Thomas Szasz
Geisteskrankheit – ein moderner Mythos. Grundlagen einer Theorie des persönlichen Verhaltens

CoverKartoniert, 331 Seiten, 13,5 x 21,5 cm, ISBN 978-3-89670-835-9. Heidelberg: Carl Auer Verlag 2013. € 44.– / Preis in sFr / lieferbar innerhalb von 3 Tagen In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular

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Grundsatzkritik an der moralischen und wissenschaftlichen Grundlage der Psychiatrie. Neuausgabe. Amerikanische Originalausgabe 1960, deutsche Erstveröffentlichung 1972

Original-Verlagsinfo

"Zwischen medizinischer Behandlung einer Krankheit und psychiatrischer Feststellung einer Geisteskrankheit ist der Unterschied der gleiche wie zwischen einer Wirklichkeit und einer Metapher." (Thomas Szasz)

Vor 50 Jahren sorgte Thomas Szasz mit seinem Buch The Myth of Mental Illness für Aufruhr. Es stellte das komplette Selbstverständnis der Psychiatrie als humanmedizinische Wissenschaft infrage. Ob jemand psychisch normal oder verrückt sei, sei eine willkürliche Definition, so Szasz. Anders als bei somatischen Erkrankungen finden sich für einen Großteil der psychiatrischen Krankheiten nämlich keine eindeutigen Ursachen. Heute, in Zeiten der Hirnscanner, die bunte Bildchen zeigen, deren Suggestivkraft hoch, deren Erklärungswert dagegen gering ist, feiert der Mythos der Geisteskrankheit erneut Triumphe. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung wird die Lektüre von Szaszs revolutionärem Buch zum Aha-Erlebnis. Seine Positionen decken sich auf interessante Weise mit Überlegungen aus der Systemtheorie, denn systemisch gesehen können biologische Faktoren nie das Verhalten eines menschlichen Individuums erklären. Die vorliegende Neuausgabe wurde vom Autor ergänzt, aktualisiert und in vielen Formulierungen geschärft. Für die deutsche Ausgabe wurde der Text vollständig neu übersetzt.

Szasz' Thesen provozierten Anfang der 1960er Jahre weltweit lebhafte Diskussionen. Die erweiterte deutsche Neuauflage seines revolutionären Werkes hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt.

Über den Autor

Thomas Szasz (1920-2012), Ph. D., Studium der Physik und Medizin, Promotion. Ausbildung als Psychoanalytiker am Chicago Institute for Psychoanalysis. Ab 1951 Lehranalytiker am Institut, 1956-1990 Professor für Psychiatrie an der State University of New York. Szasz war Fellow der American Psychiatric Association und lebenslanges Mitglied der American Psychoanalytic Association. Er zählte zu den wichtigsten Kritikern der offiziellen Psychoanalyse und Psychiatrie. Wichtige Publikationen: "Geisteskrankheit – ein moderner Mythos" (1961; dt. 1972), "Die Fabrikation des Wahnsinns" (dt. 1974), "Der Mythos der Psychotherapie" (dt. 1979), "Schizophrenie – das heilige Symbol der Psychiatrie" (dt. 1979) und "Theologie der Medizin" (dt. 1980). Auszeichnungen: "Humanist Of The Year" (1973, American Humanist Ass.). Mehr über Thomas Szasz (in englischer Sprache)

Pressestimme

Der Carl-Auer-Verlag hat die 1960 im amerikanischen Original erschienene Grundsatzkritik "The Myth of Mental Illness" des Psychiaters Thomas Szasz (1920-2012) an der moralischen und wissenschaftlichen Grundlage der Psychiatrie in neuer Übersetzung wiederaufgelegt. Szasz wendet sich in überzeugender Weise gegen den Glauben seiner Kollegen, dass das, was sie psychische Krankheiten nennen, diagnostizierbare gesundheitliche Störungen des Gehirns seien. Dass diese Behauptung auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiere, sei eine bloße Lüge, ein Irrtum oder ein naiver Rückgriff auf die somatische Prämisse der längst diskreditierten Theorie der Körpersäfte. Wegen einer nicht existierenden Krankheit nehme man vielen Menschen Freiheit und Eigenverantwortung, was eine schwere Verletzung grundlegender Menschenrechte sei. "Geisteskrankheiten" seien nicht medizinisch einzuordnen, sondern als begründete Verhaltensweisen in einem konkreten sozialen System anzusehen, somit höchstens moralische Probleme. Der Neuausgabe seines Buches hat Thomas Szasz ein Vorwort "Fünfzig Jahre nach The Myth of Mental Illness" vorangestellt, in dem er sich der Rezeption seines Buches widmet und in einem Unterkapitel einmal mehr dagegen verwehrt, als Antipsychiater bezeichnet zu werden. Dies ärgert ihn, er fühlt sich diffamiert, denn seine Sichtweise entspringe dem gesundem Menschenverstand, Antipsychiatrie dagegen sei nur eine neue Spielart der Psychiatrie mit neuen Zwangsmitteln. Antipsychiater seien dieselben Betrüger wie Psychiater, und ihm sei kein Antipsychiater bekannt, der das Prinzip, niemals Gewalt anzuwenden, beherzigen würde. Dass sich "die Antipsychiatrie" seit den 1960er Jahren von einer eher akademisch orientierten Disziplin zu einer neuen, im wesentlichen von Psychiatriebetroffenen getragenen Bewegung entwickelte, in deren Mittelpunkt die Forderung nach nutzergetragenen bzw. nutzerkontrollierten Alternativen zur Psychiatrie steht und nach Verzicht auf toxische Substanzen, dass es weltweit noch mehr psychiatriekritische Psychiater gibt als die beiden von ihm erwähnten (und verachteten) David Cooper und Ronald Laing, ist Thomas Szasz leider entgangen – kein Wunder, hat er sich die letzten Jahrzehnte weniger in nichtpsychiatrischen Alternativprojekten engagiert als vielmehr in seiner Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte, einer Untergruppe der Scientologen-Sekte. Aber trotz seiner obskuren Freunde, trotz seiner typisch amerikanischen Nabelschau und trotz seiner nicht minder typisch akademischen Ignoranz gegenüber nutzergetragenen bzw. nutzerkontrollierten nichtpsychiatrischen Alternativen bleibt die Bedeutung seines Buches als zeitgeschichtliches Dokument erhalten. Das Buch ist – gerade auch angesichts der sich zunehmend ausbreitenden Neuromythologie – nach wie vor lesenswert, und daran ändert auch der exorbitante Preis nichts. (Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten)