Christoph J. Schmidt-Lellek / Barbara Heimannsberg (Hg.)
Macht und Machtmissbrauch in der Psychotherapie

CoverKartoniert, 308 Seiten, 15 x 21 cm, ISBN 978-3-926176-66-0. Köln: Edition Humanistische Psychologie 1995. € 22.– / Preis in sFr / lieferbar innerhalb von 3 Tagen In den Warenkorboder Bestellung mit Formular

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Über unterdrückende und im Glauben von Therapeuten aufbauende Machtanteile auf Therapeutenseite. Mit Beiträgen von Petra Heisterkamp, Tilman Moser u.v.m. Originalausgabe

Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers

Macht ist eine Dimension zwischenmenschlicher Beziehungen, die unterdrückende und aufbauende Anteile haben kann. So wie unser Sprachgebrauch eine Ambivalenz impliziert, nämlich Macht in der Bedeutung von »dominieren«, »Gewalt androhen« oder als »vermögen« (entsprechend der etymologischen Ableitung; das Gegenteil wäre Ohnmacht, Unvermögen), so können beide Aspekte auch in einer realen Machtbeziehung enthalten sein.

Die Wahrnehmung der Ambivalenz von Macht im Kontext von Psychotherapie, der verantwortliche Umgang mit Macht sowie Aspekte des Machtmissbrauchs in der therapeutischen Beziehung sind Themen dieses Buches. Dazu gehören theoretische Überlegungen (was ist Macht? Formen und Mittel der Machtausübung oder des Machtmissbrauchs etc.) ebenso wie Erfahrungen aus der Praxis.

Die Diskussion um ethische Standards und eine zunehmende Sensibilisierung für übergriffiges und missbräuchliches Verhalten, vor allem in der Relation der Geschlechter zueinander, hat der Reflexion über Macht neue Impulse gegeben. Dies wird auch in einigen Beiträgen dieses Buches deutlich.

Wir haben Vertreter verschiedener Therapieschulen (mit tiefenpsychologischer, systemischer, humanistischer Orientierung) zur Mitarbeit eingeladen, um eine möglichst breit angelegte Erörterung des Themas zu ermöglichen. Die unterschiedlichen Sichtweisen sind Ausdruck der unterschiedlichen Konnotationen des Machtbegriffs, der vielfältigen Bedeutungskontexte und vielleicht auch der unterschiedlichen Meta-Konzepte, die den jeweiligen Therapieverfahren zugrundeliegen.

Die Thematisierung der therapeutischen Beziehung als einer Machtbeziehung lenkt den Blick zum einen auf die asymmetrische Grundlage der psychotherapeutischen Interaktion als sozialer Praxis, zum anderen auf das tiefgründige Zusammenspiel von Übertragungen, Phantasien und Projektionen. Von dieser Perspektive ausgehend, umfasst die Anordnung der nachfolgenden Beiträge ein facettenreiches und teilweise kontroverses Panorama von Machtaspekten. Sie reichen von der Diskussion der »Metapher Macht«, der Repräsentanz politischer Macht in der Therapie, der Macht als Potential über Reflexionen und Forschungen zum Machtmissbrauch bis hin zu schulenspezifischen Ansätzen im Umgang mit Macht.

Unsere Haltung als Herausgeber ist dabei die Betonung des intersubjektiven Charakters von Psychotherapie und die Notwendigkeit der dialogischen Verständigung über den Weg und das Ziel der Therapie, ohne allerdings die Asymmetrie der Interaktion durch die Expertenrolle des Therapeuten oder durch Übertragungsmacht zu negieren, ohne zu vergessen, dass die therapeutische Praxis selbst Regression induziert oder regressive Wünsche aufgreift, die dann den Therapeuten als mächtig positionieren.

Dieses Buch soll zur weiteren Diskussion anregen. Wir schulden den Machtaspekten der therapeutischen Beziehung größere Aufmerksamkeit. Das Thema ist nicht abgeschlossen und auch nicht abschließbar.

Herausgeberin und Herausgeber

Christoph Schmidt-Lellek, Frankfurt/M., geb. 1947, Studium der ev. Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften, Psychotherapeut (DGIK) und Supervisor (DGSv) in freier Praxis sowie freiberuflicher Lektor und Redakteur; Mitherausgeber der Zeitschrift »Organisationsberatung, Supervision, Clinical Management«; Lehrbeauftragter am Fritz Perls Institut, Düsseldorf.

Barbara Heimannsberg, M.A., Frankfurt/M., geb. 1947, Soziologin, Psychotherapeutin (DGIK) und Supervisorin (DGSv) in freier Praxis, langjährige Tätigkeit in Rehabilitationseinrichtungen für Drogenabhängige, Lehrbeauftragte am Fritz Perls Institut, Düsseldorf, und an der Ev. Fachhochschule Darmstadt.