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Georg Milzner
Jenseits des Wahnsinns – Psychose als Ausnahmezustand: Perspektiven für eine andere Psychiatrie

CoverKartoniert, 212 Seiten, 15,5 x 23,5 cm, ISBN 978-3-8260-4215-7. Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 2010. € 29.80 / Preis in sFr / sofort lieferbar oder Bestellung mit Formular
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Auf fundierter und umfangreicher Auseinandersetzung mit Psychosetheorien aller Art und transpersonalem Verständnis außergewöhnlicher Bewusstseinszustände basierendes Plädoyer für den "Dritten Weg": eine neurowissenschaftlich angereicherte Psychiatrie und Psychotherapie, in der der Therapeut durch Manipulation seines eigenen Zustands (z. B. durch Trance) "dem fremden Zustand" näher kommt, um "Psychotiker" dann adäquater verstehen und behandeln zu können. Originalausgabe

Original-Verlagsinfo

Eine Psychose ist mehr – oder anders – als nur eine Krankheit. So lautet die Kernthese des vorliegenden Buchs, in dem Psychosen als psychische Ausnahmezustande charakterisiert und mit religiösen, künstlerischen, sowie schamanischen Ausnahmezustanden abgeglichen werden. Ausnahmezustande werden definiert als prinzipiell jedermann zugangliche Phänomene des Gehirns, in denen das Ich seine Funktion als Souveran des Bewusstseins verliert. Diese neue Sichtweise des Psychotischen hat weitreichende Folgen für das, was hinfort verdient, eine „Therapie“ der Psychose genannt zu werden.

Denn eine Therapie der Psychose kann nicht bloß darin bestehen, den Ausnahmezustand zu beenden. Damit wurde ja auch das Potenzial, das diesem möglicherweise beigegeben ist, in seinem Wirken gehindert. Und an die Stelle psychotischen Wahnsinns träte der vermutlich nicht minder gefährliche Wahnsinn verordneter sozialer Konsense. Aus diesem Grund beschreibt es der Verfasser als Sache des Therapeuten, selbst zum kompetenten Reisenden im Strom der Bewusstseinszustande zu werden. Die Mittel, die er zur Entwicklung dieser Kompetenz braucht, konnte ihm die moderne Neurowissenschaft an die Hand geben – eine Wissenschaft, mit deren Potenzial nach Ansicht des Verfassers noch nicht Ernst gemacht wird. Grunde hierfür liegen u.a. in den Denkfehlern der so genannten „biologischen Psychiatrie“, die die Möglichkeiten des Gehirns nicht radikal genug berücksichtigt, da sie einem simplifizierenden Gesund-Krank-Schema verhaftet bleibt. Vereinfachungen dieser Art zu ersetzen ist freilich nicht leicht, da sie für psychiatrisches Denken selbst charakteristisch sind.

Georg Milzner legt mit diesem Buch einen grundsätzlichen Vorstoß zur Neubewertung der Psychosen vor. Mit einer komplexen Bewusstseinstheorie wird die Psychose aus der Sphäre des Nur-Kranken herausgelöst und es gelingt, sie sowohl hinsichtlich ihres Potenzials, als auch in Bezug auf ihre Bedrohlichkeit präzise auf einer Bewusstseinskurve abzubilden. Um den Phänomenen, die diese Position bedingt, klinisch gewachsen zu sein, bedürfen Psychologen und Arzte selbst der Erfahrung mit Ausnahmezustanden, so die provokante Folgerung. Denn niemand, der nicht selbst gut schwimmen kann und mit hohem Wellengang vertraut ist, wird je in der Lage sein, einem Ertrinkenden in stürmischer See Hilfe zu leisten.

Über den Autor

Georg Milzner, Diplom-Psychologe und Psychotherapeut, unterhalt am Bonninghausen-Institut für ganzheitliche Heilkunst in Munster/ Westfalen eine Praxis für Hypnoanalyse. Außerdem betreibt er mit dem Neuro-Atelier eine Forschungsstation, in der neue psychotherapeutische Entwurfe auf der Basis von Hirnforschung entwickelt werden. Milzner war Gast verschiedener deutscher Universitäten und nimmt Lehr- und Fortbildungsauftrage im deutschsprachigen In- und Ausland wahr. Für sein schriftstellerisches Werk wurde er mehrfach preisnominiert.