Jörg Utschakowski
Mit Peers arbeiten – Leitfaden für die Beschäftigung von Experten aus Erfahrung

CoverKartoniert, 88 Seiten, 16,5 x 24 cm, ISBN 978-3-88414-625-5. Köln: Psychiatrie Verlag 2015. € 19.95 / Preis in sFr / sofort lieferbar oder Bestellung mit Formular
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Arbeitshilfe für die Anleitung und Integration von EX-INlern: organisatorische Rahmenbedingungen klären, Aufgaben- und Arbeitsprofilen der Peers erstellen, Integrationsplan erarbeiten. Mit Downloadmaterial. Originalausgabe

Original-Verlagsinfo

Das Einstellen von psychiatrieerfahrenen Mitarbeitern und die Nutzung ihres individuellen Erfahrungswissens für den Genesungsprozess von psychiatrische Erkrankten hat den Trialog von Betroffenen, Angehörigen und professionell Tätigen um den Faktor "Peer Support" erweitert. Die institutionelle Verankerung von EX-IN Genesungsbegleitern (vom engl. "Experience Involvement"), ihre Einstellung in psychiatrischen Einrichtungen und die erfolgreiche und gewinnbringende Einbindung der Peers in die professionellen Teams ist trotz vieler Pilotprojekte immer noch kein Routineprozess.

Für Führungskräfte und Mitarbeitende, die das Wissen der "Experten aus Erfahrung" nutzen möchten, stellt dieses Handbuch erstmalig konkrete Arbeitshilfen zusammen:

  • Klärung von Rahmenbedingungen
  • Erstellung von Aufgaben- und Arbeitsprofilen der Peers
  • Erarbeitung eines Integrationsplans
  • Aspekte aus dem Changemanagement
  • Praktische Informationen und Beispiele
  • nützliche Links.

Dieser hochaktuelle Handwerkskoffer trägt in einzigartiger Weise zu einer besseren Bedarfs- und Nutzungsorientierung im psychiatrischen Dienstleistungssystem bei.

Über den Autor

Jörg Utschakowski Diplom-Sozialarbeiter/-pädagoge ist Lehrbeauftragter an der Hochschule Bremen. Koordiniert Peer-Projekte wie Ex-In.

Weitere Bücher von Jörg Utschakowski und mit Beiträgen von ihm im Antipsychiatrieversand: Selbstbefähigung fördern – Empowerment in der psychiatrischen Arbeit · EX-IN Kulturlandschaften – 12 Gespräche zur Frage: Wie gelingt Inklusion? · Vom Erfahrenen zum Experten – Wie Peers die Psychiatrie verändern

Rezension

Jörg Utschakowski, diplomierter Sozialarbeiter, Psychiatriereferent in Bremen und Initiator des EU-Projekts EX-IN, hat eine an psychiatrische Organisationen gerichtete Arbeitshilfe für die Anleitung und Integration von EX-INlern verfasst. Sie hilft, organisatorische Rahmenbedingungen zu klären, Aufgaben- und Arbeitsprofile der Peers zu erstellen und Integrationspläne zu erarbeiten. Weitere Themen sind die Kooperation von Genesungsbegleitern mit anderen psychiatrisch Tätigen, Fortbildungen, Gremienarbeit, Praktika, Gehalt, Personalbedarf, Förderung der Dialogkultur, Mentoren und Peersupervision. Der Autor spricht das Problem der Finanzierung der Ausbildung an und das Problem von blinden Flecken, die bleiben, wenn der eigene Erfahrungsschatz (bei EX-INlern) Grenzen aufweist und Unverstandenes zurücklässt. Der Leitfaden soll helfen, Recovery und Empowerment in der Alltagspraxis zu festen Bestandteilen werden zu lassen. Wie das gehen soll, wenn die Bereiche "strukturelle Verweigerung einer Aufklärung über Behandlungsrisiken und -alternativen", "Erholung von psychiatrischer Behandlung", "Menschenrechtsverletzungen in der Psychiatrie", "Machtgefälle in der Psychiatrie", "Psychiatrie als Ordnungsmacht", "Schäden durch Elektroschocks", "vorenthaltene Therapie behandlungsbedingter Traumata" und "vorenthaltene Hilfen beim selbstbestimmten Absetzen von Psychopharmaka" komplett ausgeklammert bleiben, bleibt dem Leser allerdings verborgen. Dass ausgerechnet EX-INler die großen Probleme der strukturellen Menschenrechtsverletzungen sollen, kann natürlich kein Mensch erwarten. Doch wäre es nicht eine Fürsorgepflicht in der Ausbildung und im Beschäftigungsleitfaden, die genannten Themen als ungelöste Probleme für die Arbeitspraxis zu benennen? So dass die EX-INler, wenn sie sich erwartungsvoll in die Praxis begeben, wissen, welchen Grenzen ihrem Engagement gesetzt sind, und sie nicht bei jedem Konflikt vor die Wand rennen? Aber wer würde sie mit einem kritischen Praxiswissen überhaupt noch einstellen? Also werden im Leitfaden und in der Ausbildung beschränkte Wege erkundet und der begrenzte Entscheidungshorizont im sozialpsychiatrischen Sinn erweitert, damit die Klienten und Klientinnen der EX-INler selbstbestimmte Entscheidungen treffen können. Ein Kerngedanke von EX-IN sei, "... dass wir alle im Grunde wissen, was hilfreich ist." Diese Aussage verwundert: Wer definiert, was nach allgemeinem Wissen hilfreich ist? Gar hilfreich für alle? Sind wir nicht alle verschieden - so selbst eine gängige sozialpsychiatrische Losung -, haben also unterschiedliche Bedürfnisse? Ist es nicht bekannt, dass das, was der eine für sich als hilfreich definiert, vom anderen als Qual empfunden werden kann? Sind blinde Flecken vielleicht nicht nur bei den Ausgebildeten vorhanden? Genesungsbegleiter hätten das Potenzial, so der Ausblick des Autors, die Psychiatrie zu bereichern und sie hilfreicher für die Betroffenen zu machen und mehr Respekt und Würde in die Psychiatrie einziehen zu lassen. Sein Optimismus ist lobenswert. Die Praxis wird zeigen, ob und wann Respekt und Würde mit dem Einzug in die Psychiatrie beginnen. (Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten)