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Ernst Pallenbach
Die stille Sucht. Missbrauch und Abhängigkeit von Arzneimitteln

CoverKartoniert, XI + 211 Seiten, 16 Abbildungen, 23 x 15 cm, ISBN 9-783-3-8047-2506-5. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2009. € 32.80 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb


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Über Definitionen von Sucht, Abhängigkeit und Missbrauch, Sucht bei Frauen, Sucht im Alter, Sucht und Suizid, über Arzneimittel mit Abhängigkeitspotenzial (Schmerzmittel, Barbiturate, antiallergische Mittel, Psychostimulanzien [ohne Ritalin], psychiatrischen Psychopharmaka [Neuroleptika, Antidepressiva und Lithium sind ausgespart], Dopingmittel, Nasentropfen, Abführmittel, Antiparkinsonmittel, Antiepileptika, Narkosemittel) sowie Lebensmittel mit Abhängigkeitspotenzial (Coffein, Energydrinks, Schokolade, Alkohol, Nikotin und illegale Drogen). Originalausgabe

Original-Verlagsinfo

Hilfe für Medikamentenabhängige. In Deutschland sind fast 2 Millionen Menschen von Arzneimitteln abhängig. Epidemiologisch betrachtet hat damit die Arzneimittelsucht die gleiche Dimension wie die Alkoholkrankheit. Doch in der Öffentlichkeit wird sie kaum wahrgenommen. Der Autor sensibilisiert für die "stille Sucht", nennt die wichtigsten Arzneimittel und ihr Abhängigkeitspotenzial, macht auf die Gefahren aufmerksam und zeigt Lösungsansätze auf. Außerdem stellt er ein selbst entwickeltes Modell vor, wie Arzt und Apotheker die Betroffenen gemeinsam unterstützen können, um Wege aus der Sucht zu finden. So helfen Sie medikamentensüchtigen Patienten bei ihrem Kampf um ein selbstbestimmtes Leben.

Über den Autor

Jahrgang 1959, in Köln geboren und aufgewachsen, Pharmaziestudium in Heidelberg, Promotion am pharmazeutischen Institut in Freiburg. Verheiratet, zwei Töchter. Seit 1992 angestellter Apotheker am Schwarzwald-Baar-Klinikum Villingen-Schwenningen. Fachapotheker für Klinische Pharmazie, Zertifikat Suchtpharmazie. Gewähltes Mitglied der Vertreterversammlung der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg und Mitglied der Arbeitskreise Klinische Pharmazie und Vorsitzender des Arbeitskreises Sucht. Autor zahlreicher Publikationen zu suchtrelevanten Themen in verschiedenen Fach- und Laienzeitschriften, Buchautor, Konzeption und Durchführung der zertifizierten Fortbildung „Fachkunde Suchtpharmazie“ (LAK-Baden-Württemberg), Dozententätigkeit an der Universität Freiburg und der Eidgenössischen Hochschule (ETH) in Zürich.

Pressestimme

Ein Drittel aller Kosten in Gesundheitsbereich lassen sich direkt oder indirekt auf Abhängigkeitserkrankungen zurückführen, so Ernst Pallenbach, promovierter Pharmazeut und angestellter Apotheker an Schwarzwald-Baar-Klinikum in Villingen-Schwenningen, unter Bezug auf eine Bachelor-Arbeit von Sandra Neuhaus. Wichtig seien deshalb Möglichkeiten der multidisziplinären Intervention und Prävention seitens medizinischem und pharmazeutischem Personal, Lehrern, Erziehern, Beschäftigten aus dem Personalmanagement und Angehörigen.

Das ausgesprochen gut lesbare ist in drei Teile untergliedert: Einführung und Grundlagen; Arzneimittelgruppen; Lebens- und Genussmittel und Partydrogen. In Teil 1 bespricht der Autor grundlegende Dinge, unter anderem Definitionen von Sucht, Abhängigkeit und Missbrauch, Sucht bei Frauen, Sucht im Alter, Sucht und Suizid. Der Begriff der Sucht sei von der WHO ersetzt worden durch Abhängigkeit oder Missbrauch, um die mit dem Suchtbegriff einhergehenden Stigmatisierungen der Betroffenen zu vermeiden. Dass die vereinigte Psychiaterschaft die Existenz der Abhängigkeit vom Vorhandensein von Sucht abhängig gemacht hat und gemäß dieser (willkürlichen) Definition Substanzen wie Neuroleptika oder Antidepressiva trotz massivster Entzugsprobleme auf dem Papier nicht mehr abhängig machen können (wer ist schon süchtig nach Haloperidol, das in manchen Ländern als Foltermittel verwendet wird?), diskutiert Pallenbach leider nicht. Klar kann man Medikamentenabhängige nicht mehr stigmatisieren, wenn man die Medikamentenabhängigkeit negiert. Gleichzeitig akzeptiert man damit jedoch, dass Patienten und verschreibende Ärzte nicht vor dem Abhängigkeitsrisiko gewarnt werden bzw. warnen, keinen Anspruch auf Rehamaßnahmen erwächst. Im Falle von Antidepressiva und Neuroleptika ist dies fatal.

Doch zurück zum Aufbau des Buches und Teil 2, die Arzneimittelgruppen mit Abhängigkeitspotenzial. Hier schreitet der Autor von Substanzgruppe zu Substanzgruppe voran, beschreibt deren Wirkungsweise, Abhängigkeitspotenziale und missbräuchliche Verwendungen: Schmerzmittel, Barbiturate, antiallergische Mittel, Psychostimulanzien, psychiatrischen Psychopharmaka (Lithium ist nicht erwähnt), Dopingmittel, Nasentropfen, Abführmittel, Antiparkinsonmittel, Antiepileptika, Narkosemittel. Für Psychiatriebetroffene besonders interessant wären Antidepressiva, Neuroleptika und Psychostimulanzien wie Methylphenidat (Ritalin). Immerhin verweist Pallenbach auf die kontroverse Diskussion unter Medizinern darüber, ob Antidepressiva und Neuroleptika abhängig machen. Leider stellt er die Argumentation derer, die ein Abhängigkeitsrisiko bejahen, nicht dar. Bei Antidepressiva komme es nur selten zur Abhängigkeit, die teilweise heftigen Symptome nennt Pallenbach jedoch bloße Absetzreaktionen, nicht aber Entzugssymptome. Da mittlerweile selbst Antidepressiva herstellende Pharmafirmen das Risiko der Medikamentenabhängigkeit eingestehen, würde der Autor sich heute vermutlich anders äußern. Dies betrifft auch Neuroleptika: Eine Argumentation, die ein Abhängigkeitsrisiko verneint, da es keinen Schwarzmarkt gebe für Neuroleptika, übersieht den Grund für den nicht vorhandenen Schwarzmarkt – die mit Qualen einhergehende Eigenwirkung dieser Substanzen. Darüber hinaus sind schon seit den 1960er Jahren aus den Veröffentlichungen des Psychiaters Rudolf Degkwitz äußerst quälende Entzugserscheinungen bei diesen Substanzen bekannt, die so heftig sein können, dass die Betroffenen nicht anders können, als sie weiterhin einzunehmen, auch wenn der Ursprungsgrund für deren Einnahme längst nicht mehr besteht. Unzufrieden darf man auch sein mit der Besprechung von Psychostimulanzien. Während der Autor auf neuere Studien zu Methylphenidat verweist, die eine erhöhte Suchtgefahr behaupten, wenn diese Substanzen nicht rasch eingenommen würden, lässt er Studien außer Acht, die ein erhöhtes Suchtrisiko bei Erwachsenen ausmachten, die in ihrer Kindheit Methylphenidat schlucken mussten.

In Teil 3 wendet sich Pallenbach dann noch Lebensmitteln wie Coffein, Energydrinks, Schokolade, Alkohol, Nikotin und illegalen Drogen zu. Abschließend lässt sich sagen, dass das 222seitige Buch eine hervorragende Informationsquelle ist für alle, die Informationen zu abhängig machenden Substanzen suchen – abgesehen von den sechs unbefriedigenden Seiten zu Antidepressiva / Neuroleptika und Methylphenidat. Bei einer Überarbeitung würde das Buch meine uneingeschränkte Zustimmung finden. (Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten)