Adelheid Margarete Staufenberg
Zur Psychoanalyse der ADHS – Manual und Katamnese

CoverKartoniert, 317 Seiten, 14,5 x 20,7 cm, ISBN 978-3-86099-696-6. Frankfurt am Main: Brandes & Apsel Verlag 2011. € 29.90 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular
Über die Autorin | Rezension | Liefer- & Zahlungsbedingungen inkl. Widerrufsrecht | home
Fachbuch für Kinderpsychotherapeuten, die Ritalin skeptisch gegenüberstehen: Dissertation über die Schwierigkeiten, Notwendigkeiten und Möglichkeiten analytischer Kinderpsychotherapie in der Behandlung von Kindern mit ADHS-Diagnose. Orginalausgabe

Original-Verlagsinfo

Staufenberg stellt die Schwierigkeiten, Notwendigkeiten und Möglichkeiten analytischer Kinderpsychotherapie in der Behandlung von Kindern mit ADHS-Diagnose vor. Der Schwerpunkt liegt bei den hyperaktiven Kindern mit Problemen der Impulskontrolle, die das analytische Setting mit seinem festen Rahmen von Raum und Zeit besonders herausfordern. Die einzelnen Aspekte werden durch Fallvignetten veranschaulicht. Dem Manual schließt sich eine Fallvorstellung an, die die im Verlauf einer Langzeitbehandlung diskutierten therapeutischen Prozesse sichtbar macht.

Das Buch bietet einen Überblick über die kontroverse Diskussion in den Wissenschaften und der Öffentlichkeit. Die Diagnosesysteme und Medizingeschichte zur ADHS werden dargestellt. Die psychoanalytische Theorie wird herangezogen, um ein psychodynamisches Verständnis der ADHS zu begründen, und wird im Manual wieder aufgegriffen, weitergeführt und ergänzt. Das Mentalisierungskonzept nimmt insofern eine besondere Stellung ein, als es für die Behandlungstechnik angewendet wird.

In der Katamnesestudie wird eine aufwendige Datenauswertung von Ambulanzunterlagen vorgestellt, mit der retrospektiv ADHS-Fälle identifiziert wurden. Der Leser erhält einen Einblick in die individuellen Behandlungsverläufe der unterschiedlichen Behandlungsmethoden, die im Anschluss an die Erstgespräche gewählt wurden.

Über die Autorin

Adelheid Margarete Staufenberg, Studium der Germanistik, Politik und Soziologie. Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin (VAKJP) in eigener Praxis in Frankfurt a. M. Dozentin am Institut für analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie e. V. Hessen. Mitarbeit am Sigmund-Freud-Institut (SFI) in mehreren Projekten zu psychosozial auffälligen Kindern.

Rezension

Dieses Fachbuch, eine Dissertation am Fachbereich I Humanwissenschaften der Uni Kassel bei den Gutachtern Marianne Leuzinger-Bohleber und Rolf Haubl, richtet sich an Kinderpsychotherapeuten, die Ritalin einigermaßen skeptisch gegenüberstehen, und beleuchtet die Schwierigkeiten, Notwendigkeiten und Möglichkeiten analytischer Kinderpsychotherapie in der Tradition der Freudschen Psychoanalyse bei der Behandlung von Kindern mit ADHS-Diagnose. Die Autorin geht ausgesprochen differenziert auf die Problematik der ADHS-Diagnose ein, diskutiert sowohl die Frage des kulturellen Hintergrunds wie auch das Spezifikum des gemutmaßten Krankheitswerts. Anschließend beschäftigt sie sich, illustriert anhand von Fallvignietten, mit psychoanalytischen Konzepten der ADHS-Problematik und kommt über das Manual der psychoanalytisch-psychotherapeutischen Behandlung von Kindern zu einem speziellen Fall, einem Jungen namens Alex, der im Verlauf von drei Jahren 210 Stunden Psychotherapie genoss und dessen motorischen Probleme nun beispielhaft psychoanalytisch gedeutet werden. Es geht unter anderem um die "ins Leere laufende Suche nach dem Vater und nach der Männlichkeit", die durch ein Übermaß an Bewegung kompensatorisch selbst befriedigt werde. Über die Treffsicherheit solcher Deutungen kann man sich wohl streiten, unzweifelhaft ist aber sicher die Tatsache, dass 210 Therapiestunden Zuwendung von Seiten einer engagierten Therapeutin über drei Jahre zweifelsohne bessere Ergebnis bringt als drei Jahre Verabreichung von Ritalin. Die abschließende Katamnesestudie weist die Wirksamkeit analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie bei ADHS nach und schließt einen Vergleich mit verhaltenstherapeutisch und ritalinbehandelter Kinder ein, um zum Schluss zu kommen, dass eine psychoanalytisch-psychotherapeutischen Behandlung von Kindern mit der Diagnose ADHS durchaus indiziert sein kann. Wie eingangs gesagt, es ist ein Fachbuch für Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Die Handvoll fremdsprachige Zitate sind nicht übersetzt, Englischkenntnisse werden offenbar vorausgesetzt. Jenseits dieses kleinen Mankos enthält das Buch eine wertvolle Fülle sorgfältig ausgearbeiteten Materials, um sich für die Diskussion mit Mainstreamtherapeuten, Kinderärzten und Kinderpsychiatern zu wappnen, wenn es um die Diskussion gehen sollte, ob ADHS-Kindern und Jugendlichen tendenziell eher Ritalin oder eher therapeutische Zuwendung verabreicht werden oder im Lauf der Therapie vielleicht bereits verordnetes Ritalin wieder abgesetzt werden soll. (Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten)