Frank König / Wolfgang P. Kaschka (Hg.)
Interaktionen und Wirkmechanismen ausgewählter Psychopharmaka

CoverKartoniert, XV + 177 Seiten, 13 Abbildungen, 28 Tabellen, 12 x 19 cm, ISBN 978-3-13-105452-4. Stuttgart / New York: Thieme Verlag, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage 2003. € 24.95 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular
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Medizinisch-psychiatrisches Fachbuch über potenzierende oder abschwächende Wirkungen und Interaktionen von Psychopharmakakombinationen, die, zum Beispiel Herz und Kreislauf betreffend, durchaus tödlich enden können. Und über Verzögerungen oder Beschleunigungen beim Abbau einzelner Psychopharmaka im Stoffwechsel. Beiträge von Gabriel Eckermann / Sebastian Härtter / Leo Hermle u.v.m. Original 2000

Original-Verlagsinfo

Die gegenwärtig zur Verfügung stehende große Auswahl von Psychopharmaka stellt erhebliche Anforderungen an das pharmakologische Wissen eines jeden klinisch und in der Praxis tätigen Arztes. Eine erfolgreiche Therapie mit Psychopharmaka kann nur eine wirkungsvolle, aber nebenwirkungsarme Therapie sein.

Dieses Buch bietet

  • einen Überblick über pharmakokinetische und pharmakodynamische Interaktionen sowie Wirkmechanismen ausgewählter Psychopharmaka

  • eine Darstellung des lnteraktionspotenzials von trizyklischen Antidepressiva, Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, Neuroleptika, Lithium und synthetischen Drogen

  • eine Einführung zum lnteraktionspotenzial von MAO-Hemmern, Antidementiva sowie Phytopharrnaka

  • die Darstellung der Wechselwirkungen von Antidepressiva mit der internistischen bzw. neurologischen Komedikation.
Ein kurzgefasstes Nachschlagewerk für Psychiater, Neurologen, Allgemeinärzte und lnternisten in Klinik und Praxis, die sich zu Fragen von möglichen Wechselwirkungen von Psychopharmaka schnell einen Überblick verschaffen wollen.

Rezension

Eine Vielzahl von Psychopharmaka haben, wenn man sie miteinander kombiniert, unangenehm potenzierende Wirkungen, d.h. unerwünschte Wirkungen zum Beispiel auf Herz und Kreislauf verdoppeln sich. Andere Kombinationen führen zu verzögertem bzw. beschleunigtem Abbau einzelner Substanzen. Da man davon ausgehen muss, dass verordnende Ärzte und Psychiater im konkreten Fall und bei Substanzen, die nach Abschluss ihrer Studien auf den Markt kamen, wenig über solche Zusammenhänge wissen oder aber ihr Wissen gezielt einsetzen, um (für die Betroffenen unerwünschte) Wirkungen zu verstärken, sollte man sich als Objekt der Behandlung ebenfalls dieses Wissen aneignen, um in Entscheidungen (zumindest wissensmäßig) einigermaßen dagegenhalten zu können. Allerdings ist das Buch in medizinisch-psychiatrischer Fachsprache geschrieben. Hinzu kommt die dazu passende nonchalante Haltung zu besonderen Gefahren psychiatrischer Behandlung. Beispiel: Kombination von Lithium und »Nichtmedikamentösen antidepressiven Verfahren«, in diesem Fall Elektroschocks. So lesen wir auf S. 82: »Obwohl nach kasuistischen [Einzelfall-]Berichten verstärkte zentrale Nebenwirkungen wie delirante Zustände oder ausgeprägte Gedächtnisstörungen unter dieser Kombination beobachtet wurden, empfehlen andere Autoren durchaus die Durchführung einer EKT unter laufender Lithium-Medikation.« Wo unsereins den Approbationsentzug und eine strafrechtliche Verfolgung fordert, geht der Autor Kaschka, Mitherausgeber und Psychiater an der Unianstalt Ulm und am Zentrum für Psychiatrie Weissenau, cool zum nächsten Punkt weiter. Möglicherweise bin ich als Rezensent durch das tausendfache Lesen medizinischer und psychiatrischer Literatur abgebrüht; so freue ich mich, wenn ich nebenbei lese, dass der Autor Walter Müller, Professor am Biozentrum der Uni Frankfurt/Main, in seinem Artikel über Wirkungsmechanismen älterer und neuerer Neuroleptika einen relativ klaren Blick auf die breitgestreute Rezeptorenblockade moderner »atypischer« Neuroleptika behalten hat und zum Schluss kommt, hier sei man pharmakologisch »im Prinzip wieder einen Schritt zurückgegangen« und habe Substanzen entwickelt, »die neben dem primär für die Wirkung relevanten Mechanismus noch zusätzliche Mechanismen beeinflussen. Im Gegensatz zu den Altsubstanzen hat man«, so der Autor weiter, hier versucht, gezielt »... solche Mechanismen in die Molekülstruktur einzubauen, die bestimmte Nebenwirkungsqualitäten (besonders EPS [extrapyradmidale, d.h. bei Bewegungsabläufen im Muskelsystem auftretende Störungen] abdämpfen. Damit sind die Substanzen aus der neuesten Generation der Neuroleptika im pharmakologischen Sinne ›dirty drugs‹, also Substanzen mit mehr als einem Wirkungsmechanismus.« (S. 54) Geradezu sensationell schätze ich die Überlegung der beiden Psychiater Max Schmauß und Thomas Messer aus der Psychiatrischen Anstalt Augsburg ein, bei vielen als therapieresistent beurteilten Betroffenen liege »keine echte Therapieresistenz« vor, sondern möglicherweise ein hirnorganischer Krankheitsprozess, eine neurologische oder internistische Krankheit oder – man höre und staune – eine psychopharmakabedingte Depression. Fazit: Für die Betroffenen, die Kombinationen von Psychopharmaka einnehmen, und insbesondere der älteren unter ihnen ist dies ein notwendiges Buch, auch wenn seine Produktion durch die Pharmafirma Lundbeck gesponsert wurde. ( Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten)