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Peter Lehmann

Schöne neue Psychiatrie. Band 1: Wie Chemie und Strom auf Geist und Psyche wirken (E-Book)
 
Cover  


Mit dem Artikel "Elektroschock" von Leonard Roy Frank. Berlin / Shrewsbury: Antipsychiatrieverlag, bearbeitete E-Book-Ausgabe 2017 (auf Grundlage der Originalausgabe von 1996)

  • PDF E-Book, 390 Seiten im A4-Format, 1.6 MB, ISBN 978-3-925931-72-7. € 19.99 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb
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Verlagsinfo

Ein Buch, das die Gefahren aller Psychopharmaka auf dem deutschsprachigen Markt (bis 1996) sowie des wieder verstärkt praktizierten Elektroschocks schonungslos und leicht verstehbar offenlegt. Im Mittelpunkt stehen die vielfältigen Risiken und Schäden im zentralen Nervensystem, auf der psychischen Ebene und im Bereich der geistigen Fähigkeiten.

In einem eigenen Kapitel stellt Leonard Roy Frank, der US-amerikanische Experte für Elektroschockschäden, die negativen Wirkungen (insbesondere Gedächtnisverlust) dieser umstrittenen Methode dar.

Originalausgabe 1996. Mit umfangreichem Schlagwortverzeichnis und 1106 Quellenangaben

Vorwort zur Neuausgabe als E-Book (2017)

Seit der Originalausgabe des Buches 1996 hat sich einiges geändert. Manche Psychopharmaka sind vom Markt genommen worden, neue kamen hinzu. Der Elektroschock wird zunehmend verabreicht. Nicht geändert hat sich der Anstieg der Verordnungszahlen von Antidepressiva und Neuroleptika, insbesondere der neuen, patentgeschützten, gewinnbringenden und deshalb massiv beworbenen Substanzen. Einige dieser Antidepressiva und Neuroleptika wurden schon 1996 oder zuvor eingeführt, sind also in diesem Buch enthalten. Bei den Neuroleptika sind dies Amisulprid, Clozapin, Risperidon und Sulpirid, bei den Antidepressiva Citalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Mirtazapin, Paroxetin, Sertralin und Venlafaxin.

Nach 1996 auf den Markt gekommene bzw. als neu geltende Substanzen finden Sie in dem Buch »Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika – Risiken, Placebo-Wirkungen, Niedrigdosierung und Alternativen« von Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer und Josef Zehentbauer. Es enthält zudem einen ausführlichen Exkurs zur Wiederkehr des Elektroschocks mit Informationen zu seinen modernen Varianten, den ausgeweiteten Indikationen, den von den Anwendern aktuell eingestandenen Schäden, den besonderen Risiken bei seiner Anwendung in der Schwangerschaft und den Appell der Anwender (die als Sprachrohr der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde – DGPPN) fungieren, gegen Patientenverfügungen zu verstoßen und mit rasch und massiv verabreichten Elektroschocks vollendete Tatsachen zu schaffen.

Geändert hat sich auch die Rechtslage zumindest in Deutschland. Gemäß BGB § 1901a (Patientenverfügungsgesetz) können auch Menschen mit psychiatrischen Diagnosen einigermaßen rechtswirksam verfügen, wie sie zukünftig behandelt oder nicht behandelt werden wollen. Es ist ratsamer denn je, eine Psychosoziale Patientenverfügung zu verfassen (Lehmann, 2015).

Mittlerweile sind die Ausführungen in »Schöne neue Psychiatrie« zur verminderten Lebenserwartung psychiatrischer Patientinnen und Patienten vielfältig bestätigt worden. Fachintern diskutieren Psychiater, die ihre Augen nicht komplett vor der Wirklichkeit verschließen, in Deutschland (siehe Hoffmann, 2007; Aderhold, 2007) und international über die Ursachen der ca. zwei bis drei Jahrzehnte verminderten Lebenserwartung. 2006 wies beispielsweise Joe Parks, Vorsitzender des Beirats der Ärztlichen Leiter der US-amerikanischen National Association of State Mental Health Program Directors, auf die große Zahl früh sterbender Patientinnen und Patienten »mit schwerer psychischer Erkrankung« hin. Der Psychiater warnte:

»Es ist seit Jahren bekannt, dass Menschen mit schwerer psychischer Erkrankung früher sterben als die Durchschnittsbevölkerung. Allerdings zeigen jüngste Ergebnisse, dass sich die Rate für Anfälligkeiten (Krankheit) und Sterblichkeit (Tod) in diesem Personenkreis beschleunigt hat. Tatsächlich sterben Menschen mit schwerer psychischer Erkrankung nunmehr 25 Jahre früher als die Durchschnittsbevölkerung.« (Parks, 2006)

Gemeinsam mit Kollegen wies Parks auf den Zusammenhang des frühen Todes mit den Neuroleptika der neuen Generation hin:

»Allerdings sind mit zunehmender Zeit und Erfahrung die antipsychotischen Medikamente der zweiten Generation stärker mit Gewichtszunahme, Diabetes, Dyslipidemie (Fettstoffwechselstörung), Insulinresistenz und dem metabolischen Syndrom (Komplex aus Übergewicht, Störungen des Fettstoffwechsels, Bluthochdruck und Insulinresistenz) in Verbindung gebracht worden, die Überlegenheit des klinischen Ansprechverhaltens (außer für Clozapin) wurde bezweifelt. Andere psychotrope Medikationen, die ebenfalls mit Gewichtszunahme verbunden sind, können ebenso Anlass zur Sorge geben.« (Parks et al., 2006, S. 6)

Die steigenden Verordnungszahlen zeugen nicht gerade von großer Sorge unter Psychiatern. Dies überrascht wenig, hatte doch Emil Kraepelin, einer der Väter der modernen Psychiatrie und heutzutage noch von seinen Nachfolgern international hochgeachtet (siehe Lehmann, 2017), schon vor über 100 Jahren sein Missfallen darüber ausgedrückt, dass psychiatrische Patientinnen und Patienten nicht rasch genug sterben:

»Der Wahnsinnige ist gefährlich und wird es bis zu seinem Tode bleiben, der leider nur selten rasch eintritt!« (Kraepelin, 1916, S. 3)

Quellen

  • Aderhold, Volkmar (2007): »Mortalität durch Neuroleptika«, in: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener, Nr. 3, S. 11-15
  • Hoffmann, Michaela (für die Redaktion) (2007) : »Liebe Leserinnen und Leser«, in: Soziale Psychiatrie, 31. Jg., Nr. 4, S. 2; im Internet unter www.antipsychiatrieverlag.de/artikel/gesundheit/pdf/sp-editorial-2007-4.pdf
  • Kraepelin, Emil (1916): »Einführung in die psychiatrische Klinik«, Leipzig: Barth Verlag, 3. Aufl.
  • Lehmann, Peter (18.12.2015): »PsychPaV – Psychosoziale Patientenverfügung. Eine Vorausverfügung gemäß StGB § 223 und BGB § 1901a«; Internet-Ressource www.antipsychiatrieverlag.de/info/pt/psychpav.htm
  • Lehmann, Peter (2017): »Sterben unter psychiatrischer Behandlung – Gedanken zur ›Euthanasie‹ über den gestrigen Tag hinaus«, in: Kontaktgespräch Psychiatrie (Aktion Psychisch Kranke, AWO Bundesverband, BAG GPV, Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker, Bundesverband evangelischer Behindertenhilfe, Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener, Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie, Dachverband Gemeindepsychiatrie, Diakonisches Werk EKD, Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie, Paritätischer Gesamtverband) gemeinsam mit IRRTUM (Hg.): »Gegen das Vergessen – Mit der Geschichte lernen«, Bremen: Irrturm (Arbeitsbereich der Initiative zur sozialen Rehabilitation), S. 148-155
  • Parks, Joe (Oktober 2006): Foreword, in: Joe Parks, Dale Svendsen, Patricia Singer & Mary Ellen Foti (Hg.): »Morbidity and mortality in people with serious mental illness«, Alexandria: National Association of State Mental Health Program Directors, Medical Directors Council, S. 4, Online-Publikation www.nasmhpd.org/sites/default/files/Mortality%20and%20Morbidity%20Final%20Report%208.18.08.pdf
  • Parks, Joe / Svendsen, Dale / Singer, Patricia / Foti, Mary Ellen (Hg.) (Oktober 2006): »Morbidity and mortality in people with serious mental illness«, Alexandria: National Association of State Mental Health Program Directors, Medical Directors Council), Online-Publikation www.nasmhpd.org/sites/default/files/Mortality%20and%20Morbidity%20Final%20Report%208.18.08.pdf

Themenschwerpunkte

  • Emotionale Verarmung
  • Persönlichkeitsveränderung
  • Depression, Verzweiflung und Selbsttötung
  • Verwirrtheit und Delir
  • Psychotische Zustände
  • Selbstversuche von Medizinern
  • Psychopharmakaversuche an Tieren
  • Störungen der Sinnesorgane
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
  • Schlaf- und Traumstörungen
  • Gedächtnisverlust durch Elektroschocks
Über den Autor
Foto von Peter Lehmann Peter Lehmann ist Autor von Der Chemische Knebel – Warum Psychiater Neuroleptika verabreichen (1996; 6. Aufl. 2010), Herausgeber von Psychopharmaka absetzen – Erfolgreiches Absetzen von Neuroleptika, Antidepressiva, Phasenprophylaktika, Ritalin und Tranquilizern (1998, 4. Aufl. sowie E-Book 2013), Mitherausgeber von Statt Psychiatrie (1993, gemeinsam mit Kerstin Kempker), und Statt Psychiatrie 2 (2007, E-Book 2014, gemeinsam mit Peter Stastny) sowie Mitautor von Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika – Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierung und Alternativen. Mit einem Exkurs zur Wiederkehr des Elektroschocks (gemeinsam mit Volkmar Aderhold, Marc Rufer und Josef Zehentbauer (2017). 2010 Verleihung der Ehrendoktorwürde in Anerkennung des »außerordentlichen wissenschaftlichen und humanitären Beitrags für die Durchsetzung der Rechte Psychiatriebetroffener« durch die Aristoteles-Universität Thessaloniki. 2011 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Mehr über Peter Lehmann
Leonard Roy Frank

Foto von Leonard FrankJahrgang 1932. Lebte seit 1959 in San Francisco. 1962 wurde er in der Psychiatrie zwangsuntergebracht. In der Folge wurden ihm 35 Elektroschocks verabreicht, gewaltsam und in Kombination mit 50 Insulinschocks. 1972 stieß er zur Befreiungsbewegung von Psychiatrie-Überlebenden und schloss sich dem Team der antipsychiatrischen Zeitschrift ›Madness Network News‹ an. Zwei Jahre später gründete er gemeinsam mit Gleichgesinnten das Network Against Psychiatric Assault (Netzwerk gegen psychiatrische Bedrohung). Leonard Frank starb am 15. Januar 2015. Mehr über Leonard Roy Frank