Daniel Paul Schreber
Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken

Cover Kartoniert, XV + 367 Seiten, 1 Abbildung, 1 Faksimile, erweiterte Sonderausgabe zum 100jährigen Jubiläum des 1. Erscheinens, nebst dem 1900 von Schreber verfassten Artikel "Unter welchen Voraussetzungen darf eine für geisteskrank erachtete Person gegen ihren erklärten Willen in einer Heilanstalt festgehalten werden?", mit den Dokumenten zum »Fall« Daniel Paul Schreber und einem Nachwort von Wolfgang Hagen, 15 x 23 cm, ISBN 978-3-931659-50-9. Berlin: Kadmos Verlag 2003. € 22.50 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular
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Nachdruck des Originaltextes (1903) vom Gerichtspräsidenten Schreber, dem berühmtesten ›Geisteskranken‹ der deutschen Psychiatriegeschichte

Original-Verlagsinfo

Der Fall Schreber ist ein Klassiker der Psychoanalyse – zahllos die Schriften, die über ihn verfasst worden sind. Und dennoch: Daniel Paul Schreber (1842-1911) ist ein Fall für sich, denn im Gegensatz zu den Säulenheiligen der Psychoanalyse hat er es sich niemals auf der Couch eines Psychoanalytikers bequem gemacht. Man hat es also nicht mit einer Deutung, sondern mit der Autobiographie eines Wahns zu tun, mit dem seltenen, in dieser minutiösen Form ganz und gar einmaligen Fall, dass ein Paranoiker sein Weltbild aufzeichnet, in seinen eigenen Worten und in einer Sprache, die noch nicht in der Zwangsjacke des Theoretischen steckt. Und so bleibt der Fall Schreber vor allem der Fall des Senatspräsidenten und vormaligen Reichstagskandidaten Daniel Paul Schreber, des Sohnes des Daniel Gottlieb Moritz Schreber (des Schrebergartenschrebers und Verfassers der ärztlichen Zimmergymnastik) – und wie dieser soignierte Herr eines Tages, von einer Nervenkrise heimgesucht, sich in die Obhut des Psychiaters Flechsig begab. Damit begann, von außen betrachtet, eine lange und düstere Anstaltskarriere, die in der Innenwelt des Daniel Paul Schreber sich jedoch zu einem höchst eigenartigen Weltbild verwandelte. Denn Schreber war davon überzeugt, dass all dies eine göttliche Prüfung sei, deren Sinn und Ziel darin bestünde, ihn zu einem Weibe zu machen, zur Miss Schreber, jenem heiligen Medium, das dazu auserkoren sei, mit Gottvater selbst eine neue Menschheit ins Leben zurufen, ›Menschen aus Schreberschem Geiste‹.

Wenn es einen Text gibt, in dem ES spricht, so hier – in diesem Werk, das eigentümlich oszilliert zwischen Wahn und Methode, ja, dessen Doppelgestalt aus kantischer Klarheit und blühendem Irrsinn die Vermutung nahelegt, dass der Wahn nicht das ganz Andere, sondern nur die andere Seite der Methode sein könnte.

Pressestimmen

"... eines der bedeutendsten autobiographischen Zeugnisse in der Geschichte der Psychoanalyse." (Alexander Kluy, Frankfurter Rundschau)

"Die "Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken" sind ein denkwürdiges Buch, eine einzigartige Darstellung einer Psychose, ein literarisches Porträt der Paranoia schlechthin. Lesenswert ist es, weil es deutlich macht, wie schmal der Grat zwischen "normal" und "verrückt" ist." (Lübecker Nachrichten)

"Wäre alles nicht bemerkenswert, hätte sich Schreber in einem Lappen seiner psychotischen Seele nicht die wunderbare Gabe bewahrt, seine Erlebnisse so hellsichtig und poetisch zu besingen, dass einem dieser Irre bald zum lieben Freund wird. Die "Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken" sind ein großes, ein beinahe heiliges Buch der Anfechtungen." (Der Standard)

"Der beliebteste Geistesgestörte des 20. Jahrhunderts ist wieder da, der sonderbarste, verrückteste und lustigste Freak seiner Zeit..." (Berliner Zeitung)