Alexander Mitscherlich / Fred Mielke (Hg.)
Medizin ohne Menschlichkeit – Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses

CoverKartoniert, 393 Seiten, 5 Abbildungen, 12,5 x 19 cm, ISBN 978-3-596-22003-8. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuchverlag, 18. Auflage 2012. € 12.95 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular
Über die Herausgeber | Liefer- & Zahlungsbedingungen inkl. Widerrufsrecht | home
U.a. über medizinische Experimente an KZ-Häftlingen, AnstaltsinsassInnen, Kriegsgefangenen. Originalausgabe 1948, durchgesehene Neuausgabe 1995

Original-Verlagsinfo

Im Anschluss an den Nürnberger Prozess gegen die nationalsozialistischen Hauptkriegsverbrecher fanden von 1946 bis 1949 zwölf Nachfolgeprozesse statt; der erste von ihnen war der sog. Ärzteprozess vor dem I. Amerikanischen Militärtribunal in der Zeit vom 9.12.1946 bis zum 19.7.1947. Die Urteile wurden am 20.8.1947 verkündet.

Angeklagt waren Arzte, die in der Zeit des Nationalsozialismus von sich aus und/oder im Auftrag von Wehrmacht, Firmen, Organisationen und Institutionen Versuche am lebenden Menschen vorgenommen haben. Die Liste der »Forschungsobjekte« ist lang: Versuche mit Unterdruck und Unterkühlung, mit Meerwasser, Fleckfieber-Impfstoffen, Sulfonamiden, Knochentransplantationen, Phlegmone-Versuche, Versuche mit Giftgasen wie Lost und Phosgen; verhandelt wurde auch ein abstruses anthropologisches Projekt »Jüdische Skelettsammlung«; und schließlich ging es um die Mitwirkung von Ärzten bei der sogenannten »Euthanasie«, der Ausmerzung unerwünschten Volkstums und um die Massensterilisation. All diese sogenannten medizinischen Experimente wurden vor allem an jüdischen KZ-Häftlingen, Erwachsenen und Kindern vorgenommen, an Kriegsgefangenen, Geisteskranken und Angehörigen von für minder wertvoll gehaltenen osteuropäischen Völkern.

In diesem Band geht es nicht um die juristischen Fragen. Die nachstehenden Dokumente zeigen vielmehr die wissenschaftliche Arbeitsweise, den ärztlichen Umgangsstil, das Milieu, in welchem sich dies abspielte, die Qualität der Forschungsarbeiten, die dabei verfolgten eugenischen und rassenpolitischen Ziele sowie die politischen und persönlichen Hintergründe der Geschehnisse. Seit Jahrzehnten gehört dieses Buch zu den Standardwerken über die Geschichte der nationalsozialistischen Zeit.

Über die Herausgeber

Alexander Mitscherlich wurde am 20. September 1908 in München geboren. Er studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Philosophie in München sowie Medizin in Berlin, Zürich und Heidelberg. Von 1933 bis 1937 wurde er wegen Widerstandsarbeit mehrfach verhaftet, 1937 sogar acht Monate in Nürnberg gefangen gehalten. Nach seiner Promotion arbeitete er als Neurologe an der Universität Heidelberg, nach seiner Habilitation an der medizinischen Polyklinik in Zürich. Ab 1947 war er Herausgeber der Zeitschrift "Psyche". 1949 gründete er an der Universität Heidelberg die Abteilung für Psychosomatische Medizin, die bald zu einer eigenen Klinik ausgebaut wurde. In Frankfurt am Main gründete Mitscherlich 1960 das Sigmund-Freud-Institut, dessen Leiter er bis zu seiner Emeritierung war. Von 1966 bis 1973 war er Professor für Psychologie an der Universität Frankfurt/Main. Er wurde zunehmend zum engagierten Kritiker der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft. 1969 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Mitscherlich starb am 26. Juni 1982 in Frankfurt am Main.

Fred Mielke, 1922-1959, Dr. med., Mitarbeiter von Alexander Mitscherlich in Heidelberg von 1947-1949.