Rolf Rameder
Der verlorene Sohn

CoverKartoniert, 157 Seiten, 14 x 21,5 cm, ISBN 978-3-9522485-8-4. St. Gallen: itten books 2010. € 18.– / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular
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In seinem Buch bringt der in Wien lebende Autor, Jahrgang 1948, verschiedene Leidenserfahrungen in selbstmitleidlosen Szenen inbrünstig, brüsk, schamlos wahrhaftig und direkt zu Wort. Sein Humor entfesselt die quälenden und niederschmetternden Fragen des Sinns seines Seins. Keiner seiner Erfahrungsbereiche, ob in Gefängnis, Psychiatrie, Psychotherapie, Politik und Journalismus, wird verschont, wenn er sich durch das Geröll seiner Erinnerungen gräbt, die ihn fortgesetzt überrollen und in der sich die Gemeinheiten der normalen psychosozialen Gemeinschaft herrlich widerspiegeln. Originalausgabe. Nachwort von Adolf Holl

Original-Verlagsinfo

Hier schreibt ein Sohn, verlassen und verstoßen von Vater und Mutter, einen langen bewegenden Brief an den Schriftsteller Adolf Holl in Wien. Holls Bekanntschaft mit Rolf Rameder begann vor 20 Jahren, als Rameder das erste Mal an Holl schrieb. Holl fasste das als Kompliment auf, wie er in seinem Nachwort schreibt, "denn ich hatte kurz zuvor einen Artikel gelesen, den Rameder in der Wiener Stadtzeitung ‚Falter' veröffentlicht hatte." Rolf Rameder, geboren 1948, aufgewachsen im nördlichen Niederösterreich, lebt in Wien. In seinem Buch bringt er verschiedene Leidenserfahrungen in selbstmitleidlosen Szenen inbrünstig, brüsk, schamlos wahrhaftig und direkt zu Wort. Sein Humor entfesselt die quälenden und niederschmetternden Fragen des Sinns seines Seins. Keiner seiner Erfahrungsbereiche, ob in Gefängnis, Psychiatrie, Psychotherapie, Politik und Journalismus, wird verschont, wenn er sich durch das Geröll seiner nicht nur individuellen Erinnerungen gräbt, die ihn fortgesetzt überrollen und nur gelegentlich zwischen sich einen Lichtstrahl zu ihm durchlassen. "Der verlorene Sohn" ist ein Buch, welches fasziniert und schwerlich aus der Hand gelegt werden kann.

Hier schreibt ein Männerliebhaber von seiner Homosexualität als der Unfähigkeit Frauen zu lieben. Es war keine da, welche ihn das hätte lehren können. Er, der seelisch Leidende, hat in verschiedenen psychiatrischen Institutionen weiter gelitten und darin nie eine Linderung seines Leidens erlebt. Und warum besucht er immer wieder den Wiener Gottesmann Holl? Weil der nichts verspricht. Diese Geschichte eines Ausgegrenzten, der bisher von seiner Mitwelt nie voll und ganz angenommen werden konnte als der, welcher er ist, macht nachdenklich. Sein Motto: Wo kein Leben ist, da ist auch kein Tod.

Rameder ist ein verlorener Sohn, der heimgekehrt ist in unsere Gemeinschaft der Leser als Autor.

Leseprobe

Über den Autor
Foto von Rolf Rameder



  

Rolf Rameder, geboren 1948 in Langau, aufgewachsen in verschiedenen Orten an der österreichisch-tschechoslowakischen Grenze, Lehrling in einer Spedition, 1965 Umzug nach Wien, 1966 Verurteilung zu einer mehrmonatigen unbedingten Haftstrafe, danach Arbeit als Journalist bei einer Boulevardzeitschrift und beim Österreichischen Rundfunk sowie mehrere Aufenthalte in den psychiatrischen Anstalten Steinhof in Wien, Gugging bei Klosterneuburg und Mauer-Öhling bei Amstetten, wohnt seit 1983 als Sozialhilfeempfänger in einer Gemeindewohnung in Wien.

Rezensionen

Bettina Reiter: Rezension in: Die Presse vom 16.10.2010

"Eigentlich will er ja morgen aus dem Fenster springen, der in Wien lebende Autor, Jahrgang 1948, da er sein Leben aus Angst vor sich selbst und angewidert von der Gesellschaft und ihren psychiatrisch Tätigen nicht mehr aushält. Aber vorher schreibt er noch an Adolf Holl, Priester und Verfasser des Buches 'Jesus in schlechter Gesellschaft'. Dies tut er seit 20 Jahren, um – wie Scheherezade in den Geschichten von Tausendundeiner Nacht – seinen Tod noch etwas aufzuschieben, und monatlich einmal treffen sich die beiden zum Teetrinken. Aus all den Schreiben entstand ein Manuskript, beginnend mit dem Brief vom 16. September 2007 und einem angekündigten Sprung aus dem Fenster. Und weiterhin schreibt Rameder an Holl, im Buch letztmalig am 18. Januar des Folgejahres. Dann lebt und leidet und weint er immer noch, und er tut das bis heute. Inbrünstig, brüsk, schamlos wahrhaftig und direkt bringt er verschiedene Leidenserfahrungen in selbstmitleidlosen Szenen zu Wort. Ein 'Stück Scheiße' sei er, Abfall, Auswurf, Dreck, ein Niemand, ohne Rechte, Würde und Wert, nichts als das nackte Leben, mit dem man machen könne, was man wolle, er lebe in einem 20-Quadratmeter-Loch und verbringe seine Zeit im Bett mit Schwulenpornos, Büchern und Fernsehen. Keiner seiner Erfahrungsbereiche, ob in Gefängnis, Psychiatrie, Psychotherapie, Politik und Journalismus, wird verschont, wenn Rameder sich durch das Geröll seiner Erinnerungen gräbt, die ihn fortgesetzt überrollen und in der sich die Gemeinheiten der normalen psychosozialen Gemeinschaft herrlich widerspiegeln. Dapotum, das er in der Psychiatrie und danach ambulant erhalten habe, habe ihn die Zeit in der Totenstarre verbringen lassen. 'Was ist die Psychiatrie anderes als die Fortsetzung der Familie an einem anderen Ort, mit anderem Personal und in anderen Kulissen?' fragt er, der so gerne erträgliche und großzügige Eltern gehabt hätte, die ihn gelehrt hätten, eine Frau zu lieben und ein Mann zu werden. Doch die Psychiatrie schütze nichts so sehr wie schuldig gewordene Eltern; das einzige, das sie mit höchster Sorgfalt behandle, seien Psychopharmaka. Psychiater seien dumm, primitiv und ungehobelt. Und gelegentlich trete zu allem Überfluss einer auf, lege ein strohdummes und abseitiges Buch über Kunst und Schizophrenie vor und sei ja doch nur ein kleiner Angestellter von Ciba-Geigy oder Hoffmann-La Roche. 'Ich habe mir oft gedacht,' schreibt Rameder, 'dass die Nazis, und ich meine damit die echten der 30er-Jahre, vor Neid erblasst wären, hätten sie sehen können, dass die Hinaustötung von nutzlosem Menschenleben aus allen Bindungen mühelos und gewinnbringend gelingt. Und all das von biederen, halbblöden Linken und Ikea-Sozialisten inszeniert, auf den Weg gebracht, mit großem Aufwand an Trara und Reklame durchgesetzt.' Hut ab vor Theodor Itten und seinem Mut, dieses durch und durch böse und schmutzaufwirbelnde Buch des Rolf Rameder zu verlegen." Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten

"Rameders Prosa ist wild, verzweifelt und, bei aller strengen Bemühung um Form, doch ungeschönt, nicht selten brutal. Sie hat eine eigene innere Wahrheit, die so ziemlich alle Maßstäbe der politischen Korrektheit sprengt, vor allem, wo es um das Thema 'Homosexualität' geht." Univ.-Prof. Dr. Peter Strasser, Karl-Franzens-Universität Graz

"Hier schreibt einer, der sich entkleidet, damit andere begreifen, was mit uns los ist, ohne die Grenze der hausgemachten Normalität überschreiten, das nicht ganz und gar durchleiden zu müssen. Ein solches Buch zu schreiben verlangt Mut, radikale Unbestechlichkeit, die immer schon ein Qualitätszeichen für Literatur war, die zählt, und eine Wahrhaftigkeit, für die man dankbar sein muss. Und ich bin's. Ich kann die Qualen dieses Menschen spüren". Marianne Gruber, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Literatur

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