Marianne Leuzinger-Bohleber / Yvonne Brandl / Gerald Hüther (Hg.)
ADHS – Frühprävention statt Medikalisierung. Theorie, Forschung, Kontroversen

CoverKartoniert, 306 Seiten, 14 schwarz-weiße Abbildungen, 3 Tabellen, 12,3 x 20,5 cm, ISBN 978-3-525-45178-6. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2. Auflage 2006. € 40.– / Preis in sFr / lieferbar innerhalb von 3 Tagen In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular
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Problematisierung der drohenden Medikalisierung sozialer Probleme, Auseinandersetzung mit der Diagnose und Behandlung von ADHS als weitverbreiteten Diagnose, mancherorts für fast alle kindlichen Schwierigkeiten im Vorschul- und Grundschulalter. Aufgreifen der aktuellen Kontroversen und Plädoyer für eine sorgfältige Diagnostik sowie für eine professionelle Zusammenarbeit aller beteiligten Experten bei der Therapie der betroffenen Kinder. Originalausgabe 2006

Original-Verlagsinfo

Wie soll ADHS behandelt werden? Dieses Buch setzt sich auf fachlich-wissenschaftlicher Ebene sowohl mit der Diagnose als auch mit der Behandlung von ADHS auseinander. Die einen plädieren für einen verstehenden und therapeutischen Umgang mit dem betroffenen Kind, während andere in einer medikamentösen Behandlung das Mittel der Wahl sehen.

Das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) ist heutzutage eine weitverbreitete Diagnose, mancherorts für fast alle kindlichen Schwierigkeiten im Vorschul- und Grundschulalter. Die Erklärungen reichen von Störungen des Hirnstoffwechsels, Frühverwahrlosungen, psychischen oder psychosozialen Regulationsstörungen bis hin zu Hochbegabungen.

Bei den Präventions- und Therapieangeboten gehen die Empfehlungen weit auseinander. Für die einen ist ein verstehender Zugang zum einzelnen Kind und seiner Lebenssituation der richtige Weg, während andere in einer medikamentösen Behandlung die Lösung des Problems sehen. Diese Sichtweise hat in den letzten zehn Jahren enormen Auftrieb erhalten. Die Autoren dieses Bandes problematisieren und diskutieren eine drohende Medikalisierung sozialer Probleme. Sie greifen aktuelle Kontroversen auf und plädieren für eine sorgfältige Diagnostik sowie für eine professionelle Zusammenarbeit aller beteiligten Experten bei der Therapie der betroffenen Kinder.

Über die HerausgeberInnen

Marianne Leuzinger-Bohleber, Dr. phil., Professorin für Psychoanalyse an der Universität Gesamthochschule Kassel. Ordentliches Mitglied der Schweizerischen Psychoanalytischen Gesellschaft und der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV). Arbeitsgebiete: Klinische und empirische Forschung in der Psychoanalyse; Indikationsforschung; Adoleszenz; psychoanalytische Entwicklungspsychologie.

Dr. Yvonne Brandl, Diplom-Psychologin und Germanistin, arbeitet u. a. im Max-Planck-Institut für Hirnforschung und im Institut für Methodenlehre und Evaluation der Universität Frankfurt/Main und ist derzeit Projektleiterin im Sigmund-Freud-Institut Frankfurt.

Dr. rer. nat. Dr. med. habil. Gerald Hüther ist Professor für Neurobiologie an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Zuvor, am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin, hat er sich mit Hirnentwicklungsstörungen und mit der langfristigen Modulation monoaminerger Systeme beschäftigt; als Heisenbergstipendiat hat er ein Labor für neurobiologische Grundlagenforschung aufgebaut.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

  • Dramatische Zunahme von ADHS: Indikator für "veränderte Kindheiten" und/oder einer "Medikalisierung des Sozialen" ?

  • Dieter Mattner: ADS - die Biologisierung abweichenden Verhaltens

  • Hartmut Amft: ADHS: Hirnstoffwechselstörung und/oder Symptom einer kranken Gesellschaft? Psychopharmaka als Mittel einer gelingenden Naturbeherrschung am Menschen

  • Manfred Gerspach: Zum Verstehen von Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen

  • ADHS - eine der größten Kontroversen in der Geschichte des Fachgebiets Kinder- und Jugendpsychiatrie

  • Peter Riedesser: Einige Argumente zur ADHS-Kontroverse in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

  • Gerd Lehmkuhl / Manfred Döpfner: Die Bedeutung multimodaler Therapieansätze bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörungen

  • Klaus-Dieter Grothe / Anke-Maria Horlbeck: Warum ich auch mit Medikamenten behandele. Die Sicht eines Kinderpsychiaters

  • Prävention und Frühintervention Psychoanalytische und neurobiologische Überlegungen zur Verhinderung psychosozialer Desintegration

  • Dieter Bürgin: Psychoanalytische Aspekte der Gewaltprävention

  • Hans von Lüpke: Der Dialog in Bewegung und der entgleiste Dialog. Beiträge aus Säuglingsforschung und Neurobiologie

  • Frank Dammasch: ADS endlich hat das Kind einen Namen. Psychoanalytische Gedanken zur Bewegung des ruhelosen Kindes und zur Bedeutung von Ritalin

  • Gerald Hüther: Die nutzungsabhängige Herausbildung hirnorganischer Veränderungen bei Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen. Einfluss präventiver Maßnahmen und therapeutischer Interventionen

  • Marianne Leuzinger-Bohleber / Yvonne Brandl / Stephan Hau / Lars Aulbach / Betty Caruso / Katrin Einert / Oliver Glindemann / Gerlinde Göppel / Paula Hermann / Pawel Hesse / Jantje Heumann / Gamze Karaca / Julia König / Jochen Lendle / Bernhard Rüger / Alex Schwenk / Adelheid Staufenberg / Sybille Steuber / Christiane Uhl / Judith Vogel / Christina Waldung / Lisa Wolff / Gerald Hüther: Die Frankfurter Präventionsstudie

  • Bernd Henke: Die Hamburger Frühpräventionsstudie zur psychischen und psychosozialen Integration von Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren. Ein Werkstattbericht

  • Manfred Cierpka / Andreas Schick: Das Fördern von emotionalen Kompetenzen mit FAUSTLOS bei Kindern

Rezension

In diesem anspruchsvollen Buch aus der Reihe "Schriften des Sigmund-Freud-Instituts" wird das "Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom" als verbreitete Diagnose für auffällige Kinder aller Art und als Begründung für die drastisch steigende Vergabe von Ritalin - "psychopharmakologische Gewalt zum Zweck der Verhaltensbeeinflussung unter dem Deckmantel einer medizinischen Diagnose" - differenziert betrachtet. Fallbeispiele und Therapieberichte illustrieren verschiedene Modelle zur Entstehung, Diagnostik und Behandlung mit Schwerpunkt auf dem psychoanalytischen Modell, das ADHS als Symptom einer veränderten Kindheit sieht, nicht als Krankheit, und die ruhelosen Kinder als Individuen mit eigener biographischer und kultureller Geschichte. .

Kerstin Kempker, FAPI-Nachrichten