Vera Stein
Trotzdem. Behindert ist man nicht – behindert wird man. Aufrüttelnder Erfahrungsbericht einer beharrlichen Kämpferin

Cover Kartoniert, 215 Seiten, 14,8 x 21 cm, ISBN 978-3-89841-237-7. Oldenburg: Schardt Verlag 2006. € 12.80 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb
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In ihrem inzwischen vierten Buch erzählt die Autorin von ihrem Leben mit Behinderung, mit welchen Widrigkeiten und Vorurteilen sie konfrontiert wird durch Ärzte und Behörden, Vermieter und Nachbarn und wie es ihr trotzdem gelingt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und neue Freundschaften zu schließen. Originalausgabe

Original-Verlagsinfo

Die Lebensgeschichte von Vera Stein ist geprägt vom unermüdlichen Kampf gegen das erlittene Unrecht und getragen vom Glauben an die Würde jedes einzelnen. Die Autorin, geboren 1958, musste Schlimmes erdulden. Mit 15 kam sie infolge einer Fehldiagnose in die Psychiatrie und wurde jahrelang in Anstalten eingesperrt. Als Vera (Stein) schließlich der Tortur falscher Behandlungen entronnen war und sich unter Mühen eine neue Existenz aufgebaut hatte, musste sie mit den Spätfolgen einer Kinderlähmung kämpfen. Ein Leben voller Rückschläge, doch mit dem ungebrochenen Willen, niemals aufzugeben.

Vera Stein ist eine mutige Frau, die vor vermeintlichen Autoritäten nicht zurückschreckt, sondern sich ihr Recht auf Menschenwürde erstreitet. Durch alle Instanzen musste sie sich klagen, bis der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sie im Jahre 2005 rehabilitierte.

In ihrem inzwischen vierten Buch erzählt sie von ihrem Leben mit Behinderung. Sie schildert, mit welchen Widrigkeiten und Vorurteilen sie konfrontiert wird, durch Ärzte und Behörden, Vermieter und Nachbarn, und wie es ihr trotzdem gelingt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und neue Freundschaften zu schließen. Es ist ein Buch, das nachdenklich macht. Ungeschönt stellt es Missstände dar, zeigt aber auch, wie eine starke Frau sie bewältigt. Ein Buch, das Mut macht.

"Mein Fall zeigt, wie es Menschen ergehen kann, denen das Wertvollste, nämlich ihre Gesundheit, genommen worden ist, gegen welche zusätzlichen Belastungen sie sich zur Wehr setzen müssen, um trotz ihrer Schädigung ein einigermaßen menschenwürdiges Leben führen zu können." (Vera Stein)

Inhalt

  • Vorwort ..... 7

  • Sonnenfinsternis ..... 9

  • Nach der Reha-Klinik ..... 13

  • Ein neuer Abschnitt ..... 16

  • Die Wohnung bei Sauermanns ..... 19

  • Am Arbeitsplatz ..... 30

  • Barrieren beim Gutachter ..... 32

  • Das Landleben früher und heute ..... 38

  • Sauermanns Ausflüge ..... 47

  • Arbeitskollege Martin ..... 55

  • Durchhalten mit aller Kraft ..... 62

  • Der Strafzettel ..... 64

  • Austausch mit Gleichgesinnten ..... 72

  • Das Leben im Rollstuhl ..... 76

  • Zusätzliche Hindernisse bewältigen ..... 80

  • Die geliehene Haushälterin ..... 85

  • Der Zwang der Zwecke ..... 93

  • Das Ehepaar Krug ..... 104

  • Da müssen wir etwas ändern ..... 107

  • Sich wehren ist wichtig ..... 110

  • Neue Wege ..... 116

  • Die nackte Wahrheit ..... 122

  • Der Auszug ..... 131

  • Im Hochhaus ..... 135

  • Die schwierigen Alltagsverrichtungen ..... 138

  • Das Behindertenzentrum ..... 140

  • Gefangen im dritten Stock ..... 143

  • Die sozialen Dienste und unsere Gesellschaft ..... 150

  • Behindert sein und Familie ..... 155

  • Der MDK und die Pflegeversicherung ..... 157

  • Spaziergang mit dem Zivi ..... 160

  • Unverständnis ..... 166

  • Die schwierige Wohnungssuche ..... 168

  • Neue Versuche trotz Hindernissen ..... 178

  • Es gibt immer einen Weg ..... 183

  • Die neue Umgebung ..... 190

  • Das Anderssein ..... 192

  • Unzulänglichkeiten im Gesetz ..... 194

  • Hoffnungen beim Sozialgericht ..... 200

  • Dankbare Begegnungen ..... 204

  • Nachwort ..... 213

Vorwort

2003 war das Europäische Jahr der Behinderten. Zwar haben Behinderte die gleichen Pflichten, aber immer noch nicht die gleichen Rechte. Sie werden in vielen Bereichen benachteiligt, isoliert und diskriminiert, müssen mit allerhand zusätzlichen Schwierigkeiten fertigwerden und gegen Missstände ankämpfen, die vermeidbar wären, würde mehr für- und miteinander gedacht. Dabei gibt es immer mehr Menschen, die dank der fortschrittlichen High-Tech-Medizin nach Krankheiten oder Unfällen ganz oder teilweise wiederhergestellt überleben. Oftmals bleiben sie trotzdem auf Hilfe, Pflege und Betreuung angewiesen und davon abhängig. Außerdem steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung, und auch dadurch nehmen die körperlichen Gebrechen und Demenzerkrankungen zu. Im Jahr 2030 wird jeder dritte Bundesbürger über 60 Jahre alt sein.

Die meisten gesunden Leute wollen mit den Schattenseiten des Lebens nichts zu tun haben und nichts davon hören, obwohl sie sich insgeheim davor fürchten. Sie verdrängen lieber, tabuisieren und denken selten daran, dass sie eines Tages ganz unverhofft selbst in diese Lage kommen können. Und sie beachten nicht, dass schon ein einziger der unzähligen Handgriffe, die sie tagtäglich in Sekundenschnelle routinemäßig erledigen, für Menschen mit eingeschränkten Gliedmaßen eine große, unvorstellbare Last sein können. Manchmal werden sie durch Angehörige, Freunde, Nachbarn oder Bekannte damit konfrontiert. Erst dann wird vielen bewusst, dass gesundheitliche Einschränkungen, aber auch menschliche Bedürfnisse in unserer Zeit, die auf Leistung, Vollkommenheit, Stress und Hektik ausgerichtet ist, wenig Platz finden, eher störend und lästig sind. Spätestens, wenn sie selber alt und vielleicht ganz auf sich allein gestellt sind, werden sie dies deutlich erfahren. Je intensiver sie sich vorher mit diesen Themen, den Umständen und Gegebenheiten befasst und auseinandergesetzt haben, desto natürlicher, sicherer und unbeschwerter werden sie damit umgehen können und es viel leichter verkraften. Nur wer die Mängel in diesen Bereichen kennt, kann, auch im eigenen Interesse, zu Verbesserungen beitragen. Das fängt schon bei der Integration an: Integration heißt Akzeptanz der Menschen als Gleiche in ihrer Andersartigkeit. Statt den Wert jedes einzelnen nur an seinem materiellen Beitrag für unsere Wohlstandsgesellschaft zu messen, sollte es die Integration von gehandikapten Menschen in allen Bereichen der Gesellschaft geben. Sie sollten nicht in Einrichtungen isoliert werden. Behinderte sollten möglichst von klein auf, auch in Kindergärten und Schulen, gemeinsam mit Nichtbehinderten aufwachsen, denn wieviel kann doch jeder von dem anderen lernen. Ihre Persönlichkeit und nicht ihre Behinderung sollte im Mittelpunkt stehen und dabei die lebendigen Anteile, die in jedem einzelnen stecken, gefördert werden. Durch die Selbstverständlichkeit im gemeinsamen Umgang verlieren sich nicht allein Unsicherheiten, Befremdung und Vorurteile, sondern es wird auch das soziale Engagement verbessert. Ein wichtiger Beitrag zur Gleichberechtigung ist das barrierefreie Bauen, damit jeder die gleichen Möglichkeiten bekommt, unbeschwert Orte zu erreichen und sich dort frei bewegen zu können.

Behinderung, Altern und Krankheit sollten als Teil des Lebens angenommen werden, als ein weiterer Abschnitt oder auch eine Chance zum Neubeginn, die das Dasein auf andere Art bereichern und dem man durchaus auch positive Seiten abgewinnen kann. Die Genbehandlung kann und darf nicht als Lösung dienen. Denn das Aussondern nach dem Prinzip fehlerfreier Makellosigkeit, das den natürlichen Prozess vollständig kontrollieren und beherrschen will, wird verheerende Konsequenzen haben. Es wird die Menschheit immer weiter überfordern, sie in den Ruin treiben und irgendwann im wissenschaftlichen Wahnsinn enden. Leben ohne Makel ist kein Leben, und die Natur wird sich ihre Natürlichkeit immer zurückholen. Anstatt nach Perfektion zu streben, sollte der Weg heißen: Respekt und Akzeptanz für andere. Es gilt, den gemeinsamen Weg zu suchen, einander mit mehr Toleranz zwischen Alten und Jungen, Kranken und Gesunden, Behinderten und Nichtbehinderten zu begegnen, ohne Vorbehalte aufeinander zuzugehen, um füreinander und miteinander leben zu können.

Über die Autorin

Vera Stein wurde 1958 geboren. Im Alter von drei Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung. Mit fünfzehn Jahren kam sie erstmals in die Psychiatrie. Sie wehrte sich gegen Zwang und Gewalt, doch die Rechtmäßigkeit wurde nie überprüft. Eine Mitpatientin nahm sie schließlich in ihre Familie auf. Trotz dem Stigma "geisteskrank", kämpfte Vera Stein für ein selbständiges Leben und absolvierte eine Ausbildung zur Technischen Zeichnerin. Den anhaltenden Gesundheitseinschränkungen folgten weitere Fehlbehandlungen. Dann stellten Gutachter fest, dass Vera Stein nie an einer Psychose gelitten hatte. Sie erfuhr nun endlich die Wahrheit und auch den Grund für ihr Leiden.

Weitere Bücher von Vera Stein im Antipsychiatrieversand: Abwesenheitswelten / Diagnose "unzurechnungsfähig" / Mit dem Rücken zur Wand. Ein Ratgeber – So setze ich mein Recht im Arzthaftungsprozess durch!