussage nur bestätigt werden, da die Hoffnung auf Heilung eine unabdingbare Voraussetzung zu deren Realisierung ist – wobei man sich bewusst sein sollte, dass schwere seelische Verletzungen oft Narben mit lebenslang einhergehenden Empfindlichkeiten hinterlassen.

Information des Autors

Im ersten Teil des Buchs beschreibe ich in möglichst authentischer und konkreter Form – ohne theoretische Erklärungsversuche –- meine psychotischen Erlebnisse.

Nach jeder Einweisung bekam ich Neuroleptika (Melleril, Orap, Leponex etc.) verschrieben, die jedoch nur vorübergehend die akuten Symptome unterdrückten und äußerst unangenehme Nebenwirkungen hatten. Nach einem misslungenen Selbstmordversuch unter Leponexeinwirkung und erneuter Zwangseinweisung aufgrund eines vermutlich durch Medikamente bedingten Bewusstseinsausfalls setzte ich die Psychopharmaka selbstständig ab.

Dies ging einige Jahre gut, bis sich der nun bereits vierte Krankheitsschub einstellte, den ich diesmal erstmals gänzlich ohne psychiatrische Intervention und Medikamente durchlebte. Sehr hilfreich war mir dabei das spontane kreative Ausagieren meiner manischen Getriebenheit durch Zeichnen und vor allem Niederschreiben meiner wahnhaften Eingebungen. Nach ca. einem halben Jahr verkehrte sich die Manie von selbst in ihr Gegenteil und wurde eine massive Depression, aus der ich im Grunde nur durch einen glücklichen Zufall heraus kam.

Da ich seitdem relativ gesund bin, sind schizophrene Schübe u. ä. für mich einfach nur naturgemäße Selbstheilungsversuche des menschlichen Organismus, die zumindest meiner Erfahrung nach durch Neuroleptika nur behindert werden.

Vita des Autors

  • Geboren 1954
  • Hauptschule in einem katholischen Internat (Stephaneum)
  • Handelsakademie: Zwei Monate vor der Matura 1. schizophrener Schub
  • Kaufmännischer Angestellter
  • Nach drei Jahren 2. Schub. Im selben Jahr Selbstmordversuch und 4. Einweisung
  • Korrektor
  • Psychologiestudium: Im zweiten Semester 4. und letzter manisch-depressiver Schub
  • Sponsion
  • Promotion
  • Selbstmord der Schwester unter Haldol-Depot
  • Sozialpädagogischer Leiter in einem sozioökonomischen Arbeitsprojekt
  • Psychotherapieausbildung in katathym-imaginativer Psychotherapie (Praktikantenstatus)
  • Seit 1997 bei Pro mente in der Betreuung psychisch Kranker als Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe tätig
  • Verheiratet, 2 Kinder

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Rezension

Der Autor, geboren 1954, verheiratet, zwei Kinder, Mag. Dr. phil., klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe in Österreich und seit 1997 in der Wohnbetreuung tätig, erlebte von 1974 bis 1983 vier psychotische Episoden. Diese beschreibt er offen, detailliert und ohne jede Wertung. Im zweiten Teil finden sich seine in den Krisenphasen entstandenen Texte und Bilder. Sie geben einen exemplarischen Einblick in Form und Inhalt psychotischen Bewusstseins und dessen Klärungsversuche. Eingebettet in den ganz normalen Wahnsinn von Familie, Schule, Bundesheer und Psychiatrie werden die Innenansichten seines Wahns beklemmend folgerichtig. Das Buch handelt von Mut und Eigensinn und davon, wie Psychiatrie und Psychopharmaka dem im Wege stehen. 2006 war es unter dem Titel "Der GottTeufel. Innenansicht einer Psychose" original bei der sozialpsychiatrisch orientierten Edition pro mente im oberösterreichischen Linz erschienen. Bald war es vergriffen. Für die überarbeitete Auflage wählte der Autor den Titel "Erntedankfest – Vorgeschichte, Verlauf und Ausheilung einer Psychose". Kurz vor der Fertigstellung wollte die Edition pro mente den Begriff "Ausheilung" (einer Psychose) durch "Überwindung" im Untertitel ersetzen. Der Autor lehnte ab: Seiner Erfahrung nach sind Psychosen keine zu bekämpfenden Krankheitssymptome, sondern im Gegenteil unterstützungswürdige Selbstheilungsversuche der Psyche im Sinne des Soteria-Ansatzes. Mit der Bibliothek der Provinz fand er glücklicherweise einen Verlag ohne ideologische Scheuklappen.

Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten