Bettina Jahnke
Vom Ich-Wissen zum Wir-Wissen – Mit EX-IN zum Genesungsbegleiter

CoverKartoniert, 215 Seiten, 14,8 x 21 cm, ISBN 978-3-940636-22-5. Neumünster: Paranus Verlag 2012. € 19.95 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular
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14 Interviews mit Ex-In-Absolventinnen und Absolventen über ihre persönliche, psychische Veränderung und Stabilisierung (im Buch "Recovery" und "Empowerment" genannt) infolge der Teilnahme am Programm. Originalausgabe

Original-Verlagsinfo

Seit 2008 werden in Deutschland EX-IN Genesungsbegleiter zertifiziert – alles Menschen, deren größter Schatz ihre besondere Lebenserfahrung ist. Die EX-IN Absolventen sind Experten aus Erfahrung, deren eigene Diagnose zugleich auf ihr Spezialgebiet verweist. Um dorthin zu gelangen, bedarf es im Vorfeld allerdings einiger grundlegender persönlicher Klärungsschritte. Die angehenden EX-IN Genesungsbegleiter reflektieren zunächst ihre eigenen Wendepunkte und Bewältigungsstrategien im Umgang mit ihrer psychischen Erkrankung. Im intensiven Austausch in der Gruppe erweitern sie ihren individuellen Erfahrungshorizont. Im nächsten Schritt lösen sie sich mehr und mehr aus ihrer Betroffenenrolle und proben den Perspektivwechsel, um am Ende ihrer Qualifizierung als Genesungsbegleiter anderen Menschen in Krisen beizustehen. Ein Novum in der Psychiatrie! EX-IN ist keine Wissenschaft aus dem Lehrbuch, sondern eine kreative und dynamische „Erfahrungswissenschaft“. Denn EX-INler sind Menschen, die Fachbegriffe wie Inklusion, Empowerment, Recovery, Salutogenese, Vulnerabilität, Compliance, Trialog, Resilienz etc. mit Leben füllen. Erstmals macht dieses Buch all das – in spannenden Interviews – nachvollziehbar.

Über die Autorin

BETTINA JAHNKE, Jg. 1969, ist Dipl.-Journalistin und EX-IN Absolventin. Sie arbeitet als freiberufliche Fachjournalistin und Fernsehredakteurin. Seit 2011 ist sie zudem als Genesungsbegleiterin auf einer Sozialarbeiterinnenstelle in Viersen tätig.

Weitere Publikationen von Bettina Jahnke und mit Beiträgen von ihr im Antipsychiatrieversand: EX-IN Kulturlandschaften. Zwölf Gespräche zur Frage: Wie gelingt Inklusion? · Pro Mente Sana Aktuell: Schizophrenie und Psychose

Leseprobe

Aus den Interviews: Ein Eindruck, der sich bei mir im Laufe der Zeit verfestigt hat: Erschütternder als die Krisen selbst ist meist der Weg, der in einer Krise gipfelt. Die Bewältigung der Krise mit der damit verbundenen Sinnsuche spendet hingegen Mut, neue Kraft und Hoffnung. Unmittelbar nach einer Krise kann man wieder darauf schauen, wie man konkret für mehr Helligkeit auf den weiteren Recoveryweg sorgen kann.Ich als Genesungsbegleiter kann nur ein Umfeld schaffen oder Impulse für Genesung geben. Ich kann helfen, Ängste zu entschärfen. Wir können vor unseren seelischen Nöten ohnehin nicht davonrennen, sie finden immer wieder zu uns zurück in unser Bewusstsein. In Träumen oder auch in Psychosen. Ein guter Fürsprecher befriedigt nicht sein eigenes Ego. Es bringt sicher nichts, wenn ein Fürsprecher stur irgendwelche Dinge durchsetzen will, von denen er selbst glaubt, dass sie im Interesse des Klienten sind. Es ist eigentlich ganz einfach, einen guten Fürsprecher zu erkennen. Diesen Fürsprecher sieht man nicht auf den ersten Blick. Er steht nämlich hinter demjenigen, für den er Fürsprache hält.

Rezension

"Das Buch besteht aus 14 Interviews mit Ex-In-Absolventinnen und Absolventen über ihre persönliche, psychische Veränderung und Stabilisierung (im Buch 'Recovery' und 'Empowerment' genannt) infolge der Teilnahme am Programm. Die Interviews führt mit Bettina Jahnke eine -Journalistin und EX-IN-Absolventin, die zudem als Genesungsbegleiterin auf einer Sozialarbeiterinnenstelle in Viersen arbeitet. Dies hat den Vorteil, dass sie als Insiderin Fragen stellt, auf die ein Außenstehender nie kommen würde, und den Nachteil, dass die Fragen EX-IN-systemimmanent bleiben und Fragen eher grundsätzlicher Natur nicht gestellt werden, beispielsweise: Wie ist der Anspruch, antidiskriminierend tätig zu sein, vereinbar mit der unkritischen Verwendung des Krankheitsbegriffs? Lässt sich Empowerment, d. h. Selbstermächtigung, so einfach reduzieren auf einen inneren Emanzipationsprozess – unter fast vollständiger Ausblendung aller Macht- und Gewaltverhältnisse in der Psychiatrie? Was sagt es aus über die Ersteller des EX-IN-Curriculums, dass in der Ausbildung die durchschnittlich um zwei bis drei Jahrzehnte reduzierte Lebenserwartung psychiatrischer Patientinnen und Patienten kein Thema ist? Wer sich an diesem Manko nicht stört, findet in dem Buch aussagekräftige Einblicke in das, was die EX-IN-Teilnehmer und -Teilnehmerinnen bewegt und welche psychischen Erkenntnisprozesse die Ausbildung bei ihnen ausgelöst hat, welche neuen Prioritäten sie in ihrem Leben gesetzt haben und wie sie mit ihren als problematisch empfundenen Gefühlen und Konfliktverarbeitungsmechanismen, die sie zuvor in die Psychiatrie haben kommen lassen, jetzt besser zurecht kommen: EX-IN-Ausbildung sozusagen als spezielle Form einer Gruppenpsychotherapie." (Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten)