Eine Informationsseite des Peter Lehmann Antipsychiatrieverlags
   Liefer- & Zahlungsbedingungen inkl. Widerrufsrecht
  Peter Lehmann
Schöne neue Psychiatrie. Band 2: Wie Psychopharmaka den Körper verändern (E-Book)
 
Cover  

Berlin / Shrewsbury: Antipsychiatrieverlag, bearbeitete E-Book-Ausgabe 2017 (auf Grundlage der Originalausgabe von 1996)

  • PDF E-Book, 573 Seiten im A4-Format, 2.2 MB, ISBN 978-3-925931-75-8. € 21.99 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb
PDF E-Books können Sie mit dem Gratisprogramm Adobe Acrobat Reader lesen: Acrobat-Reader-Download
  • ePUB E-Book, ISBN 978-3-925931-77-2. € 21.99 / Preis in sFr / lieferbar ab 15. November 2017 Vormerkbutton

  • MobiPocket E-Book, ISBN 978-3-925931-76-5. € 21.99 / Preis in sFr / lieferbar ab 15. November 2017 Vormerkbutton
Wenn Sie kein spezielles E-Book-Lesegerät haben, empfehlen wir das Gratisprogramm Calibre herunterzuladen, mit dem Sie ePUB- und MobiPocket-E-Books auf dem PC verwalten und lesen können: Calibre-Download
 
 

Verlagsinfo

In diesem Buch stehen die kurz-, mittel- und langfristigen Risiken und Schäden psychiatrischer Psychopharmaka auf dem deutschsprachigen Markt (bis 1996) im Mittelpunkt, die sich im Muskelapparat, in den Organen und im vegetativen Bereich niederschlagen, z. B. als – teilweise lebensgefährliche – Muskelkrämpfe, Bewegungsstörungen, genetische Schäden, Belastung der Leber, des Herzens und der Sexualorgane.

Ein eigenes Kapitel ist dem Abhängigkeitspotenzial dieser Substanzen gewidmet. Seinen besonderen Stellenwert bezieht es aus der Tatsache, dass deren Verordner die körperlich abhängig machende Wirkung – mit Ausnahme der Benzodiazepin-Tranquilizer – abstreiten und die beim Absetzen möglichen Entzugserscheinungen, Reboundphänomene und Supersensibilitätsreaktionen der Rezeptoren sowie mögliche irreversible Psychopharmakaschäden verschweigen oder gar zum Symptomwechsel umdefinieren: z. B. chronische Angst nach längerer Antidepressiva- oder Tranquilizer-Verabreichung, Verwirrtheitszustände nach Lithiumentzug und chronische Psychosen nach Neuroleptika-Verabreichung. Umsichtige Ratschläge, wie das Rückfallrisiko gemindert und die Entzugserscheinungen gemildert werden können, schließen diesen Band ab.

Originalausgabe 1996. Mit umfangreichem Schlagwortverzeichnis und 1677 Quellenangaben.

Vorwort zur Neuausgabe als E-Book (2017)

Seit der Originalausgabe des Buches 1996 hat sich einiges geändert. Manche Psychopharmaka sind vom Markt genommen worden, neue kamen hinzu. Der Elektroschock wird zunehmend verabreicht. Nicht geändert hat sich der Anstieg der Verordnungszahlen von Antidepressiva und Neuroleptika, insbesondere der neuen, patentgeschützten, gewinnbringenden und deshalb massiv beworbenen Substanzen. Einige dieser Antidepressiva und Neuroleptika wurden schon 1996 oder zuvor eingeführt, sind also in diesem Buch enthalten. Bei den Neuroleptika sind dies Amisulprid, Clozapin, Risperidon und Sulpirid, bei den Antidepressiva Citalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Mirtazapin, Paroxetin, Sertralin und Venlafaxin.

Nach 1996 auf den Markt gekommene bzw. als neu geltende Substanzen finden Sie in dem Buch »Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika – Risiken, Placebo-Wirkungen, Niedrigdosierung und Alternativen« von Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer und Josef Zehentbauer.

Geändert hat sich auch die Rechtslage zumindest in Deutschland. Gemäß BGB § 1901a (Patientenverfügungsgesetz) können auch Menschen mit psychiatrischen Diagnosen einigermaßen rechtswirksam verfügen, wie sie zukünftig behandelt oder nicht behandelt werden wollen. Es ist ratsamer denn je, eine Psychosoziale Patientenverfügung zu verfassen (Lehmann, 2015).

Und es ist eine Bewegung entstanden zur kompetenten Begleitung beim Absetzen von Antidepressiva und Neuroleptika. Den aktuellen Stand der Entwicklung und Angebote zur Unterstützung beim Absetzen finden Sie im Internet unter www.absetzen.info.

Mittlerweile sind die Ausführungen in »Schöne neue Psychiatrie« zur verminderten Lebenserwartung psychiatrischer Patientinnen und Patienten vielfältig bestätigt worden. Fachintern diskutieren Psychiater, die ihre Augen nicht komplett vor der Wirklichkeit verschließen, in Deutschland (siehe Hoffmann, 2007; Aderhold, 2007) und international über die Ursachen der ca. zwei bis drei Jahrzehnte verminderten Lebenserwartung. 2006 wies beispielsweise Joe Parks, Vorsitzender des Beirats der Ärztlichen Leiter der US-amerikanischen National Association of State Mental Health Program Directors, auf die große Zahl früh sterbender Patientinnen und Patienten »mit schwerer psychischer Erkrankung« hin. Der Psychiater warnte:

»Es ist seit Jahren bekannt, dass Menschen mit schwerer psychischer Erkrankung früher sterben als die Durchschnittsbevölkerung. Allerdings zeigen jüngste Ergebnisse, dass sich die Rate für Anfälligkeiten (Krankheit) und Sterblichkeit (Tod) in diesem Personenkreis beschleunigt hat. Tatsächlich sterben Menschen mit schwerer psychischer Erkrankung nunmehr 25 Jahre früher als die Durchschnittsbevölkerung.« (Parks, 2006)

Gemeinsam mit Kollegen wies Parks auf den Zusammenhang des frühen Todes mit den Neuroleptika der neuen Generation hin:

»Allerdings sind mit zunehmender Zeit und Erfahrung die antipsychotischen Medikamente der zweiten Generation stärker mit Gewichtszunahme, Diabetes, Dyslipidemie (Fettstoffwechselstörung), Insulinresistenz und dem metabolischen Syndrom (Komplex aus Übergewicht, Störungen des Fettstoffwechsels, Bluthochdruck und Insulinresistenz) in Verbindung gebracht worden, die Überlegenheit des klinischen Ansprechverhaltens (außer für Clozapin) wurde bezweifelt. Andere psychotrope Medikationen, die ebenfalls mit Gewichtszunahme verbunden sind, können ebenso Anlass zur Sorge geben.« (Parks et al., 2006, S. 6)

Die steigenden Verordnungszahlen zeugen nicht gerade von großer Sorge unter Psychiatern. Dies überrascht wenig, hatte doch Emil Kraepelin, einer der Väter der modernen Psychiatrie und heutzutage noch von seinen Nachfolgern international hochgeachtet (siehe Lehmann, 2017), schon vor über 100 Jahren sein Missfallen darüber ausgedrückt, dass psychiatrische Patientinnen und Patienten nicht rasch genug sterben:

»Der Wahnsinnige ist gefährlich und wird es bis zu seinem Tode bleiben, der leider nur selten rasch eintritt!« (Kraepelin, 1916, S. 3)

Quellen

  • Aderhold, Volkmar (2007): »Mortalität durch Neuroleptika«, in: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener, Nr. 3, S. 11-15
  • Hoffmann, Michaela (für die Redaktion) (2007) : »Liebe Leserinnen und Leser«, in: Soziale Psychiatrie, 31. Jg., Nr. 4, S. 2; im Internet unter www.antipsychiatrieverlag.de/artikel/gesundheit/pdf/sp-editorial-2007-4.pdf
  • Kraepelin, Emil (1916): »Einführung in die psychiatrische Klinik«, Leipzig: Barth Verlag, 3. Aufl.
  • Lehmann, Peter (18.12.2015): »PsychPaV – Psychosoziale Patientenverfügung. Eine Vorausverfügung gemäß StGB § 223 und BGB § 1901a«; Internet-Ressource www.antipsychiatrieverlag.de/info/pt/psychpav.htm
  • Lehmann, Peter (2017): »Sterben unter psychiatrischer Behandlung – Gedanken zur ›Euthanasie‹ über den gestrigen Tag hinaus«, in: Kontaktgespräch Psychiatrie (Aktion Psychisch Kranke, AWO Bundesverband, BAG GPV, Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker, Bundesverband evangelischer Behindertenhilfe, Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener, Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie, Dachverband Gemeindepsychiatrie, Diakonisches Werk EKD, Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie, Paritätischer Gesamtverband) gemeinsam mit IRRTUM (Hg.): »Gegen das Vergessen – Mit der Geschichte lernen«, Bremen: Irrturm (Arbeitsbereich der Initiative zur sozialen Rehabilitation), S. 148-155
  • Parks, Joe (Oktober 2006): Foreword, in: Joe Parks, Dale Svendsen, Patricia Singer & Mary Ellen Foti (Hg.): »Morbidity and mortality in people with serious mental illness«, Alexandria: National Association of State Mental Health Program Directors, Medical Directors Council, S. 4, Online-Publikation www.nasmhpd.org/sites/default/files/Mortality%20and%20Morbidity%20Final%20Report%208.18.08.pdf
  • Parks, Joe / Svendsen, Dale / Singer, Patricia / Foti, Mary Ellen (Hg.) (Oktober 2006): »Morbidity and mortality in people with serious mental illness«, Alexandria: National Association of State Mental Health Program Directors, Medical Directors Council), Online-Publikation www.nasmhpd.org/sites/default/files/Mortality%20and%20Morbidity%20Final%20Report%208.18.08.pdf

Themenschwerpunkte

  • Hormon- und Sexualstörungen

  • Schwangerschaftsschäden

  • Herzerkrankungen

  • Leberschäden

  • Blutveränderungen

  • Augenschäden

  • Hauterkrankungen

  • Muskel- und Bewegungsstörungen

  • Abhängigkeit und Entzugserscheinungen

autorÜber den Autor

Foto von Peter Lehmann Peter Lehmann ist Autor von Der Chemische Knebel – Warum Psychiater Neuroleptika verabreichen (1996; 6. Aufl. 2010), Herausgeber von Psychopharmaka absetzen – Erfolgreiches Absetzen von Neuroleptika, Antidepressiva, Phasenprophylaktika, Ritalin und Tranquilizern (1998, 4. Aufl. sowie E-Book 2013), Mitherausgeber von Statt Psychiatrie (1993, gemeinsam mit Kerstin Kempker), und Statt Psychiatrie 2 (2007, E-Book 2014, gemeinsam mit Peter Stastny) sowie Mitautor von Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika – Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierung und Alternativen. Mit einem Exkurs zur Wiederkehr des Elektroschocks (gemeinsam mit Volkmar Aderhold, Marc Rufer und Josef Zehentbauer (2017). 2010 Verleihung der Ehrendoktorwürde in Anerkennung des »außerordentlichen wissenschaftlichen und humanitären Beitrags für die Durchsetzung der Rechte Psychiatriebetroffener« durch die Aristoteles-Universität Thessaloniki. 2011 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Mehr über Peter Lehmann